Gleich zwei Rekorde brach die 15. InnoTrans. Schwerpunkte waren alternative Antriebe, künstliche Intelligenz und verbesserte Innenausstattung der Fahrzeuge. Zudem wurden auf der Messe wie immer unzählige Verträge abgeschlossen.
Etwa 175.000 Besucher kamen zu 15. InnoTrans nach Berlin. Entsprechend eng ging es an manchen Tagen auf dem Freigelände zu.
(Bild: Richard Oed)
Genau 175.591 Fachbesucher aus 128 Ländern besuchten vom 22. September bis 25. September 2026 laut vorläufigem Fazit der Messe Berlin die diesjährige 15. InnoTrans, die damit ihr 30-jähriges Jubiläum feierte. Damit wurde der bisherige Rekord von 2024 um etwa 5.000 Teilnehmer übertroffen. Ebenfalls einen Rekordwert in der 30-jährigen Geschichte erreichte die Zahl der Aussteller: 3.190 Aussteller und somit etwa 200 mehr als 2024 stellten ihre Produkte und Dienstleistungen vor.
Diese präsentierten auf 119.767 Quadratmetern in den restlos ausgebuchten 42 Hallen und dem Freigelände 180 Weltpremieren. Zudem waren auf den 3.500 Metern Gleis 113 Lokomotiven, Triebwagen, Güter- und Nachtzugwagen sowie Straßenbahnen und Gleisbaufahrzeuge zu sehen. Entsprechend zufrieden zeigte sich auch der Veranstalter: „Die Jubiläumsausgabe war eine InnoTrans der Superlative“, so Dirk Hoffmann, Chief Operating Officer der Messe Berlin.
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Wie schon in den Vorjahren waren die Themen künstliche Intelligenz, Digitalisierung, Cybersecurity und alternative Antriebe die Hauptthemen. Besonders die KI ist aus der Verkehrstechnik nicht mehr wegzudenken: „In den vergangenen beiden Jahren ist aus dem Trendthema KI das absolut dominierende Gesprächsthema geworden. Künstliche Intelligenz ist mit der InnoTrans 2026 flächendeckend in der Branche angekommen“, sagt Kerstin Schulz, Direktorin der InnoTrans. Daneben veranstaltete die Messe unter dem Motto „AI on Track“ einen KI-Hackathon und rückte neue KI-Anwendungen im AI Mobility Lab zusätzlich in den Fokus.
KI-Einsatz hat seine Grenzen
Auch bei den Herstellern von Schienenfahrzeugen war, wie in vielen anderen Segmenten, das Thema stark vertreten. So stellte etwa der französische Verkehrstechnikhersteller Alstom seinen KI-Assistenten „Talk to my train“ zur Unterstützung von Instandhaltungsteams vor. Und Siemens Mobility präsentierte mit seinem „Railigent X Copilot“ einen speziell für den Bahnbereich entwickelten sprachbasierten KI-Assistenten zur Optimierung von Betrieb und Instandhaltung.
Das Thema „Zulassung“ zeigt allerdings auch deren Grenzen. Derzeit gilt eine künstliche Intelligenz in sicherheitsrelevanten Bereichen als schwer zulassungsfähig, da dort ein besonderer Wert auf deterministische und/oder nachvollziehbare Ergebnisse gelegt wird. Dies ist überwiegend dann der Fall, wenn ein Zug vollautomatisch nach GoA 4 fahren soll. Dies kommt nach Aussage mehrerer Hersteller aber in erster Linie für Abstell- oder Bereitstellungsfahrten infrage, da im Fern- und Güterverkehr der Lokomotivführer bezogen auf die gefahrenen Kilometer keinen wesentlichen Kostenfaktor darstellt.
Alternative Antriebe sind gefragt
Ein weiteres Hauptthema der Messe war die Dekarbonisierung des Schienenverkehrs, insbesondere auch des Nahverkehrs. So zeigten mehrere Hersteller entsprechende Fahrzeuge: beispielsweise CAF seinen Civity BEMU für den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und den Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), Siemens Mobility den Mireo Plus B für die S-Bahn Mitteldeutschland, Skoda den RegioPanther für České dráhy (CD) und Stadler den FLIRT Akku für die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Zudem stellte Stadler seinen schmalspurigen Wasserstofftriebzug für drei italienische Eisenbahnen vor.
Auch Lokomotiven mit alternativen Antrieben gab es zu sehen: CRRC zeigte seine H2-Lokomotive „Velforce“ vor, die 2.000 kW leistet. Mit reinem Batterieantrieb präsentierte etwa der bulgarische Hersteller Express Service seine ES3000 für Rangierdienste. Hybrid- oder Zweikraftloks waren mit dem Vectron Dual Mode X (Oberleitung und Dieselmotor) von Siemens Mobility und der Modula BDD (ein Batteriemodul, zwei Dieselmodule) von Vossloh Rolling Stock (eine Tochter von CRRC) vertreten.
Innovativ ist die Wasserstofflösung von Altpro: Der Hermes-Wagen vereint Wasserstofftank, Brennstoffzellen und den Stromrichter zur Versorgung einer Lok mit elektrischer Energie.
Ein interessantes Konzept stellte die kroatische Firma Altpro mit seinem „Hermes“ genannten System zur Versorgung von herkömmlichen 25‑kV-/50‑Hz-Lokomotiven mit elektrischer Energie auf nicht elektrifizierten Strecken vor. Dieses besteht aus einem hinter der Lok eingereihten Wagen mit 20‑Fuß-Container, der die Lok per Kabel mit elektrischer Energie versorgt. Dazu verfügt er über Wasserstofftanks, Brennstoffzellen, eine Batterie zur Energiespeicherung und einen Stromrichter zur Umwandlung auf Bahnstrom. Laut Altpro beträgt die Nominalleistung 1.200 kW. Da das vollständige System in einen Container eingebaut ist, kann es auch als absetzbare Notstromversorgung oder als temporäre Stromversorgung auf Baustellen verwendet werden.
Stand: 08.12.2025
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Die diesjährige InnoTrans zeigte zudem, dass die Grenzen zwischen Batterie- und Wasserstoffantrieb durchlässiger werden. So gilt inzwischen, dass Batteriezüge (BEMU) eher dort eingesetzt werden sollten, wo eine einfache Nachlademöglichkeit gegeben ist, wie bei Fahrten unter Oberleitung. Wasserstoff kommt dann zur Anwendung, wenn die zu befahrenden Strecken für einen BEMU zu lang sind, keine Nachlademöglichkeit besteht, Wasserstoff lokal herstellbar oder schon vorhanden ist.
Die nächste Generation der Nachtzüge kommt
Gleich drei neue Entwürfe für moderne Nachtzüge waren auf der Messe zu sehen. Am weitesten fortgeschritten ist dabei das Konzept des Berliner Start-ups Nox Mobility, das bereits einen Prototyp zeigen konnte. Nox will die ersten Züge ab März 2027 zwischen München und Hamburg einsetzen, zunächst noch mit Wagen mit Lounge-Sitzen. Eine reine Nachtzugvariante soll 2028 folgen. Eine andere Herangehensweise zeigte Luna in seinem Luna Rail Lab mit dem Hotel Pod und dem Seat Pod, die zueinander schräg versetzt sind. So lassen sich laut Luna bis zu 65 Fahrgäste in einem Waggon unterbringen.
Ein weiteres Konzept stellt das Projekt „Alisa“ (Angebotsdifferenziertes, leichtes und innovatives Schlafwagenkonzept) dar. Dessen Grundbaustein sind drei dauerhaft gekuppelte Wagen mit einer Länge von insgesamt circa 46 Metern, die auf zwei durchgehend begehbaren Ebenen verschiedene Einzel-, Doppel- und Familienabteile bieten. Mehrere Drei-Wagen-Segmente können zu einem längeren Zug verbunden werden. Das System wurde vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit den Unternehmen Tricon, Gata, satek und k+v entwickelt.
Erstmals gezeigt wurde ein Wagen des neuen FlixTrains, den Talgo liefern wird. Ab 2029 soll er zwischen Berlin und München fahren.
Ein weiterer Höhepunkt der Messe war die Vorstellung des ersten Talgo-Wagens für FlixTrain. Die neuen Züge der Komfortklasse „Star“ sollen laut Flix ab 2028 zunächst auf der Strecke München–Berlin zum Einsatz kommen. Neben dem ausgestellten Standardwagen soll es auch Wagen mit Premium-Bereichen und etwas vergrößerter Beinfreiheit geben. Zur genauen Anzahl der Sitzplätze im Standardwagen machten weder Talgo noch Flix Angaben.
Viele Vertragsabschlüsse während der Messe
Traditionell ist die InnoTrans zudem ein Ort zur Bekanntgabe von Vertragsabschlüssen. So schloss etwa das Leasingunternehmen RAILPOOL mit Siemens Mobility einen Rahmenvertrag über 100 Vectron-X‑Lokomotiven ab, wobei 30 Vectron X und 50 Vectron X Dual Mode fest abgerufen wurden. Damit ist RAILPOOL Erstkunde für die Vectron-X‑Variante der Fahrzeuge. Einen Erstauftrag konnte auch Alstom für seine Rangierlokplattform Traxx Shunter verzeichnen. Hier unterzeichnete das Leasingunternehmen Northrail einen Rahmenvertrag über 100 dieser Zweikraftlokomotiven, die ab 2029 geliefert werden sollen.
Außerdem gab es etliche weitere Bestellungen über Triebzüge und Streckenausrüstungen. So schloss unter anderem die ÖBB-Infra mit Siemens Mobility und Hitachi einen landesweiten Rahmenvertrag für die digitale Stellwerkstechnik ab. Der Gesamtwert dieses Auftrags beträgt nach ÖBB-Angaben rund 2,6 Milliarden Euro und hat eine Laufzeit von 10 Jahren. Zudem waren während der Messe noch viele weitere Vertragsabschlüsse oder Kooperationen zu verzeichnen.
Was aus den vorgestellten Projekten geworden ist, lässt sich dann auf der nächsten InnoTrans erfahren, die in zwei Jahren vom 19. bis zum 22. September 2028 wieder in Berlin stattfinden wird. (sb)