Elektroflüge auf dem Vormarsch Weltweit erster öffentlicher Flughafen-zu-Flughafen-Flug mit eVTOL

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 2 min Lesedauer

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In der Luftfahrt werden Elektroantriebe aufgrund des Batteriegewichts noch nicht wirklich als Konkurrenz zu konventionellen Triebwerken angesehen. Doch nun hat ein eVTOL (electric Vertical Take-Off and Landing aircraft) ein historisches Zeichen gesetzt.

Der VX4 von Vertical Aerospace beim Start: Das elektrische Senkrechtstarter-Flugzeug kombiniert Rotor- und Flächenflugtechnik.(Bild:  Vertical Aerospace Group Ltd.)
Der VX4 von Vertical Aerospace beim Start: Das elektrische Senkrechtstarter-Flugzeug kombiniert Rotor- und Flächenflugtechnik.
(Bild: Vertical Aerospace Group Ltd.)

Der Luftfahrt fehlt es nicht an Visionen, wohl aber an praktischen Durchbrüchen. Einer davon ist nun gelungen: Im Juli 2025 absolvierte das elektrische Senkrechtstarter-Flugzeug VX4 des britischen Herstellers Vertical Aerospace den weltweit ersten öffentlichen Flughafen-zu-Flughafen-Flug eines eVTOL. Das vollelektrische Luftfahrzeug startete senkrecht, flog im Horizontalflug weiter und landete wieder senkrecht. Bemannt, flügeltragend und emissionsfrei.

Ein Signalflug für die urbane Luftmobilität

Was auf den ersten Blick wie ein symbolischer PR-Stunt wirkt, ist in Wahrheit ein Meilenstein. Der Flug ist ein Prüfstein für die britische Luftfahrtaufsicht CAA und ein Signal an die europäische EASA. Vertical Aerospace will mit seiner „Flightpath 2030“-Strategie urbane Kurzstreckenflüge elektrifizieren und zur Marktreife führen. Der Flug zeigt, dass der Weg zur Zertifizierung ist nicht nur technisch, sondern auch regulatorisch begehbar. Technisch basiert der VX4 auf einer Tilt-Rotor-Konfiguration. Er vereint die Vorteile des Hubschraubers beim Start mit der Effizienz eines Flächenflugzeugs im Reiseflug. Mit einer Reichweite von rund 160 Kilometern und einer Geschwindigkeit von etwa 240 km/h eignet sich das eVTOL für Punkt-zu-Punkt-Verbindungen.

Die deutsche eVTOL-Branche im Ausverkauf

Während die einen feiern, werden die anderen verkauft. Obwohl Volocopter und Lilium einst als Hoffnungsträger der deutschen Flugtaxi-Branche galten, befinden sich beide Unternehmen inzwischen am Rande des Zusammenbruchs. Volocopter meldete im Dezember 2024 Insolvenz an und geht nun für rund 10 Millionen Euro an den chinesischen Konzern Wanfeng. Auch Lilium meldete im Oktober 2024 Insolvenz an, nachdem staatliche Hilfen ausblieben. Am 24. Dezember 2024 schien das Unternehmen durch das Investorenkonsortium Mobile Uplift Corporation gerettet, das über 200 Millionen Euro frisches Kapital versprach. Doch die Hoffnung währte nur kurz: Im Februar 2025 musste Lilium erneut Insolvenz anmelden, da die zugesagten Mittel nicht flossen. Ein massives Scheitern für die einstige Vision eines regionalen elektrischen Flug‑Taxis.

Industriekooperationen und Entwicklungsperspektiven

Vertical Aerospace setzt auf starke Partner. Gemeinsam mit Honeywell entwickelt das Unternehmen sicherheitskritische Komponenten wie Flugsteuerung und Avionik. Parallel läuft ein weiteres Projekt. Ein Hybrid-VTOL mit 1.000 Meilen Reichweite für Logistik- und Verteidigungsanwendungen. Die Technologie ist modular, die Einsatzfelder vielfältig. Wirtschaftlich zeigt sich Vertical Aerospace stabil. Im ersten Quartal 2025 konnte das Unternehmen seine operativen Verluste reduzieren. Dies geschah unter anderem durch positive Bewertungen bestehender Finanzverbindlichkeiten. Die Marktreife des VX4 rückt näher, das Unternehmen positioniert sich als Vorreiter in einem wachsenden Marktsegment. Der öffentliche Testflug zwischen zwei Flughäfen ist ein Signal mit Tragweite. Er zeigt, dass elektrische Senkrechtstarter keine ferne Vision mehr sind. Zwar bleiben Hürden – bei Batterietechnik, Infrastruktur und Zulassung. Doch der VX4 beweist: eVTOLs sind auf dem besten Weg, Teil des regulären Luftverkehrs zu werden.  (mr)

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