Elektromobilität in China Vom Staubsauger zum Stromer: Dreame baut zukünftig Elektroautos

Von Henrik Bork 4 min Lesedauer

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Die chinesische Staubsaugerfirma Dreame Technology baut zukünftig auch Elektrofahrzeuge, wie das Unternehmen Ende August 2025 verkündigte. Ziel des Quereinsteigers: nicht weniger als das schnellste Auto der Welt zu bauen.

Der chinesische Staubsaugerhersteller Dreame will zukünftig Elektrofahrzeuge im Luxussegment bauen. Er plant, Bugatti und Bentley Konkurrenz zu machen. (Bild:  frei lizensiert bei Pixabay)
Der chinesische Staubsaugerhersteller Dreame will zukünftig Elektrofahrzeuge im Luxussegment bauen. Er plant, Bugatti und Bentley Konkurrenz zu machen.
(Bild: frei lizensiert bei Pixabay)

Sollten die E-Autos so gut werden wie die Staubsauger-Roboter von Dreame, dann könnte hier eine ernsthafte Konkurrenz für traditionelle Autobauer heranwachsen. Denn die Haushaltsgeräte der Firma aus Suzhou in der Nähe von Shanghai sind in China äußerst beliebt. Auch in Deutschland und der Schweiz haben die Dreame-Staubsauger im vergangenen Jahr schon einen Marktanteil von mehr als 30 Prozent erobert, und bieten mit viel technischer Raffinesse der Edelmarke Dyson Paroli. Außerdem baut Dreame auch kabellose Staubsauger, Rasenmäh-Roboter, Geschirrspülmaschinen, Haartrockner, sowie einen Roboter für die Essensauslieferung.

Luxussegment im Visier

Nun aber will sich Firmengründer Yu Hao, Jahrgang 1987, auch den Traum vom Bau eines E-Autos erfüllen. Das erste Modell soll eigenen Angaben zufolge ein „reiner Stromer aus der Ultra-Luxus-Kategorie“ werden und ist als Konkurrenz zum Bugatti Veyron positioniert. Ab 2027 soll das neue Auto erhältlich sein. Es werde das „ultimative Fahrerlebnis“ liefern, verspricht das Dreame-Team.

Man nennt nicht nur den Bugatti Veyron explizit als „Benchmark“, sondern kündigt auch an, ihn in jederlei Hinsicht zu überholen. „Das weltweite Segment der ultra-luxuriösen Automobile (wird) noch immer von traditionellen Marken wie Bugatti und Bentley dominiert, die bei Elektrifizierung und intelligenten Technologien vergleichsweise langsam vorangekommen sind. Dreame wird neu definieren, was im kommenden Zeitalter des Automobils unter Ultra-Luxus zu verstehen ist”, heißt es selbstbewusst in einer offiziellen Stellungnahme von Dreame.

Lohnt sich der Einstieg in die Elektromobilität?

Die chinesische Firma ist nicht der erste Staubsauger-Hersteller, der E-Autos bauen will. Der britische Wettbewerber Dyson hatte das ebenfalls versucht. Der Gründer, Sir James Dyson, hatte 2016 mehr als 500 Ingenieure und Arbeiter angeheuert, um ein „radikales und anderes“ E-Auto zu entwickeln. 2019 gab er auf – nachdem etliche Millionen in das Projekt geflossen waren. Es sei auf Dauer nicht rentabel, sagte er. Auch die chinesische Firma Gree baut nicht nur Staubsauger, sondern auch E-Autos.

In China reiht sich Dreame überhaupt in eine lange Schlange dieser so genannten Crossover-Hersteller ein. Seit die E-Mobilität hier so richtig abhebt, gibt es kaum noch eine Firma, die einen Einstieg in dieses Geschäft nicht für lukrative hielte und zum einen oder anderen Zeitpunkt ihr Glück damit versuchen wollte. Die Liste reicht von Immobilien-Firmen wie Evergrand, Baoneng und Agile über Aluminiumproduzenten wie der Weiqiao-Hongqiao-Gruppe mit Rox Motor. Sogar die bekannte Schnapsbrennerei Wuliangye, in China mindestens so bekannt wie Jägermeister in Deutschland, hatte einst damit geliebäugelt.

Die meisten dieser Quereinsteiger haben inzwischen wieder aufgegeben. In jüngster Zeit sind Ankündigungen von Crossover-Playern selten geworden. Es hat bereits eine deutliche Konsolidierung der jungen Industrie begonnen. Die Zeit der Goldgräberstimmung ist vorbei.

Der Markt wird durcheinandergewirbelt

Dreame findet solche Vergleiche allerdings völlig unpassend. Man sei selbst „kein 0-1-Abenteurer”, sondern stehe „auf den Schultern von Giganten der chinesischen Fertigungsindustrie“, schreibt Dream Technology in seinem Pressetext. Damit spielt das Unternehmen auf seine ehemalige Erfahrung als Lieferant für Xiaomi an, Hersteller von Handys und Haushaltsgeräten, der ja inzwischen selbst Stromer produziert.

Besonders seine Entwicklung von digitalen Hochgeschwindigkeits-Motoren mit Drehmomenten von mehr als 200.000 RPM sei eine „starke Grundlage“ für die Fertigung von Elektrofahrzeugen, so Dreame. Dieselbe Technologie, die leistungsstarke Staubsaugermotoren ermögliche, ließe sich auch für das Design von Drivetrains für E-Autos nutzen, schreibt das 2017 gegründete und mittlerweile sehr erfolgreiche Unternehmen.

Möglicherweise wäre es wirklich zu früh, über Dreame und seine E-Auto-Träume zu lachen, nur weil es auch Staubsauger baut. Die Firma hat zumindest eine Chance, sich in die Riege der erfolgreichen Quereinsteiger aus der High-Tech-Branche einzureihen, die ihre technologischen Fähigkeiten aus anderen Bereichen in den Aufbau einer automobilen Sparte einfließen lassen, entweder als Zulieferer oder mit eigenen Automodellen. Dazu zählen der Auftragsfertiger Foxconn, der Technologiekonzern Huawei und die Internetfirma Baidu.

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Auch die Ansage, neu zu definieren, was „Ultra-Luxus“ in der heutigen Zeit eigentlich bedeute, ist weniger weit hergeholt, als sie auf Anhieb klingen mag. Genau das neue Luxusverständnis chinesischer, digital-affiner Autofahrer sorgt gerade für massive Umsatzeinbrüche bei den traditionellen Luxus-Autobauern wie Porsche, Mercedes-Benz oder BMW auf dem chinesischen Markt.

Die Ankündigung von Dreame ist ein weiteres Beispiel für den Trend der Konvergenz, also das Verschmelzen von vormals isolierten Technologiebereichen und Industrien, der gerade die Automobilindustrie neu ordnet. Wenn smarte E-Autos immer mehr wie “fahrende Handys” über ihre digitalen oder elektrischen Funktionen punkten, könnte ihnen auch die Technik von richtig guten Staubsaugermotoren oder die aus den Sensoren für Saugroboter zugutekommen.

Ob das Ganze dann „wirtschaftlich rentabel“ werden kann, muss abgewartet werden. Vielleicht kam der Vorstoß von Dyson nur zu früh und jetzt ist die Zeit reif. Dreame will ja auch nur eine extreme Nische des Automarktes erobern, das Ultra-Luxus Segment. Zweifeln darf man aber an der Notwendigkeit das „schnellste Auto“ der Erde zu bauen. Für die Staus auf der dritten Ringstraße in Peking kann das wohl nicht gemeint sein, oder? Selbst wenn die Beschleunigung von 0 auf 100 gemeint sein sollte, die beim Bugatti Veyron aus dem Werk Molsheim der Volkswagen Group bei 2.5 Sekunden liegt.

Und man darf sich auch bestimmt noch fragen, wie der Automotor von Dreame dann wohl eines Tages klingen wird, wenn er mal so richtig aufgedreht wird. Eher wie der Acht-Liter-Motor von Bugatti, oder doch eher wie ein völlig abgefahrener Staubsauger? (se)

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