Autonomes Fahren ist mit einem Schlag an der Börse unheimlich populär und mittendrin im regen Treiben befindet sich das Unternehmen WeRide, das sich ebenfalls um einen Börsengang bewirbt. Kommt damit der Durchbruch für autonome Mobilität?
In Asien spielt autonomer Verkehr eine größere Rolle als in westlichen Gefilden. Grund genug für Player der Branche, den Bösengang anzuvisieren.
Schon drei Robotaxis verkauft, na dann nichts wie ab an die Börse! So ließe sich - leicht ironisch - der Prospekt zusammenfassen, mit dem das chinesische Start-up WeRide seinen IPO an der Tech-Börse NASDAQ anpreist. Ob dem autonomen Fahren nun die Zukunft der Mobilität gehört, oder ob das Ganze doch nur ein riesiger Hype ist - das müssen die potenziellen Käufer der Aktie entscheiden.
Das chinesische Start-up habe am 26. Juli 2024 offiziell seinen Börsengang in New York beantragt, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Wie viel Geld es einsammeln will, verrät das 2017 gegründete Unternehmen nicht. In inoffiziellen Berichten ist aber von 500 Millionen US-Dollar die Rede.
Das würde das geplante Listing zum größten Börsenauftritt eines chinesischen Unternehmens machen, seit das Ridesharing-Unternehmen Didi dort 2021 Aktien im Wert von 4,44 Milliarden USD verkauft hatte - nur um sich kurz danach auf Druck der chinesischen Regierung wieder zurückzuziehen.
WeRide, zu dessen Investoren die Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi gehört und das gemeinsam mit Bosch ADAS-Fahrassistenz-Lösungen verkauft, sieht offenbar den richtigen Moment für einen Börsengang gekommen. Oder es benötigt dringend Geld, um die teure Forschung & Entwicklung in dem von Hochtechnologie dominierten Feld weiter finanzieren zu können. Wahrscheinlich könnte beides sein.
Investition in die Zukunft
Dass mit dem autonomen Fahren derzeit hauptsächlich Geld verbrannt und nicht verdient wird, daraus macht WeRide in seinem Börsenprospekt keinen Hehl. Es verkauft unter anderem Robotaxis. Davon hat es 2021 insgesamt fünf Stück, 2022 immerhin elf und im vergangenen Jahr ganze drei Stück verkauft.
Mit dem Verkauf von ADAS-Lösungen, unter anderem in der Partnerschaft mit dem deutschen Zulieferer Bosch, verdienen die Chinesen zwar schon ordentlich Geld. Aber insgesamt ist das Unternehmen noch weit von der Profitabilität entfernt.
2017 gegründet, sieben Jahre später soll, wenn es nach den Verantwortlichen von WeRide geht, der Gang an die Börse erfolgen.
(Bild: Asia Waypoint)
Von 2021 bis 2023, so hat es WeRide jetzt veröffentlicht, haben die Nettoverluste zuerst bei über einer Milliarde Yuan (rund 130 Millionen Euro), dann bei fast 1,3 Milliarden Yuan (rund 170 Mio. Euro) und im vergangenen Jahr schließlich 1,9491 Mrd. Yuan (rund 250 Mio. Euro) betragen. „Wir sind seit unserer Gründung nicht profitabel gewesen und diese Situation könnte in der Zukunft andauern“, schreibt WeRide im Börsenprospekt.
Wer nach Gründen sucht, die Aktie zu kaufen, wird allerdings ebenfalls fündig. WeRide zählt zu den erfolgreicheren unter den Start-ups im Bereich autonomes Fahren in China. Zurzeit würden seine Produkte schon in 30 Städten rund um die Welt in sieben verschiedenen Ländern „getestet oder kommerziell genutzt“, heißt es in der Veröffentlichung für den IPO.
Autonom in China
Auch entwickelt sich der gesamte Markt für autonome Autos in China momentan sehr positiv. Der Internet-Konzern Baidu, der ebenfalls Robotaxis rollen lässt, hat im ersten Quartal dieses Jahres 25 Prozent mehr Fahrten mit fahrerlosen Taxis verkauft, als im Jahr zuvor, berichtet die Wochenzeitung Shidao Zhoubao. Insgesamt haben bereits sechs Millionen Fahrgäste eines dieser „Apollo-Go“-Taxen genutzt. Und Chinas Taxifahrer haben begonnen, sich um ihre Zukunft zu sorgen.
„Wegen der Popularität von Baidus Apollo Go wird erwartet, dass Unternehmen wie WeRide in der Lage sein werden, Wege zur Monetarisierung des Robotaxi-Geschäfts zu finden“, wird der Ökonom Pan Helin in dem Bericht zitiert. Auf jeden Fall gibt es genügend Menschen, die das glauben und bei solchen Börsengängen eine Wette auf die Zukunft abschließen. Seit Anfang dieses Jahres gibt es eine Welle von IPOs von chinesischen Unternehmen, die im Bereich des autonomen Fahrens aktiv sind.
Hype oder nachhaltige Entwicklung?
Zongmu Technology, Horizon und Black Sesame Technology sind kurz nacheinander in Hongkong an die Börse gegangen. Im Juli hat die chinesische Börsenaufsicht auch dem WeRide-Konkurrenten Pony.ai, an dem Toyota beteiligt ist, einen Börsengang in New York genehmigt. Chinesische Medien berichten, dass es bereits ebenfalls seinen Antrag an der Tech-Börse NASDAQ eingereicht habe.
Um seine autonom fahrenden Robotaxis, oder auch seine fahrerlosen Reinigungsfahrzeuge und Busse im großen Stil weiter entwickeln und verkaufen zu können, benötigen WeRide und seine Konkurrenten dringend mehr Geld - egal, wie viel sie bis jetzt schon verbrannt haben. Sollte sich die Technologie wirklich durchsetzen, werden diese Börsengänge eines Tages im Rückblick möglicherweise als Anfang der Kommerzialisierung des autonomen Fahrens bezeichnet werden. (sb)
Stand: 08.12.2025
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