Kostal und Compleo „Unter den Top-3 in Europa bewegen“

Von Christian Otto 3 min Lesedauer

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Kostal hat den finanziell angeschlagenen Ladeinfrastrukturspezialisten Compleo im August final übernommen. Der CEO der Gruppe, Andreas Kostal, und der Compleo-Chef Jörg Lohr sprechen über Synergieeffekte, Ziele und die zukünftige Aufgabenverteilung.

Compleo soll mit seinen Ladelösungen das Portfolio von Kostal stärken.(Bild:  Compleo)
Compleo soll mit seinen Ladelösungen das Portfolio von Kostal stärken.
(Bild: Compleo)

Kostal hat Compleo übernommen und dabei sollen viele Synergien gehoben werden. Welche sind das konkret?

Andreas Kostal: Kostal und Compleo verfügen über vielfach komplementäre Kompetenzen. Das ist bei Kostal der Automobilbereich beim Thema Laden im Fahrzeug und bei Compleo die Ladeinfrastruktur. Dabei überlappen sich unsere Fähigkeiten häufig und ermöglichen einen beidseitigen Nutzen. Ein ähnlicher Synergieeffekt zeigt sich auch in der Industrieelektrik, wo Kostal bereits auf der Infrastrukturseite mit dem Laden aktiv ist oder eben auch im Bereich Photovoltaik. Und natürlich gibt es auch Überschneidungen bei der Software.

Elektromobilität, Photovoltaik und Ladeinfrastruktur sind allesamt Wachstumsfelder. Beide Unternehmen haben hier jeweils schon technologisch vorgearbeitet. Doch es besteht auch auf menschlicher Ebene eine Freude an der Zusammenarbeit. Die Offenheit ist enorm und ermöglicht allen Beteiligten, von den verschiedenen Erfahrungen zu profitieren.

Jörg Lohr: Es ist keineswegs selbstverständlich, dass man als übernommenes Unternehmen die positiven Teile des Erbes der bisherigen Compleo-Arbeit bewahren kann. Hier zeigen wir einen ausgeprägten Willen, uns insbesondere auf der Entwicklerseite gegenseitig zu unterstützen.

Jörg Lohr, CEO von Compleo und Andreas Kostal, CEO der Kostal-Gruppe, wollen am Markt für Ladeinfrastruktur eine führende Rolle einnehmen. (Bild:  Kostal)
Jörg Lohr, CEO von Compleo und Andreas Kostal, CEO der Kostal-Gruppe, wollen am Markt für Ladeinfrastruktur eine führende Rolle einnehmen.
(Bild: Kostal)

Welchen Anteil am Gesamtgeschäft der Kostal-Gruppe nimmt der Ladebereich mit Compleo ein?

Kostal: Im Jahr 2022 konnte unsere Gruppe einen Umsatz von ungefähr 3,5 Milliarden Euro verzeichnen. Wir planen mit einer Wachstumsrate von sieben Prozent als Gruppe. In den nichtautomobilen Bereichen streben wir ein überproportionales Wachstum an, um eine bessere Balance hinzubekommen. Hier hat Compleo im Lademarkt das Potenzial, aktiv teilzunehmen und somit zur Diversifikation der Gruppe beizutragen.

Als Ziel wurde die Marktführerschaft im Ladebereich in Europa formuliert. Was heißt das in Zahlen?

Lohr: Wir definieren es über die tatsächlich ausgelieferten Ladepunkte, wobei wir Unterschiede je nach Anwendungsfall, wie Wallboxen oder HPC-Lader, berücksichtigen. Wir haben 2030 als Zeithorizont, der uns eine gewisse Planungssicherheit bietet. Unser Ziel ist es, in den relevanten Märkten – EU 27 plus UK – mit einem signifikanten Marktanteil Marktführer werden. Aktuelle Zahlen zeigen, dass man mit einem Anteil von 15 bis 20 Prozent über alle Segmente hinweg als starker Akteur gilt. Die Konkurrenz im Bereich Wallboxen ist beispielsweise höher als bei den HPC-Ladern. Wenn wir überall sehr gut vertreten sind, werden wir eine führende Roll einnehmen. Ob wir dabei an erster Stelle in Bezug auf die Anzahl der Ladepunkte stehen, ist nicht ausschlaggebend. Unser Ziel ist es jedoch, uns stetig unter den Top-3 in Europa zu bewegen.

Auch andere Zulieferer haben sich an Ladeinfrastruktur versucht. Das war nicht immer erfolgreich. Offensichtlich wird das Thema Software unterschätzt. Diese Fähigkeit hat Kostal schon im Haus. Von wie viel Entwicklern sprechen wir hier insgesamt?

Kostal: Wir verzeichnen eine stetig wachsende Zahl. Derzeit sind es in der Gruppe circa 1.100 interne sowie etwa 400 externe Softwarespezialisten. Das entspricht 50 Prozent unseres gesamten Entwicklerteams.

Lohr: Software ist der Differenzierungsfaktor. Physisch ist die Ladeinfrastruktur genau so standardisiert wie die Fahrzeugseite. Es rücken zunehmend Prozesse wie die Abrechnung in den Fokus. Hier bietet es einen Vorteil, dass die Kostal-Gruppe immer schon Kompetenzen als Elektroniklieferant bereitgehalten hat und Software stets ein Teil des Geschäftsmodells war. Auch bei Compleo wurde Software immer schon höchste Priorität eingeräumt und repräsentiert dort auch das größte Team. Insgesamt zählen wir aktuell etwa 200 Entwickler, sowohl im Bereich der Embedded Software auf den Ladegeräten als auch im Backend.

Wie organisieren Sie den Vertrieb?

Lohr: Sämtliche Aktivitäten im Bereich des stationären Ladens der Kostal-Gruppe werden in Compleo überführt und gebündelt. Das bedingt auch, dass der Vertrieb für Ladeinfrastruktur durch Compleo erfolgt. Beim Aufbau unseres Europa-Vertriebs werden wir die bestehenden Strukturen der KOSTAL-Gruppe, die in 21 Ländern vertreten ist, nutzen. Da Ladeinfrastruktur eine erklärungsbedürftige Dienstleistung ist, werden wir, obwohl wir die bestehenden Strukturen verwenden, einen dezidierten Vertrieb für Elektromobilität aufbauen.

Welche Märkte sind im Fokus?

Lohr: Compleo hat bereits in UK, Schweden, Österreich und der Schweiz Operations Teams, da wir in diesen Märkten signifikante Marktanteile anstreben. Um zu skalieren, müssen wir unseren Kunden folgen und dürfen sie nicht eingrenzen. Ladeinfrastruktur darf nicht an der Landesgrenze aufhören. Unser Fokus für die nächsten fünf Jahre liegt auf der Expansion in Nordeuropa und Nordamerika.

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