Künstliche Intelligenz in der chinesischen Automobilindustrie Sora – Hype oder Chance?

Von Henrik Bork * 3 min Lesedauer

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Kaum hatte Sora das Licht der Welt erblickt, da hatte sie schon Fans in der chinesischen Autoindustrie. Man ist sich sicher: Das neue KI-Werkzeug, das Texte in Videos verwandeln kann, hätte großes Potenzial für das autonome Fahren.

Mitte Februar hat OpenAI mit Sora ein neues KI-System vorgestellt, das kurze Videos aus Textanweisungen erstellen kann. Riesige Fans hat das Tool in der chinesischen Automobilindustrie.(Bild:  frei lizensiert von Pixabay)
Mitte Februar hat OpenAI mit Sora ein neues KI-System vorgestellt, das kurze Videos aus Textanweisungen erstellen kann. Riesige Fans hat das Tool in der chinesischen Automobilindustrie.
(Bild: frei lizensiert von Pixabay)

Einer von denen, die einen „großen Einfluß“ von Sora auf die Autoindustrie vorhersagen, ist Zhou Hongyi, Gründer der Cyber-Security-Firma 360. Ähnlich wie Elon Musk in den USA hat er sich öffentlich zu Sora geäußert. Anders als Musk allerdings sieht er deren Zukunft positiv. „Die ursprüngliche Technologie für das autonome Fahren hat die Ebene der Perzeption überbetont, auf Kosten der kognitiven Ebene,“ wird Zhou im Auto-Fachportal Shouxi Zhixingguan zitiert. “Wenn es kein Verständnis der Welt gibt, ist es wirklich schwierig, autonomes Fahren zu entwickeln.”

Algorithmen trainieren

Die Hoffnung von Zhou und anderen Industrie-Insidern in China ist, dass Sora eine neue Richtung für die Entwicklung und Anwendung von Technologien für das autonome Fahren vorgeben wird. Sora sei zwar erst ein Anfang, zeige aber schon deutlich die Fähigkeiten von Large Language Models (LLM), mit bewegten Bildern die reale Welt nicht nur zu simulieren, sondern auch zu verstehen. Weil die kognitiven Fähigkeiten der künstlichen Intelligenz mit Sora aus der Welt zweidimensionaler Inputs in die Welt des 3D gehoben werden, ermögliche das neue Wege des Trainings von Algorithmen für das autonome Fahren und die Interaktion mit Fahrern im Smart Cockpit.„Sora repräsentiert einen revolutionären Sprung im Bereich KI-generierten Contents“, erklärt Professor Shen Yang von der Pekinger Tsinghua-Universität, der zum Thema KI forscht. Sora schlage alle bisherigen Modelle „im Hinblick auf ihr räumliches Vorstellungsvermögen und ihre Genauigkeit”, so Shen.

Neuer Boost für autonomes Fahren in China

Sora könnte viele Forscher und Unternehmer in Chinas Autoindustrie davon überzeugen, dass realistische und effiziente Trainingsmethoden für das autonome Fahren möglich sind – und das zu kommerziell realistischen Preisen. Das werde der Entwicklung des autonomen Fahrens in China einen „neuen Boost” geben – so die gängige Meinung, die seit Vorstellung von Sora Mitte Februar in China herrscht. „Der Simulator wird der zentrale Motor für die Iteration des autonomen Fahr-Systems werden“, wird Pan Yifeng, stellvertrender Vorstandsvorsitzender bei PhiGent Robotics im Auto-Fachportal Shouxi Zhixingguan zitiert.

Schon heute ist die Generation von Videos ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung des autonomen Fahrens, etwa für Programmierer in Unternehmen wie Tesla oder Wayve. Wenn sich nun echte Fahrzeug-Daten mit neuer Technologie zum Generieren von Videos kombinieren lassen, so könnte das „im Wesentlichen das Problem des autonomen Fahrens von einem Ende zum anderen lösen“, glaubt He Xiang, ein Daten-Experte bei Haomo.ai.

Blick in die Zukunft

Noch sei Sora allerdings relativ simpel. Es brauche noch viel Zeit und Arbeit, bis sie wirklich die Autoindustrie aufmischen könne, warnen viele Fachleute. Doch sie sind auch überzeugt, dass die junge Frau, die da in einem rund einminütigen Video eine Straße in Tokio entlangspaziert, aber eine Inspiration sei, wie KI zukünftig auf verschiedenen Ebenen für das autonome Fahren zum Einsatz kommen könne.

Eine dieser Ebenen ist die Szenarien-Analyse. Sora oder ähnliche Modelle könnten in Zukunft bei der Analyse von visuellen Signalen – etwa Gesten von Verkehrspolizisten – oder der Analyse von komplexen Situationen helfen, beispielsweise bei unvorhergesehenen Unfällen im Straßenverkehr, dem Fahrverhalten von Rettungswagen oder Tieren auf der Straße.

KI muss lernen

Bis Sora oder entsprechende Pendants wirklich dazu fähig sind, müssen sie jedoch noch viel lernen. Momentan generiere das Modell zu viele fiktive Szenen, die nicht als Basis für Fahrentscheidungen nutzbar sind, wo Sicherheit die wichtigste Rolle spielt.  (se)

* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.

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