Bahntechnik Siemens rüstet die S-Bahn Kopenhagen für GoA 4 auf

Von Richard Oed * 2 min Lesedauer

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Im Rahmen des Programms „Future S-Bahn“ führt die S-Bahn Kopenhagen schrittweise das vollautomatische Fahren auf ihrem Streckennetz ein. Damit wird sie zu einem der weltweit größten voll automatisierten Bahnsysteme.

Bis 2038 soll die S-Bahn Kopenhagen auf einen vollautomatischen fahrerlosen Betrieb umgestellt werden. (Bild:  Siemens Mobility)
Bis 2038 soll die S-Bahn Kopenhagen auf einen vollautomatischen fahrerlosen Betrieb umgestellt werden.
(Bild: Siemens Mobility)

Siemens Mobility hat den Auftrag bekommen, das gesamte 170 Kilometer lange S-Bahn-Netzwerk Kopenhagen (S-tog København) auf die höchste Automatisierungsstufe (Grade of Automation) GoA 4 hochzurüsten. Das soll bereits in der ersten Projektphase ab dem Jahr 2030 einen fahrerlosen Zugbetrieb ermöglichen. Die entsprechenden Verträge über die erforderliche Signaltechnik für 226 neu zu beschaffende Züge und über die zugehörige Streckenausrüstung unterzeichnete Siemens kürzlich mit dem dänischen Infrastrukturbetreiber Banedanmark (BDK) und den Dänischen Staatsbahnen (Danske Statsbaner / DSB).

Hohe Pünktlichkeitsrate

Die Hochrüstung der S-Bahn Kopenhagen auf GoA 4 ermöglicht es dem Betreiber, die Anzahl der Züge im gesamten System zu erhöhen und eine hohe Pünktlichkeitsrate sicherzustellen. Derzeit fahren im Kernnetzwerk der S-Bahn pro Stunde bis zu 84 Züge auf sieben Linien und transportieren jährlich über 100 Millionen Fahrgäste an insgesamt 88 Stationen.

Die neuen Verträge mit einem Gesamtvolumen von etwa 270 Millionen Euro bauen auf einem Abkommen von 2011 auf. In dessen Rahmen wurde das Kopenhagener S-Bahn-Netzwerk seinerzeit mit einem Communications-Based Train Control System (CBTC-System) modernisiert.

Blick in das Operations Control Center (OCC) der S-Bahn Kopenhagen.(Bild:  CARSTEN ANDERSEN)
Blick in das Operations Control Center (OCC) der S-Bahn Kopenhagen.
(Bild: CARSTEN ANDERSEN)

Neben der Lieferung der Onboard-Units beinhalten die jetzt geschlossenen Vereinbarungen auch die Ausrüstung der beiden Depots in Hundige und Høje Taastrup mit funkbasierten Kommunikationssystemen, die die technische Erreichbarkeit aller Züge erweitern. Zusätzlich wird die Zugleittechnik durch flexible Dispositionsfunktionen erweitert, um in Zukunft einen noch reibungsloseren Betrieb zu gewährleisten.

„Durch die Implementierung unserer erstklassigen Signaltechnologie bis 2033 werden Züge in der Lage sein, automatisch und fahrerlos zu fahren,“ sagt Michael Peter, CEO von Siemens Mobility. Und ergänzt: „Dies wird das Kopenhagener Netzwerk zur weltweit größten automatischen S-Bahn machen.“

Bis 2038 gemischter Betrieb

Die Einführung der kommunikationsbasierten Zugsicherung mit GoA 4 geschieht in fünf Phasen, um den Zugverkehr in und um Kopenhagen möglichst wenig zu stören. In der ersten Phase soll zunächst die F-Linie zwischen den beiden Stationen København Syd und Hellerup umgerüstet werden. Die Beteiligten planen den dortigen Testlauf für Mitte 2030 und die Aufnahme des regulären Fahrgastbetriebs bis Ende 2030. Im Rahmen der phasenweisen Projektumsetzung kommen bis 2038 neue, fahrerlose GoA-4-Züge gleichzeitig mit bereits vorhandenen GoA-2-Zügen zum Einsatz. Bis dahin wird eine hybride Streckentechnologie eingesetzt, die sowohl GoA 2 als auch GoA 4 ermöglicht.

Für den Schienenverkehr, unabhängig davon, ob es sich um Straßenbahnen oder Eisenbahnen handelt, hat der internationale Verband für öffentliches Verkehrswesen, die Union Internationale des Transports Publics (UITP), fünf Automatisierungsstufen definiert. Die niedrigste Stufe, GoA 0 bedeutet dabei das Fahren auf Sicht, wobei das Anfahren und Bremsen, sowie das Schließen der Türen und der Betrieb im Störungsfall dem Fahrer obliegt. GoA 1 unterscheidet sich von GoA 0 lediglich durch den Einsatz einer Zugbeeinflussung.

Ein teilautomatischer Betrieb ist bei GoA 2 möglich. Start und Bremsung geschehen hier automatisch. Der Fahrer ist nur noch für den Betrieb im Störungsfall und für die Türschließung zuständig. Bei GoA 3 entfällt der Fahrer, seine Aufgaben übernimmt ein Zugbegleiter (begleiteter fahrerloser Betrieb). Bei GoA 4 als vollautomatischer personalloser Betrieb übernimmt die Automatik schließlich alle Aufgaben.  (se)

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