Elektromobilität Schneller Handlungsbedarf in Europa: PEM und Roland Berger veröffentlichen Battery Monitor 2025

Von Stefanie Eckardt 3 min Lesedauer

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Roland Berger und der Lehrstuhl PEM der RWTH Aachen haben zusammen die Studie Battery Monitor 2024/2025 veröffentlicht. Diese geht davon aus, dass sich die weltweite Batterie-Nachfrage bis 2030 auf bis zu 4,6 Terawattstunden verdreifachen und sich dieser Wert bis 2040 verdoppeln wird. Was bedeutet das für europäische Hersteller?

Die Studie Battery Monitor 2024/205, die der Lehrstuhl PEM der RWTH Aachen zusammen mit Roland Berger veröffentlicht hat, steht unter dem Motto: "Die Wertschöpfungskette zwischen Ökonomie und Ökologie".(Bild:  PEM RWTH Aachen | Roland Berger)
Die Studie Battery Monitor 2024/205, die der Lehrstuhl PEM der RWTH Aachen zusammen mit Roland Berger veröffentlicht hat, steht unter dem Motto: "Die Wertschöpfungskette zwischen Ökonomie und Ökologie".
(Bild: PEM RWTH Aachen | Roland Berger)

Der Batteriemarkt wurde im vergangenen Jahr ordentlich durchgeschüttelt. Vor allem die europäische Industrie möchte unabhängig von asiatischen Märkten werden, der europäische Anteil soll steigen. Ergo, die Industrialisierungs- und Kommerzialisierungsbemühungen in Europa beschleunigen. Allerdings erwies sich der Produktionshochlauf als schwierig. Dazu kam die Ungewissheit, wie sich der Stromermarkt entwickelt. „2024 hat die Volatilität im Markt für Batteriezellen stark zugenommen“, so Wolfgang Bernhart, Partner bei Roland Berger und erklärt: „Das liegt vor allem an Unsicherheiten in Bezug auf die Nachfrage, weil die Zahl der verkauften E-Autos langsamer steigt, als erwartet und sowohl in den USA als auch in der EU ungewiss ist, wie es regulatorisch weitergeht.“ Darüber hinaus übersteigt die Produktionskapazität des chinesischen Marktes die lokale Nachfrage, was zusätzlichen Druck auf die westlichen Märkte ausübt, während gleichzeitig neue Technologien demonstriert werden.

Vierte Ausgabe der Studie Battery Monitor

Die nun mehr vierte Ausgabe der Studie Battery Monitor, die der Lehrstuhl Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) der RWTH Aachen zusammen mit der Unternehmens- und Strategieberatung Roland Berger beleuchtet den Batteriemarkt in allen Facetten – angefangen von den Rohstoffen und die Batteriezellproduktion, über die Produkt-Performance, Einsatzbereiche, Recycling und Second-Life-Möglichkeiten.

Schlussfolgerungen aus den Herausforderungen ziehen

Die Studie zeigte auf, dass der europäische Batteriemarkt derzeit vom Preiskampf asiatischer Hersteller geprägt ist: Lokale Überkapazitäten durch zu optimistische Bedarfsannahmen etwa aus China sorgen für weltweit fallende Preise und setzen europäische Hersteller weiter unter Druck. Diese sehen sich sowieso schon mit höheren Produktionskosten und Unwägbarkeiten beim Hochlauf der Elektromobilität konfrontiert. Dem Battery Monitor zufolge müssen neue Akteure in Europa hochwertige Batteriezellen in Zukunft preiswerter produzieren, wobei Kooperationen mit asiatischen Wettbewerbern durchaus Sinn ergeben könnten. „Trotz erheblicher Unsicherheiten wächst der globale Batteriemarkt weiter stark und bietet damit auch Chancen für europäische Hersteller, wenn sie sich auf Wettbewerbsvorteile durch Innovationen, hochwertige Prozesstechnologien und die Ökobilanz der Batterien fokussieren“, unterstreicht PEM-Leiter Professor Achim Kampker.

Wie entwickelt sich der Batteriebedarf?

Die Studie präsentiert drei Prognosen für die Entwicklung des Bedarfs:

  • eine Positiv-Annahme, die ein schnelles Fortschreiten der Elektrifizierung annimmt,
  • ein Basis-Szenario, das trotz eines vorübergehenden Rückgangs der E-Auto-Verkäufe die Erreichung der Emissionsziele in der EU und den USA voraussagt und
  • ein Negativ-Fall mit deutlichen Verzögerungen, etwa durch eine Verschiebung des Verbots von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor in der EU.

Auf dem globalen Markt produziere China derzeit deutlich mehr Batterien als der eigene Markt benötigen würde, wodurch die Überschüsse exportiert würden. Das führe weltweit zu fallenden Preisen, die jedoch nicht so niedrig bleiben könnten, weil schon jetzt einige der Zulieferer und Produzenten in China nicht mehr kostendeckend arbeiteten. Aktuell setze der Preisverfall aber vor allem europäische Hersteller unter Druck, die am Aufbau eigener Kapazitäten arbeiten und damit theoretisch mehr als den europäischen Bedarf decken könnten. Laut dem „Battery Monitor“ werden sich indes nicht alle angekündigten Projekte realisieren lassen. Seien Unternehmen in der EU und den USA zuletzt vergeblich in Vorleistung gegangen, agierten sie bei ihren Investitionsplanungen nun äußerst vorsichtig, was wiederum das Risiko einer Unterversorgung berge. „Dieser Trend wird von Verzögerungen in der Industrialisierung und von fehlender ökonomischer Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich getrieben“, befürchtet Kampker.

Nachhaltigkeit und Fortschritte bei der Zellchemie

Die europäischen Batteriehersteller setzten indes vor allem auf Nachhaltigkeit, um sich von ihren chinesischen und US-amerikanischen Wettbewerbern abzusetzen. Ziel sei es, die Emissionen bei der Herstellung von Batteriezellen auf bis zu 40 Kilogramm CO2 pro Kilowattstunde zu senken. Das entspricht etwa einem Drittel bis hin zur Hälfte des aktuellen CO2-Fußabdrucks von Batteriezellen. Darin liege ein potenzieller Wettbewerbsvorteil der Europäer, so PEM-Leitungsmitglied und Batterie-Experte Professor Heiner Heimes und betont: „Zumal es unwahrscheinlich ist, dass europäische oder nordamerikanische Unternehmen bei gleichen Produkten und Technologien den chinesischen Kostenvorsprung und Rohstoffzugang jemals einholen können.“ Ein weiterer Ansatzpunkt für die Branche bestehe in realistischen Fortschritten bei der Zellchemie. „Wer seine Produktionspläne frühzeitig auf Innovationen wie neue, kostengünstige Batterietypen für kleine und Mittelklasse-Elektroautos ausrichtet, kann schneller in die Massenproduktion übergehen“, ist sich Heimes sicher.  (se)

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