Luft- und Raumfahrt Projekt Intelwi entwickelt intelligenten Flugzeugflügel

Quelle: Pressemitteilung 3 min Lesedauer

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Flugzeug-Tragflächen haben ihre Form und Größe im Laufe der letzten 60 Jahre auf den ersten Blick kaum verändert. Dabei spielen sie eine große Rolle auf dem Weg zur klimaverträglichen Luftfahrt. Im Projekt Intelligent Wing, kurz Intelwi, wird untersucht, wie ein effizienter Flugzeugflügel der Zukunft aussehen müsste.

Ein Langstreckenverkehrsflugzeug mit hochgestrecktem, last-geregeltem, ultra-effizientem und intelligentem Flügel beim virtuellen Start im Rahmen einer Simulation.(Bild:  Niklas Jonasson – unsplash.com / Bildmontage: DLR)
Ein Langstreckenverkehrsflugzeug mit hochgestrecktem, last-geregeltem, ultra-effizientem und intelligentem Flügel beim virtuellen Start im Rahmen einer Simulation.
(Bild: Niklas Jonasson – unsplash.com / Bildmontage: DLR)

Betrachtet man die momentan gängigen Flugzeugflügel wird schnell deutlich, dass sie effizienter wären, wenn sie eine größere Spannweite hätten. Aber eine Vergrößerung der Spannweite macht die Tragflächen anfälliger für im Flug auftretende Böen. Eine derartige Tragfläche müsste also stabiler konstruiert werden. Dadurch wäre sie wiederum deutlich schwerer. Genau dafür wurde im Projekt Intelwi eine Lösung erarbeitet.

Einsatz intelligenter Steuerungssysteme

„Unser Ziel war es, einen Flügel zu entwerfen, der eine höhere Streckung hat, also deutlich schlanker ist als bisherige Tragflächen“, erklärt Dr. Tobias Wunderlich vom DLR-Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik. „Wir haben mehrere Flügel-Modelle entworfen und in Simulationen untersucht, um herauszufinden, wie die Lasten, die auf die Tragfläche einwirken, gemindert werden und trotz einer deutlich größeren Durchbiegung weniger Widerstand aufweisen können.“ Intelligente Steuerungssysteme sollen dabei helfen und selbstständig auf äußere Einflüsse wie Manöver und Böen mit Lastabminderungen reagieren. Ein Beispiel: Die Forschenden scannen mit einem Lidarsystem die Luft vor dem Flugzeug und senden Signale an die Flugregelung. Bei einer Böe könnten sie dann sofort die Steuerflächen ausschlagen, um die Lasten zu reduzieren und den Passagierkomfort zu verbessern. Die Steuerflächen werden auch verwendet, um den Widerstand, der bei erhöhter Fluggeschwindigkeit oder unterschiedlichen Flughöhen auftritt, zu minimieren. Weil die Flügelwölbung automatisch an den Flugzustand angepasst wird, wird das als adaptiver Flügel bezeichnet.

Insgesamt haben sieben DLR-Institute und weitere Projektbeteiligte, unter anderem Airbus als Gesamtprojektverantwortlicher, die maximal erreichbare Leistungsfähigkeit – Masse, Widerstand, Auftrieb, Fehlerfälle und Wartungsintervalle betreffend – eines hochgestreckten, biegeweichen, intelligenten Flügels analysiert. Einen besonderen Fokus legte man dabei auf die Wechselwirkung zwischen den beteiligten Fachdisziplinen. So entstand ein besseres Verständnis des Gesamtsystems. Sie verwendeten präzise und schnelle Simulationsmethoden, um den Entwicklungsprozess des Tragflügels zu verbessern und zu beschleunigen und um damit die Digitalisierung fachübergreifend voranzutreiben. Nach dreieinhalbjähriger Laufzeit ist das Projekt aus dem Luftfahrtforschungsprogramms des Bundes (LuFo VI) beendet.

Fünf Prozent Treibstoff-Ersparnis

Erste Auswertungen liegen bereits vor. „Letztendlich haben wir uns für den Entwurf eines Flügels mit einer Streckung von 12,4 entschieden. Dieser Flügel eines Langstreckenverkehrsflugzeugs schien sehr vielversprechend“, so Wunderlich. Man müsse ihn sich 30 Prozent schlanker vorstellen als üblich. Ausgehend von diesem Flügel wurde ein detaillierter Entwurf des Gesamt-Flugzeugs nach aktuellem Stand der Technik produziert. Diesen bekamen die Verbundpartner als Referenzflugzeug. Der Flügel wurde dann mit den neuen Technologien ausgestattet – also mit multifunktionalen Steuerflächen, zentralen und dezentralen Steuerungs- und Reglersystemen, lokalen Sensoren und erweiterten Funktionen des Flugreglers zur Böen- und Manöverlastreduktion – und genau untersucht. „Wann diese Technologien serienreif sind, kann man heute noch nicht genau sagen“, äußert sich Dr. Wunderlich. Aber es würde sich bereits zeigen, wie effektiv die Nutzung der Technologien des adaptiven Flügels ist. Die Verwendung der Steuerflächen zur Reduzierung des Luftwiderstands im Reiseflug brächte eine Ersparnis von ein bis zwei Prozent beim Kerosinverbrauch. Bei den Manövern könnten die Lasten, die auf die Tragfläche wirken, durch gezielte Steuerflächenausschläge an der Hinterkante so reduziert werden, dass sich im Vergleich zum Referenzflugzeug in Kombination mit den Verbesserungen im Reiseflug vier Prozent Kraftstoff einsparen ließen. Und dass, obwohl schon das Referenzflugzeug, mit dem die Daten verglichen wurden, bereits deutlich nachhaltiger und ökonomischer war, als es heutige Verkehrsflugzeuge sind.

Kraftstoffverbrauch verringern

Ein derartig „intelligenter Flügel“ kann als konsequenter nächster Entwicklungsschritt für zukünftige Verkehrsflugzeuge betrachtet. Er wird entscheidend dazu beitragen, die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit von Gesamtverbundleiter Airbus als Flugzeughersteller und den Systemanbietern als Zuliefererindustrie zu sichern. Außerdem wird er die Leistungsfähigkeit steigern und damit den Kraftstoffverbrauch zukünftiger Flugzeuge deutlich verringern. „Natürlich gibt es noch viele offene Fragen, aber die untersuchten Technologien haben alle Aussicht, bei künftigen Flugzeugen zum Einsatz zu kommen. Wir erwarten, dass die Flügel neuer Maschinen lastadaptive Flügel mit deutlich höherer Streckung sein werden“, resümiert Wunderlich.  (se)

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