Elektromobilität Offroad-Fans aufgepasst: Der Pickup-Truck ist im elektrischen Zeitalter angekommen

Von Henrik Bork * 3 min Lesedauer

Er wird Chinas Cybertruck genannt: Der gerade auf der Beijing Autoshow vorgestellte Radar Horizon von Radar Auto zielt auf denselben Nischenmarkt wie das Konkurrenzprodukt von Tesla. Das Fahrzeug ist ein wuchtiger Pickup – voll elektrisch und mit Vierradantrieb für Offroad-Abenteuer ausgerüstet.

Er wird Chinas Cybertruck genannt: Der gerade auf der Beijing Autoshow vorgestellte Radar Horizon von Radar Auto zielt auf denselben Nischenmarkt wie das Konkurrenzprodukt von Tesla.(Bild:  Radar Auto)
Er wird Chinas Cybertruck genannt: Der gerade auf der Beijing Autoshow vorgestellte Radar Horizon von Radar Auto zielt auf denselben Nischenmarkt wie das Konkurrenzprodukt von Tesla.
(Bild: Radar Auto)

Pickup-Trucks waren in vielen chinesischen Städten bis vor kurzem verboten, doch das ändert sich gerade. Radar Auto ist eine Marke im Geely-Konzern, zu dem unter anderem auch Volvo, Polestar und Zeekr gehören. Geely sieht in der neuen Kategorie eigenen Angaben zufolge großes Wachstumspotenzial, auch für den Export. Die neue Radar-Marke war 2022 als „Chinas erste rein-elektrische Outdoor-Lifestyle“-Marke vorgestellt worden. Was dem neuen Produkt nun viel Aufmerksamkeit verschafft und Vergleiche mit Teslas Cybertruck wohl unausweichlich macht, ist die Tatsache, dass sowohl in China wie anderswo rein elektrische Pickups noch so selten sind wie die Enziane, die sie demnächst plattfahren könnten.

Schnell wachsender Markt erwartet

Diese Art von Auto gilt ein wenig als letzte Domäne der Fans von röhrenden Diesel- oder Benzinmotoren. Wie so oft in China schreitet die Diversifizierung jedoch auch in der Elektromobilität mit beeindruckender Geschwindigkeit voran. Eine Nische nach der anderen wird batterietechnisch aufgerollt, von elektrischen Sportwagen mit wahnsinniger Beschleunigung über elektrische Familienkutschen (MPV), bis hin zu Luxus-Jeeps wie dem Yangwang von BYD, der sich auf der Stelle drehen kann wie ein Panzer. Nun sind also die elektrischen Pickups dran.

Geely hat Marktbeobachtern in China zufolge gute Chancen, mit seiner Radar-Marke einen weltweiten Hit zu landen und einen großen Markt zu erobern. Rund 508.000 Pickups sind 2023 in China verkauft worden, 184.000 davon für den Export, zeigen Statistiken des Passagierwagenverbandes CPCA. Wenn jetzt Verbote in Chinas Städten fallen, dürfte der Markt schnell wachsen.

Zu Wasser, zu Land und im Gebirge

Der neue Radar Horizon zielt klar auf den technikverliebten Outdoor-Fan. Der Hersteller preist ihn als „amphibischen Allrounder für den Einsatz zu Wasser, zu Lande und im Gebirge“ an. Mehr als die Hälfte des heimischen Marktes in der Kategorie Pickup hat Radar Auto bereits erobert. Hybride und Elektriker stellen da zwar gerade erst 2,1 Prozent aller Verkäufe, während die Diesel und Benziner noch klar dominieren. Doch genau aus diesem Grund ist das Wachstumspotenzial in dieser Marktnische sehr groß. Mit der Radar-Marke von Geely seien chinesische Pickups erstmals konsequent von Anfang an als E-Autos konzipiert worden, nicht durch den Einbau eines E-Antriebs in einen Verbrenner „elektrifiziert“ worden, sagen chinesische Experten.

Technische Details

Das Gefährt kann durch Flüsse mit einer maximalen Tiefe von 815 Millimetern waten, wobei das hochvoltige Innenleben dann bis zum Standard IP67 und die Batterie sogar bis IP68 wassergeschützt sind. Das schlägt knapp den elektrischen Hummer, der bei mehr als 813 Millimetern abzusaufen droht.

Für die anvisierte Zielgruppe ist auch die Zugleistung wichtig und da kommt der Radar Horizon auf drei Tonnen. Kein Problem also, das eigene Boot vom Anhänger aus zu Wasser zu lassen oder ein paar Baumstämme aus dem eigenen Wald durch tiefen Schlamm ins Tal zu ziehen. Beladen kann man den Pickup mit Gewichten von bis zu 865 Kilogramm. Dabei ist dieses Kraftpaket auch in der Beschleunigung sehr stark, braucht mit seinem stärksten Motor und dessen Leistung von 315 kW 4,5 Sekunden von 0 auf 100. Auf dem Fachportal Electrec ist ein Video zu sehen, wo der Radar Horizon in einem Rennen einen „Porsche 911 verheizt, während er einen Porsche 911 hinter sich herzieht“, wie die Fachredakteure schreiben.

Kostenvorteil

All das ist nicht teuer: Der Radar Horizon kommt mit drei verschiedenen Batterieversionen in Preisen zwischen 181.800 Yuan und 221.800 Yuan, was rund rund 23.400 Euro bzw. etwa 28.500 Euro entspricht. Zum Vergleich: Ein Cybertruck ist ab umgerechnet 74.000 Euro zu haben.

Um die Technologie-begeisterten chinesischen Käufer auch bei Outdoor-Ausflügen bei der Stange zu halten, unterstützt das im Cockpit elektronisch hochgerüstete Gefährt zehn Kommunikationsprotokolle von Bluetooth über WiFi bis zum Satelliten und kann mehrere Drohnen gleichzeitig steuern, die mehrere Kilometer hochfliegen können.

Fazit: Spass-Autos mit Vierradantrieb für den Outdoor-Einsatz seien damit gerade endgültig im „elektrischen Zeitalter“ angekommen, sagen die Geely-Manager stolz. Den Cybertruck von Tesla schlage man schon allein dadurch, dass der Radar Horizon „tatsächlich ausgeliefert werden kann“. Und obwohl der Export der Radar-Marke gerade erst begonnen hat, hofft man bei Geely auf gute Chancen bei Outdoor-Fans in Australien, Neuseeland, dem Mittleren Osten und in Südamerika.  (se)

* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.

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