Batterie und Ladeinfrastruktur Mit einem Megawatt in fünf min von 10 auf 70 Prozent

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 4 min Lesedauer

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Während die Welt über die Donut-Lab-Batterie spricht, kommt ein wirklich spannendes Konzept von BYD. Der chinesische Elektrofahrzeughersteller kombiniert dabei eine robuste Lithium-Eisenphosphat-Chemie (LFP) mit einem ungewöhnlichen Zell- und Packdesign.

Das Konzept der Blade-Batterie.(Bild:  BYD Europe B.V.)
Das Konzept der Blade-Batterie.
(Bild: BYD Europe B.V.)

Die aktuell präsentierten Leistungsdaten zeigen eine außergewöhnliche Ladecharakteristik. Unter normalen Umgebungsbedingungen lässt sich der Ladezustand innerhalb von nur fünf Minuten von 10 % auf 70 % erhöhen. Noch eindrucksvoller sind die Werte im höheren Ladebereich: Von 10 % auf 97 % soll die Batterie bei Raumtemperatur lediglich neun Minuten benötigen. Selbst bei extrem niedrigen Temperaturen von −30 °C liegt die Ladezeit für denselben Bereich laut Hersteller bei etwa zwölf Minuten.

Gerade dieser letzte Wert ist technologisch interessant. Lithiumbasierte Batterien verlieren bei niedrigen Temperaturen normalerweise deutlich an Ladefähigkeit, weil die Ionendiffusion in Elektrolyt und Elektroden stark abnimmt. Eine nahezu vollständige Ladung in wenigen Minuten bei −30 °C deutet daher auf ein sehr gut abgestimmtes Zusammenspiel aus Zellchemie, Innenwiderstand, Thermomanagement und Ladeelektronik hin.

Ladeinfrastruktur

Wer sich jetzt fragt, welche Ladeinfrastruktur solche Ladezeiten überhaupt ermöglichen soll, landet schnell beim nächsten Baustein der Strategie von BYD. Der Hersteller arbeitet an einem sogenannten „Flash Charging“-System, das Ladeleistungen von bis zu 1.000 kW erreichen soll. Grundlage dafür ist eine neue 1.000-Volt-Fahrzeugplattform, die unter anderem in Modellen wie dem BYD Han L EV und dem BYD Tang L EV eingesetzt wird.

In China wird die extreme Ladeleistung derzeit durch einen ungewöhnlichen Ansatz erreicht. Fahrzeuge besitzen dort zwei Ladeports, sodass zwei Ladekabel parallel angeschlossen werden können. Beide Anschlüsse speisen gleichzeitig Energie in die Batterie und ermöglichen so Ladeleistungen im Megawattbereich.

Für Europa plant BYD jedoch offenbar einen anderen Weg. Nach Angaben aus Branchenberichten soll das Flash-Charging-System hier mit nur einem CCS-Anschluss funktionieren. Damit würde weiterhin der in Europa etablierte Combined Charging System (CCS) genutzt, allerdings mit deutlich höherer Leistung als bei heutigen Schnellladern.

Die technische Entwicklung auf Infrastruktur-Seite läuft bereits. Hersteller von Schnellladesystemen arbeiten an neuen Steckern und Kühlkonzepten, die solche Leistungen überhaupt übertragen können. So ermöglicht etwa das System Alpitronic HYC1000 pro Anschluss bereits Ladeleistungen im Bereich mehrerer hundert Kilowatt. Parallel dazu entwickelt Phoenix Contact CCS-Stecker mit verbesserten Kühlstrukturen, die perspektivisch Leistungen bis in den Megawattbereich ermöglichen sollen.

BYD plant nach eigenen Angaben, die Flash-Charging-Technologie auch in Europa aufzubauen. Bis zum zweiten Quartal 2026 könnten mehrere hundert Schnellladestationen entstehen.

LFP als Basis für Sicherheit und Lebensdauer

Technologisch basiert die zweite Generation der Blade-Batterie auf Lithium-Eisenphosphat (LFP). Diese Chemie gilt zwar traditionell als etwas weniger energiedicht als Nickel-Kobalt-Mangan-Systeme (NCM), bietet jedoch entscheidende Vorteile in Bezug auf Stabilität und Lebensdauer.

Die LFP-Struktur zeichnet sich durch eine hohe thermische Stabilität aus und setzt bei Überhitzung keinen Sauerstoff frei. Dadurch sinkt das Risiko eines thermischen Durchgehens erheblich. Gleichzeitig ermöglicht die Chemie eine sehr hohe Zyklenfestigkeit. BYD gibt für die Blade-Batterie eine Lebensdauer von über 5.000 Ladezyklen an, was bei typischer Nutzung einer Fahrzeugbatterie einer Betriebsdauer von deutlich mehr als zehn Jahren entsprechen kann.

Ungewöhnliches Zellformat

Ein zentrales Merkmal der Blade-Technologie ist das Zellformat selbst. Statt klassischer prismatischer oder zylindrischer Zellen nutzt BYD lange, flache Zellkörper, die optisch an schmale Klingen erinnern – daher der Name „Blade“. Diese Zellen werden direkt in das Batteriepack integriert und bilden dort eine wabenartige Struktur.

Durch den Verzicht auf zusätzliche Modulgehäuse lässt sich der verfügbare Bauraum im Batteriepack deutlich besser ausnutzen. Gleichzeitig verbessert die längliche Zellgeometrie die Wärmeverteilung innerhalb des Systems. In neueren Fahrzeugplattformen wird das Batteriepack zudem strukturell in die Karosserie integriert, sodass es teilweise selbst tragende Aufgaben übernimmt.

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Sicherheit im Belastungstest

Die Sicherheitsstrategie der Blade-Batterie wird häufig anhand des sogenannten Nagelpenetrationstests demonstriert. Dabei wird ein metallischer Nagel durch eine Zelle getrieben, um einen internen Kurzschluss zu simulieren. Nach Herstellerangaben zeigt die Batterie in diesem Szenario weder Flammenbildung noch starke Rauchentwicklung, während die Oberflächentemperatur vergleichsweise niedrig bleibt.

Der Hintergrund liegt vor allem in der stabilen LFP-Chemie und im mechanischen Aufbau des Zellpakets. Die Kombination aus chemischer Stabilität und strukturellem Design reduziert die Wahrscheinlichkeit einer unkontrollierten Wärmeausbreitung innerhalb des Batterieblocks.

Einsatz in Serienfahrzeugen

Die Blade-Batterie wird bereits in mehreren Fahrzeugmodellen eingesetzt, darunter etwa der BYD Dolphin, die elektrische Limousine BYD Seal oder der SUV BYD Tang. Sie kommt sowohl in vollelektrischen Fahrzeugen als auch in Plug-in-Hybridmodellen zum Einsatz.

Für die Batterie gibt BYD eine Garantie von acht Jahren beziehungsweise 250.000 Kilometern an, wobei mindestens 70 % der ursprünglichen Kapazität erhalten bleiben sollen.

Evolution statt spektakulärer Durchbruch

Im Gegensatz zu vielen derzeit diskutierten Batteriekonzepten setzt BYD weniger auf radikal neue Chemien als auf eine konsequente Weiterentwicklung bewährter Technologien. Die Kombination aus LFP-Zellchemie, optimiertem Packdesign und struktureller Integration ins Fahrzeug zeigt, dass sich auch mit bekannten Materialien erhebliche Fortschritte erzielen lassen.

Sollten sich insbesondere die extrem kurzen Ladezeiten – vor allem die nahezu vollständige Ladung innerhalb von zwölf Minuten bei −30 °C – im praktischen Einsatz bestätigen, könnte die Blade-Technologie eine der derzeit realistischsten Lösungen für zwei Herausforderungen der Elektromobilität darstellen: schnelles Laden und zuverlässiger Betrieb unter extremen klimatischen Bedingungen. (mr)

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