Langstreckentest

Mit dem Hyundai Ioniq 5 auf Tour zu den Rentieren

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Eingefrorene Sensoren

Für uns wird es noch einsamer. Wir verlassen die Route entlang des Bottnischen Meerbusens und wechseln auf die E10. Über eine geschlossene Schneedecke fahren wir bei dichtem Schneetreiben durch Wälder. Die Flocken fliegen im Lichtkegel der Scheinwerfer auf uns zu. In Filmen werden Zeitreisen so dargestellt. Diverse Warnlichter und -töne informieren uns über eingefrorene Sensoren. Nicht schlimm, die brauchen wir nicht. Es gibt weder einen Vorausfahrenden noch erkennbare Fahrbahnmarkierungen. Für diese Verhältnisse bietet der Ioniq 5 einen Schnee-Fahrmodus. Wir halten am Rande der Landstraße kurz an, um die Radkästen vom Schnee zu befreien. Die absolute Ruhe als auch die dunkle Nacht ohne das Restlicht einer Stadt sind beeindruckend. Entlang des Flusses Torneälv fahren wir durch das winterliche Lappland. In einer Hotelapp finden wir ein Lodge im Wald bei Pello. Die Hütte ist ein absoluter Glücksgriff. Während im Kamin das Feuer lodert, lade ich über die schnelle WLAN-Verbindung Fotos in die Cloud. Der Ioniq 5 lädt an einer Schukosteckdose. Morgen werden wir also nicht mit voller Batterie starten.

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Am Morgen steht die Batterieanzeige im Auto bei 70 Prozent. Wir laden also noch mal am Schnelllader im Dorf, bevor wir die 510 Kilometer unserer letzten Etappe antreten. Kurz nach dem Grenzübertritt von Finnland nach Norwegen auf der E8 ist Schluss mit der weißen Winterwelt. Die Straße ist trocken und nur auf den Bergspitzen sind Schneereste zu sehen. In Tromsö liegt nur ein Hauch von Weiß. Die Rentier-Schlittenfahrt ist damit gestrichen. Dafür bietet der Berg Storsteinen einen fantastischen Blick über die Stadt und die umliegenden Berge. Die Sonne geht nicht mehr auf, es ist nur noch Restlicht, das die Stadt für wenige Stunden erhellt.

Energie für die Rentierfarm

Bei unserer Ankunft um 14 Uhr auf der Rentierfarm ist es bereits dunkel. Ein Ioniq 5 vor der ersten Hütte liefert Energie für heiße Schokolade. Weitere E-Autos versorgen Küche und Beleuchtung. Besitzer Johan Isak Oskal erzeugt auf der Farm 15 Kilometer außerhalb von Tromsö normalerweise die Energie mit einem Dieselgenerator. „Nachhaltig ist die Lösung nicht, doch sind wir zu weit ab vom Stromnetz“, sagt der Same. Die wilden Tiere überwintern auf der Farm und ziehen im Frühjahr zurück in die Berge. Heute helfen wir beim Füttern und lassen die Tiere aus Eimern mit Trockenfutter fressen. Unser Abendessen gibt es in einem Tiny House auf der Farm. In seinem Restaurant Hildr in Tromsö hat Chefkoch Marius Carlehed Jacobse sicher mehr Platz. Hier stehen ihm zwei Kochplatten und wenig Stellfläche zur Verfügung. Doch er meistert das Drei-Gänge-Menü mit Bravour.

Vor der Tür parkt ein Ioniq 5, der als Energiequelle dient. Daniele Vacca, Hyundais verantwortlicher Lade-Manager aus dem europäischen Technikcenter, berichtet über die Details der V2L-Technik. Bei der Schätzung, wie lange das E-Auto Energie abgibt, ist er extrem vorsichtig. „Eine mittelgroße Klimaanlage und einen 55 Zoll-Fernseher kann der Ioniq 5 für 24 Stunden betreiben“, sagt Vacca. Die Energieabgabe funktioniert bis 20 Prozent Ladekapazität. Rein rechnerisch gibt die 77,4 kWh-Batterie also 62 kWh ab. Ich mache eine eigene Kalkulation auf: Verbraucht ein Haushalt pro Jahr 3.500 kWh Strom, sind das 9,6 kWh pro Tag. Theoretisch könnte der Ioniq 5 für sechseinhalb Tage einen Haushalt mit Energie versorgen.

Das Auto als Pufferspeicher

Hyundai setzt beim bidirektionalen Stromfluss auf Wechselstrom, so dass man direkt Haushaltsgeräte anschließen kann. Volkswagen setzt in seiner ID-Reihe auf die Abgabe von Gleichstrom. Ein Wechselrichter in der Wallbox muss die Umspannung vornehmen. Noch ist das Angebot für die so genannte Bidirektionalität in der Elektromobilität klein. Doch als Pufferspeicher für erneuerbare Energie könnte dem E-Auto eine wichtige Rolle bei der Energiewende zukommen.

Unser Fazit ist eindeutig: Man kann mit einem E-Auto in den Winterurlaub fahren – selbst oberhalb vom nördlichen Polarkreis. Weder eine Ladesäule noch der Hyundai Ioniq 5 machten auf unserer Tour Probleme. Am Ende steht für 2.600 Kilometer ein durchschnittlicher Verbrauch von 23,6 kWh pro 100 Kilometer im Fahrzeugdisplay. Wir haben unterwegs 629 Kilowattstunden an Energie für 394,15 Euro (0,63 Euro/kWh) nachgeladen. Polarlichter haben wir auch gesehen. Aber offen gesagt, erkennt die Smartphone-Kamera die grünen Lichter besser als es das menschliche Auge tut. Gut, dass der Ioniq 5 mein Smartphone komplett geladen hatte.

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