Mikromobiltät Lohnt sich der Einsatz von Lastenrädern für Unternehmen in der Stadt?

Von Stefanie Eckardt 4 min Lesedauer

Lastenräder und Leichtelektromobile können eine sinnvolle Ergänzung in Fahrzeugflotten sein – wenn die Rahmenbedingungen passen. Im Projekt „Ich entlaste Städte 2“ hat das DLR u

Im Forschungsprojekt "Ich entlaste Städte 2" wurde untersucht, ob es sich wirtschaftlich rechnet, Lastenräder und leichte Elektrofahrzeuge für Unternehmensflotten zu integrieren. (Bild:  Amac Garbe | DLR)
Im Forschungsprojekt "Ich entlaste Städte 2" wurde untersucht, ob es sich wirtschaftlich rechnet, Lastenräder und leichte Elektrofahrzeuge für Unternehmensflotten zu integrieren.
(Bild: Amac Garbe | DLR)

Lastenräder versprechen Vorteile, wie eine umweltfreundliche Mobilität oder die Förderung der Gesundheit durch Bewegung an der frischen Luft. Doch lohnt sich auch der Einsatz von Lastenrädern und elektrischen Leichtfahrzeugen für Unternehmen? Das hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in der Langzeitstudie „Ich entlaste Städte 2“ untersucht. Für das Projekt begleitete das DLR mehr als 40 Unternehmen aus Handwerk, Gewerbe und Logistik. Diese Firmen nutzten dafür bereitgestellte Lastenräder und LEV in ihrem betrieblichen Alltag. Insgesamt wurden im Projekt mehr als 100.000 Kilometer gefahren. Das DLR-Team trackte die Lastenräder mit der Großanlage „MovingLab“ und führte Interviews mit Nutzern. So ließen sich detaillierte Erkenntnisse darüber gewinnen, wann und warum der Einsatz dieser Fahrzeuge nutzbringend ist – und welche Hürden es gibt.

LEV sind keine Selbstläufer

„Unsere Daten zeigen, dass solche Fahrzeuge für Unternehmen wirtschaftlich sehr interessant sein können. Gleichzeitig haben sie großes Potenzial, unsere Städte von Verkehrslärm, schädlichen Emissionen und Überlastung zu befreien. Sie sind aber keine Selbstläufer und müssen für jedes Unternehmen individuell ausgewählt und eingesetzt werden“, fasst Dr. Johannes Gruber, Leiter des Projekts am DLR-Institut für Verkehrsforschung in Berlin zusammen. „Zum ersten Mal haben wir wissenschaftlich fundiert herausgearbeitet, was dabei die Erfolgsfaktoren sind, um Lastenräder und elektrische Leichtfahrzeuge dauerhaft in die Flotten von Unternehmen zu integrieren und zum Beispiel Pkw oder kleine Transporter zu ersetzen.“

Erstellung einer Checkliste

Die Auswertung der Fahrtdaten und Interviews ergab ein klares Muster: Unternehmen, die auch nach dem Test weiter auf Lastenräder und LEV setzten, haben etliche Dinge ähnlich gestaltet. Aus diesen Beobachtungen haben die Forscher eine Praxis-Checkliste mit sechs Punkten entwickelt. Diese können vor allem Unternehmen aus den Branchen Dienstleistungen, Handwerk und Logistik, aber auch kommunale Betriebe nutzen. Zu den ausschlaggebenden Erfolgsfaktoren zählen:

Umstellung der Fahrzeugflotte als Transformationsprojekt verstehen

Lastenräder und LEV sind für die meisten Unternehmen neue Fahrzeugkategorien. Ihre Integration in die Fahrzeugflotte benötigt die Bereitschaft zu Veränderungen und Lernen. Denn viele Prozesse müssen angepasst werden. Diesen Wandel müssen Unternehmen aktiv gestalten.

Konkrete Szenarien für Nutzung festlegen und optimieren

Im Projekt erfolgreiche Unternehmen hatten sich genau überlegt, für welche Fahrten sie die Testfahrzeuge nutzten – oder waren kreativ, neue Einsatzbereiche im laufenden Betrieb zu entdecken. Dabei half die Analyse der Fahrtprofile: Entweder konnten bestehende Fahrten eins zu eins auf Lastenräder und LEV verlagert werden oder sie wurden geschickt mit vorhandenen Transportern kombiniert. Lastenräder sind sehr gut bei immer wieder vorkommenden, gleichen Transportaufgaben – wie es sie in vielen Dienstleistungsbranchen und Gewerken gibt. Eine Distanz von bis zu 30 Kilometern am Tag ist dank Elektroantrieb auch für Lastenrad-Neulinge machbar. Der Bereich zwischen acht und 18 Tages-Kilometer war besonders häufig vertreten.

Vorteile von Lastenrädern gezielt nutzen

Lastenräder bringen etliche Vorteile für den Nutzer. Dazu zählen das Stauumfahren, das Nutzen von Abkürzungen, der Wegfall der Parkplatzsuche und kürzere Fußwege am Zielort. Die daraus resultierende Zeitersparnis hat es einigen der teilnehmenden Unternehmen ermöglicht, mehr Aufträge pro Tag zu erledigen, als wenn ihre Mitarbeiter mit dem Pkw unterwegs gewesen wären. Auch benötigen Mitarbeiter ohne Führerschein keinen Fahrer.

Alle Ebenen des Unternehmens einbinden

Neben einer vom Einsatz von Lastenrädern überzeugten Leitung ist die Begeisterung der Mitarbeiter für diese Fahrzeuge ein elementarer Faktor. Dafür sollten sie möglichst früh eingebunden werden und Mitsprache bei der Auswahl der Fahrzeuge haben. In größeren Unternehmen ist ein aktives Fuhrpark- und Projektmanagement von Vorteil.

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Probefahrten im Berufsalltag

Ob ein konkretes Fahrzeugmodell passt, hängt von vielen Faktoren ab: zum Beispiel den zu transportierenden Gütern, der Reichweite der Batterie oder dem Fahrgefühl. Nur mit Probefahrten im Berufsalltag lässt sich die Eignung herausfinden. Als hilfreich stellte es sich ebenfalls heraus, bei der Beschaffung der Fahrzeuge lokale Handels- und Servicebetriebe zu nutzen und für spätere Wartungsaufträge einzubinden.

Wirtschaftliche Vorteile individuell berechnen

Aufgrund ihrer im Vergleich zu konventionellen Kraftfahrzeugen niedrigen Betriebskosten eignen sich Lastenräder dazu, eine bestehende Flotte zu ergänzen, vor allem aber als Ersatz für gering ausgelastete kleinere Transporter oder Pkw. Wenn ein Bestandsfahrzeug durch ein Lastenrad ersetzt wird, sind jährliche Einsparungen im drei- bis vierstelligen Bereich möglich. Die Gründe dafür sind: Energiekosten von rund 50 Cent pro 100 Kilometer, Wartungs- und Reparaturkosten von 10 bis 20 Cent je Kilometer sowie niedrige Versicherungsprämien.

Schlussfolgerungen und Resultate

„Was uns überrascht hat, war die große Bandbreite an Faktoren, wann für ein Unternehmen ein Nutzungsszenario ein voller Erfolg war: Manche Unternehmen nutzten das Lastenrad täglich mit Fahrleistungen von 30 Kilometern und mehr. Andere Betriebe waren mit vier Kilometern am Tag oder auch nur einem Einsatztag pro Woche bereits vollauf begeistert“, schildert Gruber die Erfahrungen. Auch in eher unerwarteten Branchen fanden sich wirtschaftliche Einsatzzwecke: So setzte ein Tiefbau-Unternehmen ein Lastenrad mit Anhänger ein, um Verkehrsschilder an Baustellen aufzustellen.

Für Unternehmen stellt das DLR umfassendes Material zur Verfügung, um wirtschaftlich tragfähige Entscheidungen bei Anschaffung und Einsatz von Lastenrädern und LEV zu treffen. So steht ein Online-Rechner zur Verfügung, mit dem sich Kosten von Lastenrädern und LEV mit konventionellen Fahrzeugen vergleichen lassen. Dieses Tool berücksichtigt auch Unterschiede bei Geschwindigkeiten, Betriebskosten, Lohnkosten und den CO2-Ausstoß. Leitfäden und weitere Materialien zum Herunterladen vermitteln praxisnahe Prüfkriterien und Handlungsempfehlungen. (se)

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