Einsame Ecken ohne Beleuchtung und Dach für Ladesäulen passen nicht zum Markenversprechen eines Premium-Herstellers. Sie wollen ihren Kunden ein anderes Erlebnis liefern und investieren in eigene Ladestationen – mit unterschiedlichem Tempo.
Heimersatzladen nennt Audi das, was sie in Berlin betreiben. Der insgesamt vierte Audi Charging Hub adressiert die Premiumkunden des OEM.
(Bild: STUDIO GOICO)
Heimersatzladen nennt Audi das, was sie in Berlin betreiben. Das Wort klingt nach Behörde. Dabei ist es ein Segen für Menschen, die in der Innenstadt ohne eigene Wallbox leben und bei denen eine zeitliche Beschränkung der öffentlichen AC-Ladesäulen das Vollladen verhindern.
„Das Pilotprojekt des Audi Charging Hub in Nürnberg hat gezeigt, dass unser einzigartiges Konzept den Nerv der Zeit trifft. Das urbane Ladekonzept richtet sich vor allem an Stadtfahrer und bietet ihnen eine attraktive Alternative zur heimischen Wallbox“, sagt Ralph Hollmig, Leiter des Projekts bei Audi. Angefangen hat das Heimersatzladen Ende 2021 in Nürnberg. Die Station in Friedrichshain an der Grenze zum Prenzlauer Berg ist Nummer vier, neben Salzburg und Zürich.
Welches Klientel Audi in Berlin adressiert, wird deutlich, wenn man ins benachbarte Frischeparadies schaut: Frischer Fisch, edle Weine, Spezialitäten aus aller Welt. Wer hier lädt, kann währenddessen im Bistro schlemmen als auch die Toiletten nutzen. „Für die Wahl des Standorts haben unsere Planer akribisch anonymisierte Fahrzeugdaten analysiert und geschaut, wo viele Audi-Fahrer ihr Fahrzeug abstellen“, berichtet Christian Hartmann beim Besuch vor Ort im Berliner Samariterviertel.
Ladeplatz reservieren
Es stehen vier HPC-Ladeanschlüsse zur Verfügung. Audi-Fahrer reservieren über ihre App einen Ladeplatz vor ihrer Ankunft. Mit der Audi Charging Karte kostet eine Kilowattstunde 0,35 Euro. Man sieht hier auch viele Fremdmarken, denn Spontanlader zahlen mit einer Kreditkarte 0,50 Euro pro Kilowattstunde. Nach 45 Minuten kommt eine Blockiergebühr hinzu. Bei der aktuellen Preissituation für HPC-Laden ist das günstig. Die Reservierfunktion gibt es für fremde Marken allerdings nicht.
Es ist egal, ob man mit seinem Auto vorwärts oder rückwärts in eine der vier Lücken setzt. CCS-Stecker und Kabel hängen an einem langen, schwenkbaren Arm. Zum einen wird der Stecker dadurch leichter. Zum anderen erreicht man mit dem Schwenkarm alle möglichen Positionen eines Ladeanschluss am E-Auto. Links und rechts vom Fahrzeug ist viel Raum, der mit weißen Strichen auf dem Boden markiert ist. „Barrierefreiheit war uns in der Planung sehr wichtig", sagt Hartmann. Menschen im Rollstuhl bewegen sich auf beiden Seiten des Autos ohne Hindernisse. Der Monitor zum Starten eines Ladevorgangs fährt auf Knopfdruck herunter, so dass er für sitzende Menschen einsehbar ist.
Wem nicht der Sinn nach Krabbencocktail und Hummerschwanz steht, findet auf dem Infomonitor Vorschläge für die Ladepause: eine Joggingroute oder den Gang zum 700 Meter entfernten Drachenspielplatz mit den Kindern. Wer im Auto lesen möchte, lädt sich über einen QR-Code auf dem Monitor Magazine und Tageszeitungen herunter. In Laufnähe befinden sich weitere Einkaufsmöglichkeiten wie Bau- und Getränkemarkt sowie mehrere Discounter-Filialen.
Eine HPC-Ladestation mit 320 kW Ladeleistung ist mitten in der Stadt etwas Besonderes, da es hier selten Anschluss an das Mittelspannungsnetz gibt. Das Zauberwort bei Audi lautet Power Cube. Die beiden Kuben neben den Ladeplätzen enthalten jeweils eine Alpitronic-Ladesäule mit zwei Anschlüssen sowie 198 Batterie-Module aus Audi-Erprobungsfahrzeugen. Der Charging Hub teilt sich den Stromanschluss mit dem Frischeparadies. Gehen hier abends die Lichter aus, laden über Nacht die Batterien.
Die Keimzelle des Audi Charging Hubs steht in Nürnberg an der Messe. Hier gibt es sogar eine Lounge in der ersten Etage sowie. Hier stehen Automaten für Kaffee und Snacks. Wer eine Besprechung hat, kann die Räumlichkeit dafür buchen. Man kann sich seine Einkäufe per Gorilla-Lieferdienst bis an den Kofferraum liefern und das Auto während der Ladezeit säubern lassen. Die Lounge in der ersten Etage gibt es nur in Nürnberg, doch was alle Stationen eint, ist ihre Konzeption als "fliegende Bauten". Es gibt weder Keller noch Fundament. Die Stationen könnten innerhalb weniger Tage demontiert werden. Das vereinfacht und beschleunigt die Baugenehmigung.
Batterien einfach tauschen
Auch die Batteriewechselstationen von Nio benötigen kein Fundament. Sie passen in einen Kasten von der Größe zweier Seecontainer. Und dennoch sind deutschlandweit erst drei Stationen in Betrieb. Hier geht es mit den Baugenehmigungen nur langsam voran. Jede Kommune macht unterschiedliche Vorgaben. Hinzu kommt, dass die Beamten unsicher sind, ob sie eine Werkstatt, eine Waschanlage oder eine Tankstelle genehmigen. Das Thema ist für alle neu.
Stand: 08.12.2025
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Darum sucht Nio die Nähe zu einem Bäcker und seiner ofenfrischen Pizza. Am Autobahnkreuz Hilden (A3/A46) in Nordrhein-Westfalen betreibt Bäckermeister Roland Schüren den Ladepark Seed & Greet. Unter den Solardächern stehen Schnelllader von Tesla sowie Fastned. Schüren selbst betreibt einige AC-Säulen. In seinem Café gibt es während der Ladepause frischen Kuchen als auch Pizza. Ein wenig Abseits steht die Batteriewechselstation von Nio.
Für den Nutzer ist es aktuell der schnellste Ladestopp mit einem E-Auto. In rund fünf Minuten ist die leere Batterie gegen eine zu 90 Prozent geladene Batterie getauscht. Bereits bei der Suche nach einer Wechselstation zeigt der große Bildschirm im Fahrzeug, wie viele geladene Batterie in der nächstgelegenen Wechselstation auf Vorrat liegen und wie viele Fahrzeuge vor einem warten. Hat man die Wechselstation erreicht, parkt man das Auto innerhalb einer weißen Markierung quer zum Container. Dann startet man den Wechsel mit einem Fingertipp auf den Bildschirm. Der Wagen setzt allein rückwärts in die Station. Steht der Wagen richtig, erfolgt eine weitere Bestätigung durch den Fahrer, dann wird das Fahrzeug leicht angehoben, Schrauben sowie die derzeitige Batterie werden gelöst und entnommen.
Im Fahrzeug werden beide Monitore als auch Assistentin Nomi schwarz. Jetzt kann man das Fahrzeug nicht verlassen. Doch es dauert nur wenige Sekunden, bis die neue Batterie im Fahrzeugboden platziert und befestigt ist. Die Bildschirme erwachen zum Leben. Nach einem Systemcheck leuchtet in der Station ein grünes Licht und auch das Fahrzeug zeigt an, dass es zur Weiterfahrt bereit ist. Einziger Nachteil: Man könnte zurück auf die Autobahn, doch der Pizza-Hunger ist noch nicht gestillt.
Damit der Ausbau in Deutschland schneller erfolgt, kooperieren EnBW und Nio. An 20 Schnellladestationen der Schwaben plant Nio Batteriewechselstationen. Die Frage ist, kann Nio schnell genug ausreichend Stationen aufbauen, so dass potenzielle Autokäufer dies als Kaufgrund empfinden? Wie lange bleibt der Zeitvorteil des Wechselns bestehen, wenn HPC-Ladeleistungen immer weiter steigen? Und die dritte Frage lautet: Wer bekommt die attraktivsten Plätze für seine Ladeparks. Bei diesem Wettbewerb mischt demnächst auch Mercedes-Benz mit. Zu Jahresbeginn verkündetet Entwicklungsvorstand Markus Schäfer auf der CES in Las Vegas ein eigenes Ladenetz mit weltweit 2.000 Ladestationen.
Auf aktuelle Nachfrage bei Mercedes-Benz will das Unternehmen noch nichts zu Standorten in Deutschland verraten. Dabei will der Hersteller bis Ende des Jahres die ersten Ladeparks in Betrieb nehmen. Passend zur Automarke sollten das Standorte sein, in deren Nähe ein passendes Gastro- und Shoppingsangebot sowie Toiletten vorhanden sind.
Parallel zu Ionity
Die Aktivitäten der deutschen Autohersteller in Sachen markeneigene Ladeparks überraschen, denn Audi, Porsche und Mercedes-Benz sind am Schnellladenetz Ionity beteiligt. „Wir halten an unserer Beteiligung fest und gehen bei der weiteren Finanzierung mit den übrigen Anteilseignern mit. Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung bei Ionity. Das Unternehmen ist inzwischen Milliarden wert. Auch die 1,2 Millionen Ladepunkte, die wir über Verträge in unserem Roaming-Netzwerk gebündelt haben, bleiben bestehen. Das geben wir nicht auf, das ist eine gute Ergänzung zu dem jetzt geplanten eigenen Ladenetzwerk“, sagt Markus Schäfer im Gespräch Anfang des Jahres in Las Vegas.
Auch bei Audi sieht man keine Konkurrenz zwischen Ionity und dem städtischen Konzept der Charging Hubs. So will auch Porsche seinen Kunden das passende Ladeerlebnis bieten. Die Zuffenhausener setzen dabei auf die Technik von Audi. Bereits Ende 2021 berichtete die Wirtschaftswoche über die Pläne für europaweit bis zu 100 Ladestationen. Die erste sollte am Brenner auf 1.370 Meter über Meereshöhe entstehen. Die Route über die Alpen ist bei Porsche-Fahrern beliebt, sei es im Sommer zum Wandern oder dem Urlaub in Süditalien und im Winter zum Skifahren.
Doch bislang ist kein Ladepark am Netz. Auf Nachfrage bei Porsche heißt es, Ende Juli werden man Neuigkeiten zum Thema veröffentlichen. Unter den deutschen Premiummarken fehlt noch BMW. Bislang sind keinerlei Pläne für eigene Ladeparks bekannt. Aber vielleicht kommen die Bayern einfach nur etwas später.