Studie Krise in der Automobilindustrie: Restrukturierung wird zur Überlebensfrage

Von Stefanie Eckardt 2 min Lesedauer

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Executive Interim Partners, Porsche Consulting und das IfUS-Institut der SRH University Heidelberg haben die Studie „Automobilindustrie 2026: Restrukturierung als Überlebensprinzip“ erstellt. Dabei wurden im vergangenen Jahr 518 Führungskräfte und Branchenexperten gegenwärtigen Situation im Industriezweig befragt.

Die deutsche Automobilindustrie ist in einer tiefen Krise. Beispielsweise trifft Wettbewerbsdruck aus China auf Überkapazitäten, volatile Abrufe und politische Unsicherheit.(Bild:  frei lizensiert bei Pexels)
Die deutsche Automobilindustrie ist in einer tiefen Krise. Beispielsweise trifft Wettbewerbsdruck aus China auf Überkapazitäten, volatile Abrufe und politische Unsicherheit.
(Bild: frei lizensiert bei Pexels)

 (se)Die deutsche Automobilindustrie befindet sich im größten Wandel ihrer Geschichte. Autonomes Fahren, Vernetzung, das Software-definierte Fahrzeug, Elektromobilität bringen beinhalten nicht nur viel Potenzial, sondern bringen etliche Herausforderungen mit sich. Dazu kommen geopolitische Risiken, hohe Energie- und Standortkosten oder bürokratische Aufwände. Kurz: Die Branche steht vor einer strukturellen Zäsur. Die neue Studie „Automobilindustrie 2026: Restrukturierung als Überlebensprinzip“ zeigt deutlich auf, dass sich große Teile der Branche bereits in einer akuten wirtschaftlichen Schieflage befinden. Steigende Insolvenzraten, Unsicherheiten an deutschen Standorten und wachsender Handlungsdruck auf Management und Eigentümer sprechen eine deutliche Sprache. Basis der Studie ist eine Befragung von 518 Führungskräften und Branchenexperten im Frühjahr bis Herbst 2025. „Die deutsche Automobilindustrie steht nicht vor einer Transformation - sie steckt mitten in einer strukturellen Krise. Wer jetzt nicht konsequent handelt, riskiert den dauerhaften Verlust von Wettbewerbsfähigkeit und industrieller Substanz“, warnt Michael Hengstmann, Gründer und Partner von Executive Interim Partners sowie Co-Autor der Studie.

Kernaussagen auf einen Blick

Was sind nun die Ergebnisse der Studie? Die Herausgeber benannten vier Kernaussagen und erklärten, was sie für Unternehmen bedeuten:

  • Die deutsche Automobilindustrie befindet sich in einer strukturellen Krise
  • Wettbewerbsdruck aus China trifft auf Überkapazitäten, volatile Abrufe und politische Unsicherheit - das macht die Krise strukturell
  • Harte Restrukturierungsmaßnahmen gelten mehrheitlich als unvermeidlich - inklusive Standortanpassungen und Verlagerungen ins Ausland
  • Ohne kurzfristige Stärkung des Managements ist die Krise nicht zu bewältigen

Strukturelle Krise

Die Studienergebnisse zeichnen ein alarmierendes Bild: Mehr als die Hälfte der Unternehmen der deutschen Automobilindustrie befindet sich bereits in einer Krise, fast drei Viertel davon in akuter Liquiditätsnot oder in unmittelbarer Nähe zur Insolvenz. Die wirtschaftliche Stabilität, die die Branche über Jahrzehnte ausgezeichnet hat, ist in weiten Teilen verloren gegangen. Die Krise betrifft Automobilhersteller genauso wie große Teile der industriellen Wertschöpfungskette und ist nicht auf einzelne Marktsegmente beschränkt.

Belastungsfaktoren

Die Ursachen der Krise verstärken sich gegenseitig: Mehr als vier von fünf Unternehmen sehen neue Wettbewerber, vor allem aus China, eine strukturelle Unterauslastung der Produktionskapazitäten sowie stark volatile Abrufe als zentrale Belastungsfaktoren. Hinzu kommen geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und eine zunehmende regulatorische Unsicherheit. Diese Gemengelage entzieht vielen Geschäftsmodellen die wirtschaftliche Planungsgrundlage und beschleunigt den Strukturbruch der Branche.

Restrukturierungsmaßnahmen notwendig: Standort Deutschland verliert

Die Branche selbst zieht daraus eine klare Schlussfolgerung: Rund 90 Prozent der Befragten fordern eine tiefgreifende Restrukturierung der deutschen Produktions- und Entwicklungsstandorte der Automobilindustrie. 60 Prozent halten Werksschließungen und Verlagerungen ins Ausland für einen unvermeidbaren Teil der Lösung. Der Glaube an schrittweise Effizienzprogramme ist weitgehend verloren gegangen. Hier sind grundlegende Entscheidungen zu Footprint, Kostenstrukturen und Wertschöpfungstiefe notwendig.

Kurzfristige Stärkung des Managements zur Krisenbewältigung

Als zentralen Erfolgsfaktor identifiziert die Studie die Führungsebene: 88 Prozent der Befragten sehen die gezielte Stärkung der Managementkompetenz als entscheidenden Hebel zur Bewältigung der Krise. Zwar verfügen viele Unternehmen über Strategien und Transformationspläne, doch scheitert deren Umsetzung häufig an Erfahrung, Geschwindigkeit und Durchsetzungskraft im operativen Krisenmanagement. „Die Industrie hat ihre Lage erkannt. Was fehlt, ist die Fähigkeit, Restrukturierung schnell, konsequent und international wirksam umzusetzen. Managementqualität entscheidet jetzt über Zukunft oder Bedeutungsverlust", resümiert Hengstmann.​(se)

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