Viele Unternehmen suchen noch die richtige Strategie, um in die Kreislaufwirtschaft einzusteigen. Igus ist schon weiter: Recycling und ein digitaler Marktplatz sind als Geschäftsmodell fest etabliert. Die Qualität für recycelte wie Neuprodukte sichert ein Prüf- und Testlabor.
Als Teil der „Chainge” Recyclinginitiative hat igus eine einzigartige Online-Plattform gelauncht, über die Kunden alte Kunststoffbauteile recyceln lassen und gleichzeitig aufbereitetes Material erwerben können.
(Bild: igus)
Das von der Bundesregierung angepeilte Ziel ist klar formuliert: 2045 soll Deutschland klimaneutral sein. Insbesondere Industrieunternehmen sind dabei angehalten, weniger Rohstoffe zu verbrauchen und Ressourcen möglichst schonend einzusetzen. Dafür müssen sie allerdings mehr Produkte, Materialien und Energie in einen Kreislauf überführen. Die so wiedergewonnenen Materialien können dann zu neuen Produkten verarbeitet werden.
Hieraus resultieren sogenannte zirkuläre Geschäftsmodelle: Dabei werden Kreisläufe in Unternehmen, aber auch zusammen mit Lieferanten und Kunden etabliert. Auf diese Weise erhalten die Stakeholder den Wert von Produkten und Ressourcen so lange wie möglich. Doch hier gibt es Handlungsbedarf: Bei einer Erhebung im Rahmen des IW-Zukunftspanels gaben 2020 rund 36 Prozent der befragten Unternehmen an, gar keine zirkuläre Geschäftsstrategie zu haben.
Beim klassischen Kunststoffrecycling – wie igus es einsetzt – müssen zunächst alle Abfälle sortenrein sortiert werden, um sie zu schreddern. Das Granulat lässt sich anschließend für die Herstellung neuer Polymerprodukte nutzen. Das chemische Verfahren HydroPRS wandelt unsortierten Kunststoffmüll innerhalb von 30 Minuten in Rohöl um, das dann wieder als Grundstoff für die Kunststoffherstellung genutzt werden kann.
(Bild: igus)
Auch wenn nachhaltig agierende Unternehmen immer mehr auf langlebige, wiederverwendbare und reparierbare Produkte setzen, erreichen diese irgendwann ihr Lebensende. Hier ist dann meist Recycling das Mittel zur Kreislaufführung. Der Kölner Kunststoffspezialist igus hat schon 2019 erkannt, dass man mit der richtigen Strategie die klassische Linearwirtschaft mit dem Endpunkt Deponie durchbrechen kann: Damals rief igus das so genannte „Chainge“-Programm ins Leben. Damit wollte man den eigenen Produkten auch über das Ende ihrer Lebenszeit hinaus eine Chance geben.
Insbesondere bei Energieketten sahen die Kölner Potenzial, diese wiederzuverwenden. Deshalb können Kunden seit dem Start der Initiative ihre ausgedienten Energieketten an igus schicken und recyceln lassen – und zwar herstellerunabhängig.
Doch das Recycling war nur der erste Schritt, um die Transformation zur Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen. Im Oktober 2022 hat igus mit der „Chainge“-Online-Plattform das Angebot ausgeweitet: Seit ihrer Einführung ist der Austausch nicht mehr nur auf Energieketten limitiert. Nutzer können weitere Bauteile aus anderen technischen Kunststoffen wie PA, POM und PBT in die Kreislaufwirtschaft überführen. Und der Plattformansatz bringt einen weiteren Mehrwert: Kunden finden hier einen digitalen Marktplatz, über den sie ausgewählte Rezyklate kaufen können.
Seit zwei Jahren begleitet Lena Naumann das Projekt chainge und sieht Unternehmen, die Kunststoffe produzieren auch in der Verantwortung für deren Verbleib am Ende ihres Lebenszyklus.
(Bild: igus.de)
Lena Naumann, Leiterin des Geschäftsbereichs Chainge, begleitet das Projekt seit 2022, das als Business Unit im Unternehmen fest verankert ist. Sie betont den Anspruch hinter Chainge: „Wenn wir als verarbeitendes Unternehmen Kunststoffe in die Welt bringen, müssen wir uns auch Gedanken machen, was mit ihnen passiert, wenn sie ausgedient haben.“
Laut der Managerin hat igus Chainge klar aus Kundenperspektive gedacht. Der Bedarf war da, die Resonanz gut. Nun galt es, einen Prozess zu hinterlegen, der den Interessierten ein einfaches Handling bieten würde. Die Kundenbindung half zudem, die Rücknahmeumfänge richtig einzuschätzen. Montage- und Wartungsteams von igus brachten hier den Input. Wenn Kunden vor einem größeren Umbau standen, fiel auch der Recyclingbedarf entsprechend aus. Für das zurückgesendete Material erhalten die Kunden eine Gutschrift. Die können sie dann auf die nächste Bestellung bei igus einlösen.
Nur im Netzwerk sinnvoll
Chainge wurde schon früh als Netzwerk geplant. Igus ist zwar Experte für Hochleistungskunststoffe für bewegte Anwendungen, den motion plastics, und recycelt Kunststoffe auch selbst. Aber trotzdem suchte man ein Recyclingunternehmen als Partner. Mit diesem arbeitete igus schon zuvor zusammen. So betreute der Recycler zusammen mit den Kölnern die Materialentwicklung des Rezyklats und weitere Prozessschleifen.
Für den Transport hat igus aktiv Unternehmen gesucht und eingebunden. Dadurch muss der Kunststoffspezialist die Rückgaben nicht mehr – wie in der Anfangszeit – in Köln sammeln, sondern die Partner nutzen ihre Logistik-Hubs. So wird das Material nicht mehr im Postleitzahlengebiet unnötig hin und her gefahren, sondern in den nahen Hubs gesammelt.
Auch die internationalen igus-Standorte sind in das Projekt eingebunden. In Korea hat man beispielsweise einen eigenen Kreislauf und lokalen Recyclingpartner.
Aktuell ist der Kundenstamm auf 250 angewachsen. Doch Lena Naumann sieht mit Blick auf die Gesamtzahl der igus-Erstausrüstungskunden noch viel Potenzial. Zudem soll der Marktplatz mit Rezyklaten auch handeln, sodass über die Chainge-Plattform im größeren Umfang recyceltes Material verkauft werden kann. Aktuell sind vier Produkte auf dem Marktplatz. Charmant ist, dass es für die Kunden keine Mindestabnahmemenge gibt. „Das ist die igus-Mentalität. Wir verkaufen auch ab Stückzahl 1“, erklärt Naumann.
Insgesamt hat igus schon 145 Tonnen Material über Chainge zurückgenommen.Strategisch macht eine hoher Rücknahmewert Sinn. Denn wenn der Anteil der recycelten Produkte, die igus in den Markt zurückfuhren will, hoch sein soll, braucht es eben auch viel Material, das zurückkommt. Dafür gibt es Ziele, wie Naumann verrät: „Wir wollen allein in diesem Jahr 75 Tonnen zurücknehmen. Letztes Jahr waren es noch 50 Tonnen. Das soll natürlich jedes Jahr wachsen.“
Der konsequente Recyclingansatz ist aber nur ein Teil der Nachhaltigkeitsbemühungen von igus. Die Kölner bieten seit Kurzem auch vier Jahre Garantie auf einen großen Teil des Produktportfolios. Die Garantie gilt für alle Motion-plastics-Produkte mit einer igus-Lebensdauerberechnung. Dazu zählen neben den Energieketten die chainflex-Leitungen und die drylin-Linear- und Antriebstechnik, um nur einige Beispiele zu nennen.
Der wesentliche Schlüssel für den umfangreichen Garantierahmen ist das 4.000 Quadratmeter große Prüf- und Testlabor, das igus am Unternehmenssitz in Köln betreibt. Dort führt das Unternehmen zahlreiche anwendungsspezifische Langzeit- und Härtetests an seinen Produkten durch. Insgesamt über 15.000 Tests spulen die Qualitätsprüfer:innen jährlich ab. Die Erkenntnisse fließen in die Online-Lebensdauerrechner von igus. Mit diesem wissen Kunden bereits vorab, wie lange ein Bauteil hält.
Das Recyclingmaterial wird im unternehmenseigenen Labor genauso durchgetestet wie alle Neuprodukte. „Wir kommen auf über 94 Prozent der mechanischen Werte“, so Lena Naumann. Die recycelten Ketten sind ebenfalls in den Lebensdauerrechner eingebettet. Und auch die Testergebnisse sind alle auf der Webseite zu finden.
Igus verfolgt damit mehrere Ansätze für ein Ziel: Die Kombination aus Langlebigkeit und dem zweiten Leben für hochwertiges Material sind der Schlüssel für ökologisch und ökonomisch nachhaltige Produkte.
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Stand: 08.12.2025
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