Klangkörper: Wie entsteht der typische Porsche-Sound?

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Komponieren für den Elektromotor

Mit der Serienentwicklung des Mission E ändert sich auch die Mission der Akustikspezialisten von Porsche. Denn so faszinierend das Beschleunigungsvermögen eines rein elektrischen Fahrzeugs auch ist, der dabei entstehende Sound ist extrem leise und wird zudem von hohen Frequenzen dominiert. Zwar ist der Klang der Stille in bestimmten Situationen durchaus von Vorteil, etwa wenn man frühmorgens als Erster das Haus verlässt, aber im Stadtverkehr profitieren Fußgänger und Radfahrer auch davon, dass sie ein Auto hören können, bevor sie es sehen. In einigen Staaten, zum Beispiel den USA, sind daher bereits Gesetze in Vorbereitung, die eine bestimmte Mindestlautstärke bei Pkws vorschreiben. Ein neuer Sound muss also her – doch welcher?

Die erste Frage, die sich Pfäfflin und Müller stellten: Was passt zum Charakter des Fahrzeugs? Klar ist: Was immer sie auch komponieren, es darf getreu der Porsche-Philosophie kein Klang sein, der nichts mit dem Fahrzeug zu tun hat. Eine klare Absage also an Kunstklänge à la Star Wars. „Es wird für den Kunden nicht möglich sein, für seinen elektrischen Porsche einen neuen Sound herunterzuladen wie einen Klingelton für sein Mobiltelefon“, sagt Pfäfflin. Die Porsche-Experten glauben auch nicht, dass es sinnvoll ist, bei einem so grundlegend neuen Produkt und neuer Technologie schon zu Beginn der Entwicklung eine Massenmeinung einzuholen.

Enge Zusammenarbeit mit den Entwicklerkollegen

„Jeder Kunde hat eine ganz individuelle Haltung“, so Pfäfflin. „Doch wie soll man eine Sinfonie beurteilen, die man noch nie gehört hat? Unsere Kunden erwarten von Porsche immer auch eine Orientierung.“ Wie die Serienversion des Mission E klingen wird, ist noch nicht entschieden. Sicher ist jedoch, dass die Rolle der Akustiker in der Fahrzeugentwicklung noch wichtiger wird. Denn trotz des über Innen- und Außenlautsprecher verstärkten Sounds fällt das absolute Geräuschniveau geringer aus. Daher ist es entscheidend, dass keine Störgeräusche auftreten, weder von mechanischen Bauteilen noch bei höherer Geschwindigkeit durch den Fahrtwind.

Eine enge Zusammenarbeit mit den Entwicklerkollegen, beispielsweise im Windkanal, soll für Pfäfflin und Müller sicherstellen, dass am Ende der Porsche-Klang steht. Sollte im Fahrversuch dann doch ein Misston auftreten, haben die beiden noch ein Wundermittel parat, das bereits bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor zum Einsatz kam: die akustische Kamera. Die Kombination von Fotosensor und Richtmikrofonen ermöglicht es, in den Tiefen der Karosserie verborgene Schallquellen sichtbar zu machen.

Emotionale Ereignisse durchbrechen den Arbeitstag der Experten

Die Akustikexperten von Porsche sind keine Künstler, sondern Ingenieure und Physiker. Nüchtern beschäftigen sie sich mit Motorordnungen, Strömungsberechnungen, Frequenzanalysen. Und doch: In manchen Momenten durchbricht schlagartig ein emotionales Ereignis den Arbeitstag der Experten. Etwa wenn sie auf der Suche nach Vorbildern in einer eigens aufgebauten Akustikdatenbank stöbern und auf den Klang eines historischen Le-Mans-Rennwagens stoßen. „Da bekomme ich Gänsehaut“, gesteht Pfäfflin. Da capo, bitte, bei jedem neuen Porsche-Modell, unabhängig, welcher Antrieb es in die Zukunft beschleunigt!

* Text erstmalig erschienen im Porsche-Magazin Christophorus, Nr. 376

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