Bahntechnik Hamburger Hochbahn bestellt Schienenfahrzeuge mit neuem Stirnradgetriebe von ZF

Von Stefanie Eckardt 3 min Lesedauer

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Für die neue U-Bahn-Linie U5 und zur Modernisierung der Bestandsflotte hat die Hamburger Hochbahn 374 neue Schienenfahrzeuge von Alstom geordert. Diese werden mit einem neu entwickelten zweistufigen Stirnradgetriebe von ZF ausgerüstet – ein Auftragsumfang von insgesamt 2.992 Exemplaren.

Für die neue vollautomatische Linie U5 der Hamburger Hochbahn kommen DT6-Fahrzeuge von Alstom zum Einsatz. Für diese hat ZF das Stirnradgetriebe von Grund auf neu entwickelt.(Bild:  Alstom)
Für die neue vollautomatische Linie U5 der Hamburger Hochbahn kommen DT6-Fahrzeuge von Alstom zum Einsatz. Für diese hat ZF das Stirnradgetriebe von Grund auf neu entwickelt.
(Bild: Alstom)

Die neue Linie U5 der Hamburger Hochbahn ist ein wichtiger Baustein in der Mobilitätswende der Hansestadt, denn sie fährt 24 Haltestellen auf über 29 km Strecke an bei einer vollautomatisierten und fahrerlosen 90-Sekunden-Taktung. Dabei werden rund 315.000 Fahrgäste pro Tag transportiert, wie Experten schätzen. „Bei diesem Volumen an Fahrten und Passagieren muss alles perfekt ineinandergreifen“, unterstreicht Markus Gross, Leiter der Produktlinie Bahn-Antriebssysteme bei ZF die Wichtigkeit des Projekts und unterstreicht: „Wer einen Weltstadt-ÖPNV betreibt, braucht Antriebstechnologie, die diesem Anspruch gerecht wird. Und genau damit unterstützen wir nun unseren Partner Alstom und die Hansestadt.“

Passend zur neuen U-Bahn-Linie hat Hamburg auch eine komplette Flotte an Elektrotriebwagen der neuen DT6 bei Alstom geordert. ZF wiederum liefert für diese neue Fahrzeug-Generation ein speziell entwickeltes Getriebe. Zusätzlich zum Einsatz auf der Linie U5 werden die neuen DT6-Fahrzeuge auch sukzessive Teile der Bestandsflotte des restlichen Netzes ersetzen.

Neuentwicklung punktet mit leisem Geräuschverhalten

ZF hat das neue Getriebe für den DT6 von Grund auf entwickelt. Das zweistufige Stirnradgetriebe kann eine Achslast von maximal 10.000 kg stemmen und bietet eine Motorleistung von 95 kW bzw. kann ein Motordrehmoment von 378 Nm bei 2.400 U/min verarbeiten. Ein besonderes Augenmerk legte der Zulieferer auf das Geräuschverhalten. Das Getriebe agiert außerordentlich leise, weil die Ingenieure sowohl die Gehäusekontur als auch die Verzahnung optimiert haben. Das Gehäuse selbst besteht aus Aluminium, was das Gewicht senkt. So bringt das System trocken rund 210 kg auf die Waage. Im Vergleich zum Wettbewerb benötigt das Stirnradgetriebe auch weniger Öl. Das spart nicht nur Ressourcen, sondern verringert auch den benötigten Wartungsaufwand und die damit verbundenen Kosten. Dazu trägt auch bei, dass sich die Demontage des Getriebes von der Radsatzwelle dank einer definierten Trennebene durch den Abtrieb einfacher als bislang gestaltet. So können die Räder des jeweiligen Fahrzeugs mit weniger Aufwand überholt werden, was die Stillstandzeiten des Zuges verkürzt und einen reibungslosen Betrieb ermöglicht.

Serienmodelle ab 2027

ZF fertigt das neue Getriebe in Friedrichshafen und liefert es an Alstom. Im Auftrag der Stadt Hamburg verbaut der französische Konzern das Getriebe in die neuen Schienenfahrzeuge. Im ersten Abruf produziert ZF 384 Getriebe für 48 Fahrzeuge. Das erste Testgetriebe wird Ende 2026 ausgeliefert, die Serienmodelle ab dem ersten Quartal 2027.

Nach den ersten 48 Fahrzeugen sollen jährlich 20 weitere als Folgeoption abgerufen werden. Über den Zeitraum von rund anderthalb Jahrzehnten – analog zur Gesamtbauzeit der U5-Strecke – wird der Zulieferer somit insgesamt 2.992 Getriebe produzieren und in Serie ausliefern.

ZF und Alstom: 40 Jahre Partnerschaft in Hamburg

„Wenn die U5 planmäßig im Jahr 2029 ihren Fahrgastbetrieb aufnimmt, können wir auf über vier Jahrzehnte Partnerschaft zwischen unseren Unternehmen und der Hansestadt zurückblicken“, freut sich Markus Gross. Denn die Kooperation zwischen ZF und Alstom für die Hamburger Hochbahn reicht bis ins Jahr 1987 zurück. Damals produzierte das ehemalige Hurth, später von ZF übernommen, im Auftrag der von Alstom geschluckten Bombardier Getriebe für den Fahrzeugtyp DT4. Getriebe für den DT5 folgten von 2008 bis 2022. „Mit Getrieben von ZF haben wir in Hamburg gute Erfahrungen gemacht. Im Hinblick auf Zuverlässigkeit, Laufruhe und Service-Qualität sind sie genau das, was wir auch jetzt wieder für unseren anspruchsvollen Betrieb auf der neuen U5-Linie brauchen“, erklärt Jörg Petersen, Bereichsleiter Schienenfahrzeuge der Hamburger Hochbahn.  (se)

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