Luftfahrt Geely-Tochter erhält erste Bestellung für Flugautos

Von Henrik Bork 4 min Lesedauer

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Aerofugia, eine Unternehmenstochter von Geely, soll 100 Einheiten ihres Flugautos an eine Charterfirma liefern. Ein erster Schritt in Richtung Kommerzialisierung.

Flugautos wie das der Firma Aeroht werden vor allem in China derzeit getestet. Die Geely-Tochter Aerofugia konnte nun sogar die Bestellung von 100 Einheiten verbuchen. (Bild:  Aeroth)
Flugautos wie das der Firma Aeroht werden vor allem in China derzeit getestet. Die Geely-Tochter Aerofugia konnte nun sogar die Bestellung von 100 Einheiten verbuchen.
(Bild: Aeroth)

Die fliegenden Autos sind kurz davor, den Sprung aus Science-Fiction-Romanen in die Realität zu schaffen. Eine chinesische Charterfirma für Business-Jets hat gerade 100 Stück eVOTL der Marke „AE200“ von Aerofugia gekauft. Aerofugia ist einer Unternehmenstochter von Geely.

Der Deal markiert den Startschuss für die Kommerzialisierung der Technologie, von der Visionäre schon seit mehreren hundert Jahren träumen. eVOTL steht für “Electric Vertical Take-off and Landing Aircraft“ - also eine Kreuzung zwischen E-Auto, Hubschrauber und Elektro-Flugzeug.

Der AE200 soll schon in wenigen Jahren weitgehend geräuschlos und emissionsfrei auf den Dächern chinesischer Wolkenkratzer und auf Heliports an den Flughäfen des Landes landen. Das bemannte Flugauto mit fünf bis sechs Sitzen soll gestressten Managern den Dauerstau in Chinas Megastädten zu ersparen, ist ein bemanntes Flugauto mit fünf bis sechs Sitzen.

200 bis 300 Kilometer Flugreichweite

Das dreieinhalb Meter hohe, schwarz-weiße Gefährt hat eine Flügelspannweite von 14,4 Metern. Sobald es mit Hilfe von acht schwenkbaren Rotoren vertikal aufgestiegen ist, kann es auf „normalen Flugmodus” umschalten und hat dank seiner Batterien eine Reichweite von 200 bis 300 Kilometern, je nach Gegenwind.

Das futuristische Gefährt, das nun schon bald Teil des chinesischen Alltags werden soll, fliegt mit einer Geschwindigkeit von bis zu 250 Stundenkilometern und ist damit für den Weg aus dem Stadtzentrum zum Flughafen oder auch für die Verbindung zwischen zwei nahe gelegenen Flughäfen prädestiniert. Auch für Rettungsflüge und in der Logistik könnte es wohl genutzt werden. Auch auf der Straße fährt es sich angeblich ganz gut.

James Bond lässt grüßen. „Während man morgens und abends im Stoßverkehr feststeckt, hat sich jeder von uns schon einmal gewünscht, dass unserem Auto ein paar Flügel zum Fliegen wachsen,“ schreibt das chinesische Autofachportal Cuxing Yike.

Die Kosten für einen Transfer vom Stadtzentrum zum Flughafen sollen angeblich nur etwa drei Mal so hoch wie eine Taxifahrt sein. Wer sich das leisten kann, ist im Gegenzug dann aber nur in einem Fünftel der üblichen Zeit unterwegs.

Lizenz beantragt

Bestellt hat die 100 eVOTL die chinesische Firma Sino Jet, die mehrere dutzend Privatjets betreibt und verchartert. Das Unternehmen, in das unter anderem Tsinghua Holdings Capital investiert hat, hat bereits bei der chinesischen Flugaufsichtsbehörde, der Civil Aviation Administration of China (CAAC), eine Lizenz beantragt.

Sobald die Lizenz da sei, werde man mit der Auslieferung der fliegenden Autos an Sino Jet beginnen, sagte Guo Liang, der CEO von Aerofugia Man rechne damit, dass dies 2025 oder 2026 der Fall sein werde und man dann mit kommerziellen Flügen auf mehreren festen Routen beginnen könne, so der CEO.

Aerofugia hat sich mit seiner Geschäfts-Strategie als wahres Kind seines Inhabers, des Autokonzerns Geely erwiesen. Genau wie bei Autos, wo Geely unter anderem Volvo übernommen hat, hat auch Aerofugia parallel selbst entwickelt und ausländisches Know-How durch Übernahmen und Fusionen erworben, um einen Großteil der globalen Konkurrenz im Wettrennen um die Konstruktion der ersten Flugtaxis abzuhängen.

2017 hatte die chinesische Firma das US-amerikanische Startup Terrafugia übernommen, das mit dem „Transition“ das erste halbwegs brauchbare fliegende Auto der Welt entwickelt hatte. 2019 investierte Geely in das deutsche Flugtaxi-Startup Volocopter. Und 2021 folgte dann eine Fusion mit dem chinesischen Drohnen-Hersteller AOSSCI, wonach Aerofugia als Firmenname registriert wurde.

Nischenmarkt weckt Interesse

Auch andere chinesische Unternehmen sind momentan sehr aktiv, was diese Nische der Mobilität der Zukunft betrifft. Im Juni dieses Jahres haben das Startup Autoflight, das seine fliegenden Autos in Shanghai baut und der französische Flughafenbetreiber Groupe ADP eine Absichtserklärung über experimentelle eVOTL-Flüge vom „Pontoise Vertiport“ während der Olympischen Sommerspiele in Paris im kommenden Jahr unterzeichnet.

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Knapp 30 Kilometer nordöstlich von Paris gelegen hatte der „Pontoise Vertiport“ Schlagzeilen gemacht, als er als erster Flugplatz für eVOTL seiner Art in Europa im November 2022 eröffnet worden ist. Nach den Testflügen während und nach der Olympiade sind in Frankreich ebenfalls erste feste Routen für eVOTL geplant, unter anderem zwischen den Pariser Flughäfen Charles de Gaulle und Lie Bourget.

Das chinesische Startup EHang, das ebenfalls eVOTL baut, hat sich im Juli mit einer Bezirksregierung der Millionenmetropole Shenzhen zusammen getan. Gemeinsam hofft man, so bald wie möglich erste Testflüge in Südchina anbieten zu können. Auch das fliegende Auto „EH216-SS AAV“ wartet derzeit auf seine Lizenz. Die chinesische Regierung ist bekannt dafür, solche Verfahren relativ zügig durchzuführen, um der heimischen Industrie einen Startvorteil gegenüber der internationalen Konkurrenz zu verschaffen.

Flug- und Autohersteller sind aktiv

Auch viele andere Hersteller arbeiten weltweit an der Entwicklung von eVOTL. Weil es sich nicht so richtig entscheiden lässt, ob es sich dabei nun um fliegende Autos oder straßentaugliche Fluggeräte handelt, sind sowohl Flugzeug- wie Autohersteller mit von der Partie, unter anderem Boeing, Airbus und Bell Helicopter sowie Toyota, Hyundai, General Motors und Xpeng.

Mit der Bestellung von 100 eVOTL bei Aerofugia hat nun aber Sino Jet den Startschuss für die ernsthafte Kommerzialisierung der jungen Industrie in China gegeben. „Wann können wir endlich mitfliegen?“ fragt Cuxing Yike in einer Schlagzeile. Offensichtlich relativ bald.

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