Natrium-Ionen-Batterien Erste E-Autos mit lithiumfreien Batterien rollen in China vom Band

Von Hendrik Bork* 3 min Lesedauer

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Zum Jahreswechsel hat - bei uns weitgehend unbeachtet - eine kleine Revolution im Markt der E-Mobilität stattgefunden. In China hat im Dezember die Serienfertigung der ersten zwei E-Autos mit Natrium-Ionen-Batterien begonnen. Dieser neue Akku-Typ, der ohne Lithium auskommt, kann billiger und umweltfreundlicher produziert werden und hat daher das Zeug, sich einen großen Anteil am Markt für Powerbatterien zu erobern.

Illustration einer Natrium-Ionen-Batterie(Bild:   Graphic: Jang-Yeon Hwang, Seung-Taek Myung, Yang-Kook Sun / Wikipedia Common 3.0 Unported)
Illustration einer Natrium-Ionen-Batterie
(Bild: Graphic: Jang-Yeon Hwang, Seung-Taek Myung, Yang-Kook Sun / Wikipedia Common 3.0 Unported)

Am 27. Dezember 2023 gab der chinesische Batteriehersteller Hina Battery bekannt, dass erstmals ein Modell der E-Auto-Marke Yiwei mit einer seiner Natrium-Ionen-Batterien vom Band gerollt ist. Der Yiwei wird von JAC gebaut, also der „Anhui Jianghuai Automobile“. Das ist ein Joint-Venture, das zu jeweils 50 Prozent dem staatlichen chinesischen Autokonzern Anhui Jianghuai Automobile Group Holdings (JAG) und Volkswagen Anhui gehört.

Der neue Yiwei mit Natriumionen-Batterie ist chinesischen Medienberichten zufolge, die noch nicht vom Hersteller bestätigt worden sind, ein neues Modell der Serie „Yiwei 3”. Das wäre ein kleiner Elektriker mit Kurzheck („Hatchback“), der mit zwei verschiedenen Powertrains erhältlich ist - mit einem 70 kW- und einem 100-kW-Motor. Also ein kleiner Elektroflitzer für die Stadt, der schon ab diesem Januar auf dem Markt erhältlich sein soll und dies voraussichtlich zu einem sehr günstigen Preis.

Nur einen Tag später, am 28. Dezember 2023, begann dann die Serienfertigung eines weiteren E-Autos mit einer Natrium-Ionen-Batterie. Hier handelt es sich ebenfalls um ein kleinen Elektrischen, diesmal gemeinsam entwickelt vom Batteriehersteller Farasis Energy und JMEV. JMEV ist eine E-Auto-Marke der chinesischen Jiangling Motors Group.

Das neue Modell basiere auf dem „EV3“ von JMEV, berichtet das chinesische Fachportal CNEVPOST. Es habe eine Reichweite von 251 Kilometern und sei schon ab dem Einstiegspreis von 58.800 Yuan (rund 7.500 Euro) erhältlich, heißt es.

In der Autoindustrie war der Beginn der Serienproduktion von Modellen mit Natrium-Ionen-Akkus seit einiger Zeit mit Spannung erwartet worden, denn dieser Batterietyp dürfte langfristig deutlich günstiger in der Herstellung sein als die derzeit üblichen Lithium-Ionen-Akkus.

Der Grund dafür ist, dass die globalen Lithium-Reserven endlich und außerdem auf wenige Herkunftsländer begrenzt sind (vor allem Australien und Länder in Südamerika). In den vergangenen Jahren war der Preis für Lithium auf dem Weltmarkt mehrmals stark gestiegen, einmal bis auf rund 76.000 Euro pro Tonne.

Im Gegensatz dazu ist Natrium weltweit leicht verfügbar. Es ist in der Erdkruste vorhanden und kann sogar recht einfach aus Meerwasser gewonnen werden. Je nachdem, wie der Marktpreis für Lithium gerade fluktuiert, sagen Experten daher Einsparungen bei der Herstellung von Natrium-Ionen-Batterien von 30 bis 40 Prozent gegenüber solchen mit Lithiumionen voraus. (Wir berichteten).

Die Herstellung der Grundstoffe für den neuen Batterietyp soll zudem relativ gesehen umweltfreundlicher sein, als die Lithium-Gewinnung. Natrium-Ionen-Batterien haben zwar momentan noch eine geringere Energiedichte als Batterien mit Lithium-Ionen. Bei den Natrium-Ionen-Batterien, die Farasis Energy momentan produziert, sind es beispielsweise 140 bis 160 Wh/kg. Doch noch in diesem Jahr will der Hersteller eine verbesserte Version mit einer Energiedichte von bis zu 180, im Jahr 2026 dann mit mit bis zu 200 Wh/kg anbieten können.

Anfangs werden Natrium-Ionen-Akkus also wohl vor allem für günstige, kleine Elektroflitzer und auch für E-Scooter interessant sein. Doch sobald die Serienfertigung für Skalierungseffekte sorgt und die Einsparungen bei den Produktionskosten evident werden, könnten sie auch für leistungsstärkere E-Autos immer spannender werden.

* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.

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