Software-definierte Mobilität Engineering neu denken: „Toolchains töten Tempo“

Von Michele Del Mondo * 3 min Lesedauer

Während deutsche Automobilhersteller ihre Software-Strategien noch ausbalancieren, demonstriert Huawei mit der neuen Luxusmarke Maextro, was heute bereits möglich ist: Eine vollständige, integrierte Plattform mit klarer Architektur, durchgängigem Datenmodell und OTA-Fähigkeiten. Entscheidend ist nicht die Größe der Marke, sondern wie konsequent die digitale Architektur umgesetzt wird.

Der Weg zur Software-definierten Mobilität beginnt nicht im Fahrzeug, sondern in den Systemen, mit denen es entwickelt wird. Wer dabei auf alte Strukturen setzt, verliert nicht nur Zeit, sondern auch Zukunft. (Bild:  PTC)
Der Weg zur Software-definierten Mobilität beginnt nicht im Fahrzeug, sondern in den Systemen, mit denen es entwickelt wird. Wer dabei auf alte Strukturen setzt, verliert nicht nur Zeit, sondern auch Zukunft.
(Bild: PTC)

Huawei liefert ein greifbares Beispiel dafür, wie digitale Entwicklungsplattformen in der Praxis funktionieren – und zwar in Serie. Es ist eine Kampfansage an das Engineering-Verständnis etablierter Autobauer und eine Warnung an jene, die glauben, mit klassischen Entwicklungsprozessen in der Ära Software-definierter Fahrzeuge bestehen zu können. Die nächste Fahrzeuggeneration entscheidet sich nicht mehr im Windkanal, sondern im Code und vor allem in der Werkzeugkette.

Engineering im Rückspiegel

Ein Blick in die Realität deutscher und europäischer Entwicklungsabteilungen zeigt: Noch immer dominieren Excel-Tabellen, E-Mail-Ketten und fragmentierte Prozesse. Es gibt Ausnahmen und Leuchttürme, klar. Product Lifecycle Management (PLM), Application Lifecycle Management (ALM) und Computer-Aided Design (CAD) bilden die zentralen Werkzeuge der Fahrzeugentwicklung – von der ersten Idee über das Design bis zur Verwaltung von Software, Hardware und Varianten. PLM, ALM und CAD existieren jedoch noch zu häufig als separate Systeme mit minimaler Rückverfolgbarkeit. Änderungen werden manuell dokumentiert, Varianten in Silos verwaltet, Anforderungen ohne Kontext weitergereicht. Das Resultat: fehlende Konsistenz, langsame Abläufe, hohe Fehleranfälligkeit.

Dabei wissen Automobilhersteller um den Wandel. In Strategiedokumenten wie der „Porsche Strategie 2030 Plus“ wird die Bedeutung digitaler Plattformen und datengetriebener Services betont. Doch solange das Engineering selbst in analogen Strukturen gefangen bleibt, verpuffen diese Ambitionen. Der Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit wird dann zur strategischen Lücke. Genau hier setzt der Vorsprung von Huawei und Partnern wie JAC an.

Umsetzen statt endlos diskutieren

Mit Maextro positioniert sich Huawei im Ultra-Premium-Segment nicht nur mit Optik oder Performance, sondern mit konsequent umgesetzter technischer Architektur. Die Marke ist Teil der Harmony Intelligent Mobility Alliance (HIMA), einem technologiegetriebenen Ökosystem, das Plattform, Nutzererlebnis und Datenarchitektur von Beginn an integriert. Das erste Modell, der Maextro S800, wurde innerhalb weniger Wochen tausendfach vorbestellt.

Der Clou liegt im Unterbau: ein konsistentes, OTA-fähiges Software-Stack, klare Schnittstellen, standardisierte Variantenführung, KI-getriebene Services. Während europäische Hersteller über modulare Plattformen und Funktionskonvergenz diskutieren, wird hier geliefert. Möglich macht das eine durchgängig digitale Entwicklungsbasis, aufgebaut entlang eines Intelligent Product Lifecycle, der alle relevanten Daten über System- und Abteilungsgrenzen hinweg konsistent verbindet.

Die Systemfrage im Engineering

Die aktuellen Toolchains in der Automobilindustrie sind nicht für Software-Defined Vehicles gemacht. Sie bremsen Innovation, verlängern Time-to-Market und gefährden die Wettbewerbsfähigkeit. Vor allem verhindern sie die Fähigkeit zur Skalierung, technisch wie organisatorisch.

Getrennte Prozesse für PLM, ALM und CAD führen zwangsläufig zu Redundanzen, Medienbrüchen und ineffizienten Change-Prozessen. Traceability – also die Rückverfolgbarkeit von Anforderungen, Stücklisten, Konfigurationen und Softwareständen – ist meist nur rudimentär vorhanden. Doch genau diese Nachvollziehbarkeit wird zur Grundvoraussetzung: für Compliance, für KI-getriebene Automatisierung, für digitale Homologation und OTA-Fähigkeit.

Die Stunde der Systemarchitekten

Automobilhersteller, die 2026 wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen ihre Werkzeugketten neu denken – als integriertes System und nicht als Sammlung von Einzeltools. Es geht nicht um das nächste Feature oder Tool, sondern um die Konsolidierung. Die Integration von PLM, ALM und CAD in eine konsistente, skalierbare Werkzeugkette schafft die Grundlage für durchgängige Datenmodelle, automatisierte Prozesse und systemübergreifende Zusammenarbeit.

Nur so entsteht die Brücke, die aktuell fehlt: zwischen Engineering und IT, zwischen Autobauer und Zulieferer, zwischen Legacy und Zukunft. Die Investition in konsolidierte Toolchains ist dabei keine technische Optimierung – sie ist strategisch. Denn sie entscheidet über Innovationsgeschwindigkeit, Skalierbarkeit und letztlich über den Anschluss im globalen Wettbewerb.

Plattformen beeindrucken – Toolchains entscheiden

Der Weg zur Software-definierten Mobilität beginnt nicht im Fahrzeug, sondern in den Systemen, mit denen es entwickelt wird. Wer dabei auf alte Strukturen setzt, verliert nicht nur Zeit, sondern auch Zukunft. Huawei zeigt mit Partnern anhand von Maextro, wie ein datenintegriertes Engineering zum Marktvorteil wird. OEMs müssen den Mut haben, ihre Toolchains konsequent entlang eines Intelligent Product Lifecycle zu erneuern, sonst werden sie von jenen überholt, die es bereits getan haben. Solche Transformationen erfordern nicht nur neue Systeme, sondern auch neue Denkweisen und verlässliche Technologiepartner, die den Wandel mit Erfahrung, Skalierbarkeit und strategischer Weitsicht begleiten. (se)

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