Digital Engineering Fahrzeugentwicklung neu gedacht

Von Michele Del Mondo* 3 min Lesedauer

Dallara ist als Motorsport-Ikone bekannt, hat aber darüber hinaus mit dem Stradale ein straßentaugliches Fahrzeug auf den Markt gebracht. Das Unternehmen setzt auf die digitale Fahrzeugentwicklung und nutzt hierfür Creo von PTC. Welche Vorteile daraus resultieren, zeigt der nachfolgende Beitrag.

Dallara setzt bei der Fahrzeugeentwicklung auf Creo von PTC.(Bild:  Dallara | Alessandro Barteletti)
Dallara setzt bei der Fahrzeugeentwicklung auf Creo von PTC.
(Bild: Dallara | Alessandro Barteletti)

Vom Stammsitz im norditalienischen Varano de’ Melegari entwickelt Dallara nicht nur Hochleistungsfahrzeuge für die Rennstrecke, sondern zunehmend auch straßentaugliche Modelle wie den Dallara Stradale. Gemeinsam ist allen Fahrzeugen ein konsequent digitalisierter Entwicklungsprozess – von der Konzeptidee über die aerodynamische Auslegung bis zur finalen Bauteilauslegung in Leichtbauweise.

Ein anderer Zugang zur Fahrzeugentwicklung

Der technische Anspruch bei Dallara ist hoch, doch die Herangehensweise unterscheidet sich deutlich von klassischen OEM-Strukturen. Statt Antriebseinheiten in eine bestehende Architektur zu integrieren, entwickeln die Ingenieure bei Dallara ihre Fahrzeuge vom Triebwerk ausgehend. Diese Methodik erlaubt es, jedes Fahrzeug als funktionales Gesamtsystem zu betrachten – abgestimmt auf Gewichtsverteilung, Aerodynamik und Effizienz.

Dabei profitieren die Konstruktionsteams von einem durchgängigen, digitalen Entwicklungsprozess. Creo dient als zentrales Werkzeug, um Karosserie, Fahrwerk und Innenstruktur in einer Umgebung zu modellieren und zu optimieren. Die Software ermöglicht es, komplexe Geometrien mit hoher Präzision zu entwerfen und durch Simulation frühzeitig zu validieren. Änderungen lassen sich iterativ umsetzen, ohne die Konsistenz des Gesamtsystems zu gefährden.

Rennwagen meets Straßenfahrzeug

Ein markantes Beispiel für diese Philosophie ist der Dallara Stradale. Das Fahrzeug wurde entwickelt, um die Fahreigenschaften eines Rennwagens mit der Alltagstauglichkeit eines Straßenfahrzeugs zu kombinieren. Der Konstruktionsstart erfolgte 2015 – mit dem Ziel, ein außerordentlich leichtes, aerodynamisch perfektioniertes Fahrzeug zu realisieren, das auch auf öffentlichen Straßen zugelassen ist.

Mit einer Querbeschleunigung von bis zu 2G bei Serienbereifung setzt der Stradale neue Maßstäbe. Der Schlüssel zum Erfolg liegt nicht allein in der mechanischen Abstimmung, sondern in der konsequenten Ausnutzung digitaler Werkzeuge im Konstruktionsprozess. Die Designerer und Ingenieure nutzen Creo, um jede Linie des Fahrzeugs auf minimale Verwirbelung und maximale Stabilität auszurichten – in engem Zusammenspiel mit Windkanaltests und virtuellen Simulationsumgebungen.

Nachhaltigkeit beginnt im Konstruktionsprozess

Im Zentrum der Fahrzeugentwicklung steht nicht nur die Performance, sondern zunehmend auch die Energieeffizienz. Dallara verfolgt einen Entwicklungsansatz, bei dem Nachhaltigkeit nicht am Ende der Wertschöpfungskette steht, sondern in der Konstruktion beginnt. Die Fahrzeuge werden so leicht wie möglich ausgelegt, Materialien kommen gezielt zum Einsatz und jedes Bauteil auf seinen Einfluss auf Luftwiderstand und Energieverbrauch hin optimiert.

Durch die enge Verzahnung von Design, Simulation und Analyse in Creo kann dieser Prozess effizient abgebildet werden. Die Software ermöglicht es, frühzeitig verschiedene Material- und Strukturvarianten durchzuspielen und auf dieser Basis fundierte Entscheidungen zu treffen. So gelingt es, den Energiebedarf zu senken, ohne die Dynamik oder Sicherheit zu beeinträchtigen.

Digitale Entwicklung als Treiber

Die Vorteile der digitalen Entwicklung reichen über das einzelne Fahrzeug hinaus. Prozesse lassen sich standardisieren, Erkenntnisse zwischen Projekten übertragen und Entwicklungsteams standortübergreifend vernetzen. Gerade für ein Unternehmen wie Dallara, das in internationalen Rennserien wie der IndyCar, Formel 2, Formel 3 und Super Formula aktiv ist – oft als alleiniger Chassis-Hersteller – bedeutet das einen strategischen Vorteil.

Creo unterstützt diesen Ansatz durch ein modulares, skalierbares CAD-Framework. Von der Konzeptphase bis zur fertigungsgerechten Zeichnung bleiben alle Informationen konsistent. Anpassungen im Lastenheft oder neue Vorgaben aus der Aerodynamik lassen sich direkt ins bestehende Modell übernehmen. Das beschleunigt Entwicklungszyklen und erhöht die Reaktionsfähigkeit auf sich ändernde Anforderungen.

Nachwuchsförderung im Motor Valley

Neben der technischen Innovation engagiert sich Dallara auch für den Wissenstransfer. In Kooperation mit vier Universitäten der Region Emilia-Romagna wurden neun Masterstudiengänge für Ingenieurwissenschaften entwickelt. Ziel ist es, junge Talente gezielt auf die Anforderungen der Fahrzeugentwicklung im digitalen Zeitalter vorzubereiten – mit Schwerpunkten in Simulation, Werkstoffkunde, Aerodynamik und CAD-gestütztem Design.

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Auch hier spielt die Praxisnähe eine zentrale Rolle: Studierende arbeiten mit den gleichen digitalen Werkzeugen wie die Ingenieure bei Dallara. So entsteht nicht nur ein unmittelbarer Bezug zur realen Fahrzeugentwicklung, sondern auch ein Verständnis für die Relevanz integrativer Konstruktionsprozesse – vom ersten Entwurf bis zum fertigen Bauteil.

Digitale Entwicklung als Enabler für Effizienz

Dallara zeigt exemplarisch, wie sich High-Performance Engineering, Nachhaltigkeit und digitale Transformation verbinden lassen. Der konsequente Einsatz von PTC Creo ermöglicht nicht nur exzellente aerodynamische Konzepte und Leichtbauarchitekturen, sondern macht komplexe Entwicklungen beherrschbar – sowohl auf der Rennstrecke als auch im Serienfahrzeugbau. Dabei steht nicht allein die Technologie im Mittelpunkt, sondern ein systemischer Entwicklungsansatz, der Nachhaltigkeit als integralen Bestandteil moderner Mobilität versteht. (se)

* Michele Del Mondo ist Senior Director Global Advisor Automotive bei PTC.

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