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E-Mobilität: Marktentwicklung und Innovationsstärke der OEM

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Tesla bleibt der Innovationsführer beim E-Auto. Doch der VW-Konzern ist den Kaliforniern auf den Fersen. Andere deutsche Hersteller hinken hinterher.

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(Bild: Clipdealer)

Die E-Mobilitätsmärkte zeigen sich im internationalen Vergleich in den ersten vier Monaten des Jahres vor dem Hintergrund des Covid-19 Virus uneinheitlich. China bleibt zwar mit weitem Abstand der Leitmarkt für Elektrofahrzeuge, wobei die Absatzzahlen stark rückläufig sind. Die Neuzulassungen von New Energy Vehicles (NEV) sinken um 45 Prozent auf nun-mehr 184.000 Fahrzeuge. Darunter waren 135.000 rein elektrische Fahrzeuge und 49.000 Plug-In-Hybride. Damit sinkt der Marktanteil von 5,0% auf 4,2% sogar überproportional im Vergleich zum durch das Covid-19 Virus stark rückläufigen Gesamtabsatz auf dem chinesischen Markt (-33%).

Damit setzt sich der seit Juli 2019 feststellbare rückläufige E-Fahrzeugverkauf fort, nachdem die staatlichen Förderkulissen der chinesischen Regierung deutlich reduziert wurden. Ende April wurde jedoch beschlossen die staatliche Unterstützung der E-Mobilität bis Ende 2022 zu verlängern, worunter u.a. der Wegfall der 10-prozentigen Kaufsteuer und verschiedene Kaufprämien zählen. Entsprechend ist im laufenden Jahr wieder mit einer Belebung der E-Fahrzeugnachfrage zu rechnen.

Die Situation in Europa

Demgegenüber steigt in wichtigen europäischen Ländern die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen trotz Corona-Krise stark an. In Deutschland profitiert die Elektromobilität bereits von der Ende Februar angehobenen E-Auto-Förderung. Die Zahl der Elektrofahrzeuge verdoppelt sich in den ersten vier Monaten 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 63.000 Fahrzeuge. Treiber der positiven Entwicklung der Elektromobilität sind gegenwärtig die Plug-In-Hybride. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wurden 209% mehr PHEV zugelassen (rund 32.000). Damit wurden erneut wieder mehr Plug-In Hybride als rein elektrische Fahrzeuge (BEV: rund 31.000) neu zugelassen. Der Marktanteil der PHEV liegt demnach aktuell bei 3,9%, während die BEV bei 3,7% liegen. Die Beliebtheit der Plug-In-Hybride ist in Deutschland durch das Angebot der einheimischen Hersteller wie beispielsweise dem BMW 330e, dem Audi A6 TFSI e oder dem Mercedes-Benz C 300 de zu erklären. Insgesamt herrscht damit auf dem deutschen Markt aktuell weltweit die größte Dynamik bezüglich der Entwicklung des E-Fahrzeugabsatzes (insgesamt +102% bei BEV/PHEV).

Frankreich schließt durch ein Absatzwachstum von 97 Prozent bei rein elektrischen Fahrzeugen (BEV) zu Deutschland auf. Insgesamt wurden in Frankreich bis April fast genauso viele BEV wie hierzulande verkauft (27.000). Auch der Absatz der Plug-In Hybriden legt um 88% zu. Gleiches gilt für Großbritannien, wo sich der Absatz von BEV in den ersten vier Monaten 2020 auf 20.000 verdreifacht und auch PHEV-Neuzulassungen um 31% im Vergleich zum Betrachtungszeitraum 2019 zulegen. Anders als in Deutschland gewinnen reine Elektrofahrzeuge gegenüber Plug-In-Hybriden mehr Marktanteile in Ländern wie Großbritannien und Frankreich.

Grundsätzlich kann sich die Elektromobilität dem Corona-bedingten Nachfragerückgang in den wichtigen Absatzmärkten Europas entziehen. Im ersten Quartal 2020 steigen die Neuzulassungen von Elektroautos in Europa um 82%, während der Gesamtabsatz um 35% zurückgeht (EU+EFTA+UK). Der Marktanteil von reinen Elektrofahrzeugen steigt auf 4,3% (2,0%), der von PHEV auf 3,25 (1,1%). Insgesamt haben sich im ersten Quartal 2020 damit die Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen von 3,1% auf 7,5% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt.

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Innovationsstärke im Technologiefeld Elektromobilität

Tesla ist nicht nur Marktführer sondern auch der Innovationsführer bei der reinen Elektromobilität: Das amerikanische Unternehmen konnte im Gesamtjahr 2019 sowie im ersten Quartal 2020 mit deutlichem Abstand am meisten E-Fahrzeuge absetzen und bleibt bei reinen Elektrofahrzeugen (BEV) weiterhin bei der Innovationsstärke führend (im Untersuchungszeitraum 2012-2019). Allerdings schließt der VW-Konzern im Bereich mit großen Schritten zu Tesla auf und springt auf Rang 2 (von Rang 4) vor dem auf Rang 3 vorrückenden Hyundai Konzern. Dagegen verschlechtern sich die chinesischen Hersteller BYD und BAIC leicht und rangieren jetzt auf Rang 4 bzw. Rang 6. Die aktuelle Auswertung berücksichtigt 258 Serien-Innovationen der Elektromobilität von 30 Automobilherstellern der letzten acht Jahren.

Tesla erreicht vor allem aufgrund des Model S, das weiterhin die höchste Reichweite über alle Segmente hinweg aufweist und der besten Stromverbrauchseffizienz bei allen Modellen (bester Stromverbrauch im jeweiligen Segment von Model S, Model X und Model 3) eine Innovationsstärke von 92,7 Indexpunkten im Betrachtungszeitraum. Der Volkswagen-Konzern, der das auf dem Modularen Elektrobaukasten basierende Modell ID3 in den nächsten Monaten in Serie bringt, profitiert u.a. vom e-up!, das sparsamste Elektromodell seiner Klasse sowie vom 800 Volt-Ladesystem des Porsche Taycan, durch das mit einer Ladeleistung von bis zu 270 kW geladen werden kann. Renault kann vor allem durch das neue 52 kWh-Lithium-Ionen-Batteriepaket in der Zoe punkten. Die Reichweite steigt um 32% auf jetzt 390 km nach WLTP. Somit hat die Zoe die höchste Reichweite im Kleinwagensegment im Betrachtungszeitraum.

Das Mittelfeld wird von den chinesischen Herstellern BAIC und Dongfeng angeführt, die derzeit auf Rang 6 bzw. 7 kommen. Daimler und BMW rangieren aktuell noch auf den Plätzen 10 und 11. Hier fehlt derzeit noch ein breiteres Angebot mit konkurrenzfähigen Reichweiten und Preispositionen in verschiedenen Segmenten, welches jedoch nach den Ankündigungen der Hersteller noch in diesem und im nächsten Jahr deutlich steigen wird. BMW kann im Jahr 2019 gerade durch den Mini Cooper S E mit dem zweitniedrigsten Stromverbrauch im Segment Plätze gut machen. Unter den Low Performern befinden sich große etablierte Konzerne wie die japanischen OEM Toyota und Honda aber auch Ford und Fiat-Chrysler. Bei diesen Herstellern sind bislang nur wenige oder gar keine reinen E-Fahrzeuge in der Produktpalette zu finden.

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