Elektromobilität E-Mobilität ist einkommensabhängig – doch das ist nur die halbe Wahrheit

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Je weniger Geld einem Haushalt zur Verfügung steht, desto niedriger ist der Anteil von Elektroautos und Plug-in-Hybriden, berichtet Destatis auf Basis statistischer Erhebungen aus 2023. Neue Förderungen der Regierung sollen diesen Umstand adressieren.

Polestar in der Wildnis(Bild:  Polestar)
Polestar in der Wildnis
(Bild: Polestar)

Die Aussage provoziert: Ob ein Haushalt einen Verbrenner oder ein Elektroauto beziehungsweise einen Plug-in-Hybrid besitzt, hängt stark vom Einkommen ab. Frech wäre, nun zu sagen, E-Mobilität wäre Luxus. Eine Erhebung des Statistischen Bundesamts Destatis könnte diesen Schluss nahelegen. Aber diese Schlagzeile ist auch nur die halbe Wahrheit. Und bevor Sie auf Basis dieser Erhebung jetzt pauschal sagen „Aber natürlich ist Elektromobilität Luxus“, dann lassen Sie uns das Ganze kurz in einen Kontext setzen, bevor wir weiter auf die interessanten Destatis-Statistiken eingehen.

Die Datenbasis für die Destatis-Ergebnisse ist aus dem Jahr 2023. In dem Jahr endete im Dezember die staatliche Förderung für E-Autos; die für die Anschaffung eines Plug-in-Hybrids ebenfalls. Durchschnittliche Preise lagen 2023 laut Branchenanalysen bei rund 50.000 Euro für ein E-Auto und bei etwa 45.000 Euro für einen Plug-in-Hybrid. Also ja: 2023 war ein Elektroauto eine Anschaffung, die viele Leute in Deutschland lange durchdachten. Die Anschaffung eines Verbrenners aber auch. Diese Einordnung gilt für das Jahr 2023 – seitdem hat sich der Markt jedoch deutlich verändert. Tatsächlich ist der Preisabstand zwischen reinen Elektroautos und Verbrennern 2025 stark geschrumpft, wie die Analysen des Center Automotive Research belegen (via Autobild).

Marktentwicklung: Eine holprige Fahrt

Haushalte mit einem geringeren Nettoeinkommen besaßen im Jahr 2023 weniger BEV und PHEV als Haushalte mit höherem Nettoeinkommen. Das sagt allerdings wenig über die Kaufbereitschaft aus.(Bild:  Destatis)
Haushalte mit einem geringeren Nettoeinkommen besaßen im Jahr 2023 weniger BEV und PHEV als Haushalte mit höherem Nettoeinkommen. Das sagt allerdings wenig über die Kaufbereitschaft aus.
(Bild: Destatis)

Unbestreitbar ist, dass die E-Auto- und Plug-in-Hybrid-Bestellungen im Jahr 2024 schlagartig rückläufig waren, denn die fehlende staatliche Bezuschussung reduzierte die Attraktivität der Elektromobilität zusätzlich. Wir erinnern uns: In den Jahren wurde beispielsweise viel über Reichweitenangst diskutiert. 2025 zogen die Bestellzahlen von BEV (Battery Electric Vehicle) wieder an, unter anderem wegen der Rabatte, die Hersteller gaben. Die Bruttopreise für ein BEV oder ein PHEV (Plug-in-Hybrid-Vehicle) sind seit 2023 aber eher gestiegen als gesunken.

Mittlerweile ist die Auswahl allerdings sehr viel stärker diversifiziert. Ein Teil der chinesischen Anbieter adressiert inzwischen das untere Preisniveau. Vor allem kleine Kompaktwagen schlagen mit 20.000 bis 25.000 Euro zu Buche, E-Autos vergleichbarer Größe von heimischen Herstellern sind spürbar teurer. Long story short: Die Destatis-Analyse hat Aussagekraft für den Marktstand von 2023, lässt sich aber nur eingeschränkt auf die aktuelle Marktsituation übertragen. Aber was genau sagt die Analyse von Destatis?

Niedriges Einkommen, niedrige Kaufbereitschaft?

Die aktuelle Destatis-Analyse zeigt auf, dass in Deutschland die Ausstattung privater Haushalte mit Elektroautos und Plug-in-Hybriden deutlich vom Einkommen abhängt. Haushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 2.600 Euro besaßen 2023 lediglich 1,3 Prozent E-Autos oder Plug-in-Hybride, während in Haushalten mit 5.000 Euro und mehr rund 13,4 Prozent ein solches Fahrzeug nutzten. Insgesamt hatten 6 Prozent der Haushalte mindestens ein elektrisch betriebenes Fahrzeug.

Überraschend sind diese Zahlen nicht. Bei einem Nettoeinkommen von etwas mehr als 30.000 Euro jährlich ist die generelle Kaufbereitschaft für einen Neuwagen, insbesondere in einer städtischen Wohnumgebung, wahrscheinlich eher gering. Spannend: Paare mit Kindern sind überdurchschnittlich häufig elektrisch unterwegs, denn die Zahlen aus 2023 belegen, dass 11,5 Prozent der Haushalte mit Kindern mindestens ein E-Auto oder Plug-in-Hybrid besitzen. Ein Vergleich mit den anderen Gruppen: 7,5 Prozent der Paare ohne Kinder besitzen mindestens ein E-Auto oder Plug-in-Hybrid, 2,2 Prozent der Alleinlebenden.

Ergänzend zeigt die Statistik

  • Fast die Hälfte der elektrisch genutzten Fahrzeuge in Haushalten waren Neuwagen (48,5 Prozent), weitere 45,2 Prozent waren geleast; Gebrauchtwagen spielten mit 15,2 Prozent eine geringere Rolle.
  • Der Anteil der elektrisch betriebenen Pkw an den Neuzulassungen stieg 2025 auf 30,0 Prozent – darunter 19,1 Prozent reine E-Autos. Insgesamt wurden im Jahr 2025 über 856.500 elektrisch betriebene Pkw neu zugelassen.
  • Zum 1. Januar 2025 gab es in Deutschland rund 160.000 öffentliche Ladepunkte, davon etwa 36.000 Schnellladepunkte, mit regional deutlichen Unterschieden in der Netzabdeckung.

Die Studie von Destatis bereitet Statistikfans hauptsächlich auf das Jahr 2026 vor. Es wird äußerst interessant sein zu sehen, wie sich die Neuzulassungszahlen im Laufe des Jahres mit den neuen Förderungen entwickeln. Gleichzeitig wird spannend zu sehen sein, wie sich die durchschnittlichen Bruttopreise der BEV und PHEV entwickeln. Auf Basis der Destatis-Daten zu sagen, dass Elektromobilität nur etwas für Reiche wäre, wäre wenig zielführend. Einkommen beeinflusst Investitionsentscheidungen, das gilt für Mobilität ebenso wie für Wohnen oder Bildung. (sb)

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