Autohäuser abklappern war (vor)gestern. Heute recherchieren Neu- und Gebrauchtwagenkäufer online, bevor sie zielgerichtet ins Autohaus fahren. Das Angebot an Plattformen ist allerdings verwirrend groß.
Online- und Offline-Welt verschwimmen beim Autokauf immer mehr.
(Bild: Mercedes-Benz)
Am Internet führt beim Autokauf kein Weg mehr vorbei. Die Zahl der Online-Fahrzeugbörsen für Neu- und Gebrauchtwagen ist in den vergangenen fünf Jahren nahezu explodiert, mehr als 150 unterschiedliche Plattformen werben um die deutschen Pkw-Käufer – die Webseiten der Hersteller nicht eingerechnet. Für Verbraucher bietet das zahlreiche Vorteile.
Wer online ein Auto kaufen will, hat viele Möglichkeiten – zum Vergrößern bitte klicken.
(Bild: Volvo)
Aus heutiger Sicht verwundert es fast, dass der längst dominante Online-Vertriebsweg lange Jahre nur ein Trampelpfad war. Denn nachdem Ende des vergangenen Jahrtausends die heutigen Marktführer „Mobile.de“ und „Autoscout24.de“ (damals als „Mastercar.de“) gegründet wurden, tat sich jahrelang nur wenig. Erst in den 2010er-Jahren kamen weitere Anbieter hinzu, bevor sich um 2017 geradezu eine Welle an neuen Anbietern aufbaute, die erst jetzt langsam abflacht.
Noch immer Bewegung in der Branche
Um sich von der Konkurrenz abzuheben, setzt jedes Portal seinen eigenen Schwerpunkt – konzentriert sich eher auf bestimmte Fahrzeuge oder Finanzierungsformen, legt besonderen Wert auf Service und Bedienbarkeit oder nimmt spezielle Zielgruppen in den Fokus, etwa Fahranfänger oder Firmenkunden.
Spätestens mit der Liefer- und Verfügbarkeitskrise von Neu- und Gebrauchtwagen im Zuge von Corona und Ukraine-Krieg erhielt die Branche aber ihren ersten Dämpfer. Doch immer noch ist Bewegung in der Branche.
Mit „Alles.Auto“ etwa startete kürzlich der deutsche Autohandel eine eigene E-Commerce-Plattform. Die Idee: Anstatt viel Geld für Anzeigen in den Onlineportalen Dritter auszugeben, vermarktet man seine Neu- und Gebrauchtwagen gleich selbst. „Wir sind eine Plattform von Autohändlern für Autohändler. Die Idee dazu und deren Umsetzung kommt aus dem Handel“, erläutert CEO Patrick Mayer das Konzept.
Hinter dem Portal steht als Initiator die Autohandelsgruppe AVAG, mittlerweile zählen aber mehr als ein Dutzend weitere große Händler zu den Gesellschaftern. Diese können und sollen nicht nur ihre Fahrzeuge einstellen, sondern sich aktiv an der Weiterentwicklung der Plattform beteiligen.
Verzahnung der virtuellen und reellen Welt
Komfortable oder clevere Funktionen für den Nutzer sind auch für andere Portale eine Möglichkeit, sich von der Konkurrenz abzusetzen. Neben Neu- und Gebrauchtwagen aus dem Fundus der teilnehmenden Unternehmen lassen sich bei dem Newcomer daher auch Zubehör kaufen und Werkstattleistungen buchen.
Ein weiteres Plus, mit dem „Alles.Auto“ punkten will: die Verbindung von Online- und Offline-Welt. Wer im Netz ein passendes Fahrzeug findet, kann die Recherche vor Ort im Autohaus fortsetzen und umgekehrt. Auch die zumindest bei Gebrauchtwagen unverzichtbare Probefahrt ist somit möglich.
Auch bei anderen Plattformen sind virtuelle und reelle Welt durchaus verzahnt: Viele sind aber vorwiegend Vermittler, die letztlich mit ihrer besonderen Reichweite eine Verkaufsannonce veröffentlichen, die auf einen stationären Händler verweist. Zu dieser Gruppe zählen etwa die beiden Marktführer.
Andere Anbieter wie „Autohaus24“ oder „LeasingRate24“ fungieren als Vermittler; sie übernehmen zusätzlich auch den Vertragsabschluss, der Händler besorgt anschließend jedoch die Auslieferung des Fahrzeugs. On- und Offline-Welt sind also nicht komplett getrennt.
Weitgehend ins Netz abgewandert sind jedoch die digitalen Eigenhändler wie „Autohero“ oder „Instamotion“, die die Kundenfahrzeuge bis zur Haustür bringen und mit Bequemlichkeit sowie günstigen Preisen werben.
„Es stellt keinen besonderen Kraftakt mehr dar, die notwendigen Plattformen technologisch zu entwickeln“
Dass es solch eine große Menge an Autobörsen gibt, hat vor allem zwei Gründe. Zum einen lockt der direkte Zugang zu einer hohen Nutzerzahl unter dem Thema Mobilität, zum anderen sind die technischen Investitionskosten überschaubar.
„Es stellt keinen besonderen Kraftakt mehr dar, die notwendigen Plattformen technologisch zu entwickeln – zumindest in den ersten Schritten“, weiß Unternehmensberater Jörg von Steinaecker, der 2021 eine umfassende Studie zu Fahrzeugbörsen präsentiert hat.
Stand: 08.12.2025
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Passende Frameworks und Programmbibliotheken erlaubten es Programmierern in der Regel zügig einsetzbare Anwendungen zu erstellen. Die eigentliche Herausforderung besteht dem Experten zufolge darin, genügend Nutzer zu finden, die auf dem Portal nicht nur schauen, sondern auch kaufen.
Das jedoch ist teuer und arbeitsaufwendig. Nicht unwahrscheinlich also, dass neben „Vehiculum“, „Cazoo“, „YesAuto“, „Cluno“ noch andere Plattformen mehrfach die Besitzer wechseln oder ganz auf der Strecke bleiben.
Prinzipiell hält Steinaecker die Börsen-Vielfalt für positiv. „Für Konsumenten werden zielgruppenorientierte Vorlieben wie leasen, finanzieren, abonnieren und mieten bedient. Gleichzeitig haben sie durch die Bündelung der Angebote auf Börsen eine größere Auswahl, um das passende Fahrzeug finden.“
Zudem verbessert der starke Wettbewerb auch die Bedienbarkeit und den Komfort. Eine wachsende Anzahl und Vielfalt von Features und Shopping-Tools auf den Plattformen machen den Kaufprozess zunehmend zu einem bequemen One-Stop-Shopping-Erlebnis.
Preisbewertungen, Geld-zurück-Garantien, Zahlungen über Treuhandkontos, Tools, die helfen, die persönliche Finanzierung durchzurechnen – die Menge an Funktionen, mit denen sich die einzelnen Portale für den Kunden vom Wettbewerb abheben können, ist nahezu unendlich. Autokäufer können sich freuen, wenn sie denn ein wenig Zeit aufwenden, das für sie am besten passende Angebot zu finden.
Auch Händler profitieren von der Börsen-Vielfalt
Aber auch die Händler profitieren zumindest teilweise vom Wettbewerb der Börsen, können sie Interessierte durch die Differenzierung und Spezialisierung zielorientierter einsetzen und mit bestimmten Fahrzeugen spezielle Kunden ansprechen.
Zudem dienen die Börsen auch als Art Labor, ermöglichen das Ausprobieren neuer Technologien zur Kundenansprache und Kommunikation. In der Regel wird dafür eine fixe Gebühr oder ein Erfolgsanteil fällig – Geld, dass die Marge des Händlers schmälert. Doch selbst leisten können sich einzelne Autohändler technisch aufwendige und innovative Online-Plattformen nicht.
Einige Anbieter wie „Alles.Auto“ bieten aber immerhin sogenannte White-Label-Software an, die der Händler mit eigenem Logo auf seiner eigenen Webseite nutzen kann, ohne sie selbst entwickeln und aktuell halten zu müssen. Denn das Ignorieren von Online-Portalen ist schon heute keine Option mehr. Dafür ist der Nutzerzuspruch längst zu groß.