Mattschwarz, elektrisch und cool im Design – das Vässla Bike hätte durchaus Potenzial, Jung und Alt in seinen Bann zu ziehen. Wenn da nicht die Straßenverkehrsordnung und ein paar technische Schwächen wären.
Mit seinem einfachen, klaren und symmetrischen Design ist das Vässla Bike ein optisch interessantes Zweirad.
(Bild: Mario Hommen/sp-x)
Es ist bereits einige Jahrzehnte her, da durfte man sich auf knatternden Mofas sogar ein wenig cool finden. Immerhin war man ja Vorstufe zum Rocker. Doch Zeiten ändern sich: Heute fragt sich der vielleicht künftige wie auch der betagte Rocker, ob nun E-Motorrad, E-Bike, E-Roller, E-Scooter oder E-Mofa das Mobil der Wahl ist. Ein Vertreter letzterer Kategorie ist das Vässla Bike. Vässla? Jepp, so heißt eine junge Elektromarke aus Schweden, die sich um die saubere Mobilität der Zukunft bemüht, was wohl etwas cooler klingt als es sich praktisch fährt.
Optisch strahlt das Vässla Bike durchaus Coolness aus. Die mattschwarze Lackierung und eine luftig-aufgeräumte Rahmenkonstruktion aus nur einem ovalen Alurohr wirken spannend und modern. Der simple wie funktionale Aufbau ist zudem durchdacht, denn im L-förmigen Rahmen stecken neben der Elektronik noch der herausnehmbare Akku im Sattelrohr, das außerdem noch als Anlenkpunkt für Hinterradschwinge und Zentralfederbein dient. Ein Lenker und zwei kleine Räder mit einem hinten integrierten Nabenmotor komplettieren den Aufbau – fertig ist der Stadtstromer.
So simpel wie das Vässla Bike aussieht, lässt es sich auch fahren. Zwei Knöpfe drücken und am Mini-Display die Fahrstufe festlegen, schon stromert man los. Zunächst etwas kippelig und in einer ungewohnten Cruiser-Haltung, doch durchaus bequem und mit einem guten Gefühl für die Kontrolle. Die Füße ruhen dabei auf seitlich ausklappbaren Fußrasten, die man immer mal wieder ungewollt einklappt. Mit der rechten Hand dreht man den Gashahn, der wie bei einem klassischen Motor-Zweirad für eine spürbare Beschleunigung sorgt.
Und die geht weiter als bei den derzeit angesagten E-Tretrollern, die auf 20 km/h begrenzt sind. Das Vässla Bike schafft 5 km/h mehr, wobei es technisch dank eines in der Spitze theoretisch sogar 1 kW/1,4 PS leistenden Nabenmotors auch deutlich mehr schaffen könnte. Rein rechtlich handelt es sich jedoch um ein Kleinkraftrad mit einer Begrenzung auf 25 km/h, weshalb der Gesetzgeber hierzulande ein Versicherungskennzeichen sowie dem Fahrer das Tragen eines Helmes als auch eine nahezu ausschließliche Nutzung auf Autostraßen auferlegt.
Das Befahren von Radwegen ist mit dem Schweden-Stromer eigentlich nicht erlaubt, was ziemlich kurios anmutet, da man nicht schneller als die mittlerweile allgegenwärtigen Pedelecs unterwegs ist und das Bike zudem deutlich weniger Verkehrsfläche als etwa für Fahrradwege zugelassene Lastenräder beansprucht.
Ganz reflexartig befährt man mit dem Vässla Bike also vornehmlich Radwege. Und statt einem Motorrad- trägt man einfach einen Fahrradhelm. Wie hoch die Chance für ein Bußgeld ist, wird sich zeigen. Wir blieben jedenfalls unbehelligt, zumal man auf vielen Radwegen, die von mittlerweile allerlei elektrisch getriebenen Zweirädern frequentiert werden, höchstens noch mit dem speziellen Design auffällt.
40 Kilometer Reichweite
Auf lange Touren macht das E-Bike eigentlich keine Lust, obwohl laut Hersteller eine Akkuladung 40 Kilometer Reichweite ermöglicht. Auch wenn es in der Praxis etwas weniger sind, wird das den Nutzer kaum interessieren, denn eigentlich verlockt der Vässla eher zu Kurztrips. Kurz und nicht schweißtreibend zum Bäcker, Supermarkt, Briefkasten oder Amt – da ist der kompakte, mit 27 Kilogramm allerdings etwas schwere Schwede eine interessante Ergänzung und Alternative. Gut macht er sich sicherlich auch an Wohnmobilen, falls der Weg zur Rezeption oder dem Strand als fußläufig zu weit erscheint. Als ein Letzte-Meile-Vehikel im Sinne der zusammenklappbaren E-Scooter ist das Vässla Bike hingegen nicht die richtige Wahl, denn dafür ist der Stromer zu unhandlich, zumal man immer einen Helm braucht.
Kaufpreis: rund 2.000 Euro
Ebenfalls nicht in allen Details überzeugen konnte die Ausstattung, denn bei einem Kaufpreis von rund 2.000 Euro sollte man, statt mechanische, durchaus hydraulische Scheibenbremsen erwarten dürfen. Darüber hinaus wirkte das Fahrwerk unausgewogen, denn während das Vorderrad ohne Federung bei Unebenheiten den Fahrer kräftig durchschüttelt, sorgt das stark federnde jedoch weniger dämpfende Federbein am Hinterrad für reichlich Unruhe im Unterbau. Auf glattem Asphalt ist das okay, bei Unebenheiten kann das nerven, zumal dann der Hauptständer aufgrund zu geringer Rückholkräfte seiner Feder oft mit Klappergeräuschen stört.
Beim Parken sorgt der Ständer im Gegenzug für sicheren Stand. Praktisch ist außerdem ein optional bestell- und am Lenker montierbarer Korb, in den sich locker Sonntagsbrötchen und -zeitung, Brillenetui und Dokumententasche ablegen lassen.
Stand: 08.12.2025
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Wer einst mit knatternden Mofas groß geworden ist, führt eben heute ein eher leises Leben.