Automobilindustrie in der Krise Das Mobilitätsgeschehen im Überblick: Das war der Oktober 2024

Von Stefanie Eckardt 3 min Lesedauer

Trübe Aussichten: Ob Volkswagen, ZF, Schaeffler, Preh und Co. – im Oktober ist kaum ein Tag vergangen, ohne eine Negativmeldung aus der deutschen Autoindustrie. Die aktuelle Krise legt nicht nur die Schwächen des Standorts Deutschland offen. Sondern ist auch ein Sinnbild der Versäumnisse in den letzten Jahren. Dabei gingen technologische Errungenschaften beinahe unter.

Trüber Oktober für den Automobilstandort Deutschland: Mit Autobauer Volkswagen befindet sich nach den Negativschlagzeilen der Zulieferer nun auch ein Autobauer in einer ernsthaften Krise. (Bild:  frei lizensiert bei Pixabay)
Trüber Oktober für den Automobilstandort Deutschland: Mit Autobauer Volkswagen befindet sich nach den Negativschlagzeilen der Zulieferer nun auch ein Autobauer in einer ernsthaften Krise.
(Bild: frei lizensiert bei Pixabay)

Mindestens drei Werke plant Volkswagen zu schließen und in den verbleibenden Standorten Einschnitte vorzunehmen. Diese Pläne hat der Betriebsrat im Rahmen einer Informationsveranstaltung in Wolfsburg Ende Oktober öffentlich gemacht. Eine Alternative hierzu sieht VW-Chef Blume schlichtweg nicht. Für die wirtschaftlichen Probleme bei Volkswagen seien Fehler in der Vergangenheit verantwortlich, äußerte er sich im Gespräch mit der „Bild am Sonntag“. Die strukturellen Probleme im Konzern würden durch die schwache Nachfrage in Europa und gesunkene Erträge in China nur deutlich gemacht – und dem Fakt, dass der Autobauer hier in Deutschland zu teuer ist.

Und was beim Autobauer passiert, „schlägt klar auf die Zulieferer durch“, wie Ferdinand Dudenhöffer gegenüber der Berliner Morgenpost betonte. Dabei haben diese bereits ohnehin zu kämpfen. So will Schaeffler ab November 1.000 Beschäftigte des Schweinfurt-Standorts für mehrere Monate in Kurzarbeit schicken. Ähnlich bei ZF in Passau. Dort sind rund 4.500 Mitarbeiter betroffen. Um auf die strukturellen Veränderungen im Automobilmarkt reagieren zu können, wird Bertrandt Portfolio und Personalkapazitäten in Deutschland anpassen. Betroffen sind 800 bis 1.200 Stellen, insbesondere am Standort Tappenbeck bei Wolfsburg in den Segmenten Digital und Physical Engineering. Beim Automobilzulieferer Preh in Bad Neustadt im Landkreis Rhön-Grabfeld werden 410 Jobs gestrichen.

Mobilitätsgeschehen im Oktober 2024
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Wirtschaftsstandort Deutschland in Gefahr?

Ein Faktor für die Krise ist die zunehmende Unattraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Nachdem Intel die Chipfabrik in Magdeburg im besten Falle nur verschiebt, steht nun auch die Leistungshalbleiter-Fabrik im saarländischen Ensdorf, die von Wolfspeed und mit Unterstützung von ZF errichtet werden sollte, vor dem Aus. Das Saarland ist gleich doppelt gebeutelt, denn auch die geplante Batteriefabrik von Svolt ist geplatzt. Dass der Wirtschaftsstandort Deutschland insbesondere für die Automobilbranche nicht mehr attraktiv genug ist, zeigt nicht zuletzt der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) auf. „Europa – vor allem Deutschland – büßt im internationalen Vergleich immer mehr an internationaler Wettbewerbsfähigkeit ein. Der Strompreis liegt für deutsche Unternehmen bis zu dreimal höher als für internationale Wettbewerber z.B. aus den USA oder China. Deutschland ist ein Höchststeuerland und die bürokratischen Belastungen steigen immer weiter. Und auch Umfragen, die der VDA regelmäßig unter seinen Mitgliedern des automobilen Mittelstands durchführt, zeigen die schwindende Wettbewerbsfähigkeit des Standortes. Hier zeigte sich zuletzt, dass immer mehr Unternehmen (82 Prozent) eigentlich geplante Investitionen in Deutschland verschieben, verlagern oder ganz streichen. So plant mehr als jedes dritte Unternehmen eine Investitionsverlagerung ins Ausland“, erklärt VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Sie unterstreicht: „Fakt ist: Es braucht einen wettbewerbsfähigen Standort mit den richtigen politischen Rahmenbedingungen, damit möglichst viel Wertschöpfung und Beschäftigung hierzulande bleibt bzw. neue Arbeitsplätze auch in Deutschland entstehen. Positive Standortsignale sind jetzt entscheidend, um zu zeigen, dass hier nicht nur die perfekte Vergangenheit war, sondern auch Neues entstehen kann. ,Konsequent Handeln´, muss die Devise lauten. Wettbewerbsfähige Energiepreise, weniger erdrückende Bürokratie, schnelle Planungs- und Genehmigungsverfahren, ein wettbewerbsfähiges Steuer- und Abgabensystem, mehr Freihandelsabkommen – die Liste ist lang, die Aufgaben drängen."

Agile Batteriezellfertigung

Bei allen Negativmeldungen gab es auch das ein oder andere technologische Highlight, beispielsweise vom Karlsruher Institut für Technologie in puncto agile Batteriezellfertigung. Batteriezellen sind die treibende Kraft hinter der Elektrifizierung der Elektromobilität. Um in der kostengetriebenen Massenfertigung von Zellen wettbewerbsfähig zu agieren, wurde nun eine agile Batteriezellfertigung in der Karlsruher Forschungsfabrik des Instituts für Produktionstechnik am KIT eröffnet. Dank einer roboterbasierten Automatisierung haben die Forschenden vom KIT und des Unternehmens Exyte einen Flexibilitätsgrad erreicht, der bisher nur in der manuellen Zellfertigung realisierbar war.

Sichere Software-Entwicklung dank Rust

Open-Source-Software spielt in der Automobilindustrie eine immer wichtigere Rolle. Herkömmliche Programmiersprachen sind zwar leistungsfähig, stellen aber oft eine Herausforderung dar, wenn es darum geht, die strengen Sicherheitsanforderungen moderner Fahrzeuge zu erfüllen. Diese Herausforderungen ergeben sich aus der Komplexität der Verwaltung von Speicher und Nebenläufigkeit in der traditionellen Software-Entwicklung.Für eine sichere Software-Entwicklung im Automobilbereich setzt ETAS zukünftig auf Rust.

Auch Elektrobit unterstützt ab sofort mit seiner AUTOSAR-konformen Basissoftware EB tresos AutoCore die Programmiersprache Rust. Damit will das Unternehmen zu einer höheren Cybersecurity bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der funktionalen Sicherheit nach ASIL-D beitragen. (se)

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