Cybersecurity-Standard im Fahrzeug ab 2022 verpflichtend

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Cyberkriminelle hacken sich in ein fremdes Fahrzeug und übernehmen die Kontrolle: Laut einer Umfrage halten rund 70 Prozent der befragten Autofahrer dieses Szenario derzeit für sehr unwahrscheinlich. Damit die gefühlte auch der tatsächlichen Sicherheit entspricht, sollen ab Juni 2022 Cybersecurity-Regelungen in der EU gelten.

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Wie lassen sich vernetzte und automatisierte Fahrzeuge effektiv gegen Cyber-Attacken schützen? Dieser Frage geht die Taskforce Cybersecurity nach.
Wie lassen sich vernetzte und automatisierte Fahrzeuge effektiv gegen Cyber-Attacken schützen? Dieser Frage geht die Taskforce Cybersecurity nach.
(Bild: Clipdealer)

Vor 20 Jahren waren Autos in der Regel noch in sich geschlossene Systeme. Heute jedoch verfügen sie über eine Vielzahl an digitalen Schnittstellen zur Außenwelt, wie WLAN, Bluetooth oder LTE-Verbindungen zu den Herstellern. Auf dem Weg zum hochautomatisierten Fahren werden diese Schnittstellen durch Fahrerassistenzsysteme (Advanced Driver Assistance Systems, ADAS), Kameras und Sensoren noch in erheblichem Maße zunehmen und die ohnehin schon vorhandene Angriffsfläche für Cyberkriminelle entsprechend vergrößern.

Welche Folgen das haben kann, wenn es Hackern tatsächlich gelingen sollte ein Auto erfolgreich zu hacken, bewiesen die beiden US-amerikanischen Sicherheitsexperten Charlie Miller und Chris Valasek im Jahr 2015: Sie hackten sich aus der Ferne durch eine Sicherheitslücke im Infotainment-System in einen Jeep und erlangten Zugriff auf die Geschwindigkeitsregelung und die Bremsanlage. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatten nicht nur die Hersteller die Dringlichkeit in Sachen Cybersecurity im Automobil erkannt.

UNECE Informal Working Group – Taskforce Cybersecurity

Während die Hersteller ihre Sicherheitsmaßnahmen stetig intensivieren, arbeiten sie gemeinsam mit Politik, Industrie und unabhängigen Prüfdienstleistern an internationalen Cybersecurity-Regelungen und Standards für Straßenfahrzeuge, so auch in der UNECE Informal Working Group Taskforce Cybersecurity. Diese UN-Regelung Cybersecurity soll ab Juni 2022 für neue Fahrzeugtypen und ab Juli 2024 für alle neu zugelassenen Pkw, Lkw und Busse verpflichtend in der EU werden.

Jeder Fünfte glaubt, dass sein Auto bei einer Cyberattacke angegriffen werden könnte.
Jeder Fünfte glaubt, dass sein Auto bei einer Cyberattacke angegriffen werden könnte.
(Bild: TÜV Rheinland)

„Diese Vorschrift ist ein weiterer wichtiger Schritt für das sichere Fahren. Es verpflichtet alle Hersteller, das Thema Cybersecurity im gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs zu bedenken. Also von der Entwicklung auf dem Reißbrett bis hin zur Außerbetriebnahme eines Fahrzeugs“, erklärt Dr. Benedikt Westermann, Experte für Cybersecurity Testing bei TÜV Rheinland. Das Thema „Fahrzeuge und Transportinfrastruktur zunehmend im Visier von Cyberangriffen“ wird unter anderen in den Cybersecurity Trends 2020 von TÜV Rheinland behandelt.

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