Autonomes Fahren Chinesische Metropole erlaubt Pony.ai Lkw-Platooning-Tests

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Das Formationsfahren von Lkw könnte einige große Probleme der internationalen Logistikbranche lösen. In China darf nun Pony.ai in Guangzhou mit autonomen Trucks testen. Auch Didi sammelt schon fleißig Daten.

Platooning wird weltweit verprobt. In Deutschland haben MAN und die Deutsche Bahn hier schon getestet. In China unterstützt die Regierung nun Unternehmen wie Pony.ai mit Lizenzen. (Bild:  Deutsche Bahn AG)
Platooning wird weltweit verprobt. In Deutschland haben MAN und die Deutsche Bahn hier schon getestet. In China unterstützt die Regierung nun Unternehmen wie Pony.ai mit Lizenzen.
(Bild: Deutsche Bahn AG)

Flotten von autonomen Lkw dürfen ab sofort in der südchinesischen Stadt Guangzhou getestet werden. Das Startup Pony.ai, das in Kalifornien und in China operiert, hat gerade die erste Lizenz der südchinesischen Metropole für Platooning mit autonomen Trucks der Stufe L4 erhalten.

„Platooning“ bedeutet, dass ein autonom fahrender Lkw eine Kolonne von mehreren weiteren, fahrerlosen Zugwagen anführt (eine sogenannte 1+N-Strategie). Pony.ai gab den Erhalt der Lizenz auf einer Pressekonferenz und über sein offizielles WeChat-Konto bekannt.

Dem Hersteller zufolge bietet das System eine Reihe von Vorteilen: So könnten die Lkw dichter aufeinander folgen, als dies mit Fahrern möglich sei, weil die Bremswege der einzelnen Fahrzeuge koordiniert werden. Dieses Formationsfahren verringere darüber hinaus den Luftwiderstand, damit den Treibstoffverbrauch und so die Emissionen. Unfälle und Staus würden reduziert, so Pony.ai.

Fahrermangel kompensieren

Weniger stark wird ein Vorteil angepriesen, den diese Technologie aus der Sicht von Logistik-Unternehmen bietet: Es werden kaum noch Fernkraftfahrer gebraucht. An dieser Berufsgruppe mangelt es. Das macht sie teuer und in Europa und den USA ist sie gewöhnlich gewerkschaftlich gut organisiert.

Zunächst darf Pony.ai in Guangzhou fünf Lkw seiner Marke „Ponytron“ im realen Straßenverkehr testen. An der Herstellung der Trucks ist das Startup ebenfalls beteiligt. Im Juli hatte Pony.ai dazu ein Gemeinschaftsunternehmen mit Sany Heavy Truck gegründet, einem Tochterunternehmen von Sany Heavy Industry. Gerade wird die Fertigung von elektrischen und Diesel-getriebenen autonom fahrenden Lkws getestet. Ab nächstem Jahr sollen sie in Serie gefertigt werden.

Weltweit wird an vielen Orten mit autonomen Lkw und Platooning experimentiert. In Deutschland beispielsweise hatten MAN und DB Schenker schon 2019 einen mehrmonatigen Versuch auf der A9 zwischen München und Nürnberg durchführen dürfen. Allerdings verlief dies unter sehr streng begrenzten Testbedingungen.

Langwierige Genehmigungsverfahren

In Deutschland kommt man aufgrund von vielerlei rechtlichen Bedenken nicht so recht voran, zumal die erteilten Genehmigungen auch in den Nachbarländern und der gesamten EU gelten müssen. Das gestaltet ihre behördliche Ausarbeitung äußerst langwierig.

Auch in Singapur gibt es ähnliche Versuche. In den USA sind Pony.ai in jüngster Zeit mehrere bereits erteilte Testlizenzen wieder entzogen worden. In China hingegen haben die zuständigen Aufsichtsbehörden eine ganze Reihe von neuen Testgenehmigungen erteilt. Die Zentralregierung in Peking will damit die die heimische Industrie unterstützen.

Der Fahrdienstvermittler Didi, einer von mehreren ernsten Konkurrenten von Pony.ai auf dem chinesischen Markt, hat erst im vergangenen Monat eine Lizenz für Platooning-Tests auf der Stadtautobahn in der Nähe des neuen Pekinger Flughafens Daxing erhalten.

Didi, oft auch als „chinesisches Uber“ bezeichnet, lässt schon seit mehreren Jahren teilautonome Lkw durch den Nordosten Chinas rollen. Bei solchen ersten kommerziellen Einsätzen werden im großen Stil Testdaten gesammelt. Das ergänzt den umfassenden Datensatz der von Didi und Pony.ai betriebenen „Robotaxi“-Flotten in mehreren chinesischen Städten.

Bedarf in China liegt bei einer Millionen autonomer Lkw

Auch Pony.ai hat in der Provinz Guangdong schon eine Reihe von Tests mit autonom fahrenden Lkw durchführen dürfen. Allerdings verliefen diese bis jetzt noch nicht mit Platooning und mit „Level 4“, wo ein Sicherheitsoffizier im Cockpit nur noch in seltenen Notfällen selbst die Hand ans Steuer legen muss.

Chinas Industrieministerium und andere Behörden haben das enorme Marktpotenzial erkannt, dass weltweit für die Automatisierung der Massengut-Logistik besteht. Technologisch mögen Unternehmen in anderen Ländern führend sein, aber China handelt schnell. Die Regierung dürfte der heimischen Industrie durch die zügige Vergabe von Testlizenzen einen im internationalen Vergleich entscheidenden Vorteil bei der Kommerzialisierung der autonomen Lkw-Technologie verschaffen.

Weltweit explodiert unter anderem aufgrund des E-Commerce-Booms das Frachtaufkommen auf den Autobahnen und zwischen Häfen und Verteilungs-Hubs. Allein in China wird der Bedarf für autonome Lkw in den kommenden Jahren auf mehrere Millionen Stück geschätzt.

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