Personalkosten steigen deutlich Branchenverbands VDV zieht ÖPNV-Bilanz für 2025

Von Stefanie Eckardt 4 min Lesedauer

Im vergangenen Jahr 2025 haben nach Berechnungen des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen 9,86 Milliarden Fahrgäste den öffentlichen Personennahverkehr genutzt. Das entspricht einem Wachstum von 0,8 Prozent im Vergleich zu 2024. Doch der minimale Anstieg kann nicht über Probleme, wie eine schlechter werdende Infrastruktur, Personalmangel, Bürokratie oder Probleme bei der Fahrzeugneubeschaffung hinwegtäuschen.

Der ÖPNV konnte zwar 2025 ein leichtes Wachstum verzeichnen, aber die Probleme bleiben signifikant.(Bild:  frei lizensiert bei Pexels)
Der ÖPNV konnte zwar 2025 ein leichtes Wachstum verzeichnen, aber die Probleme bleiben signifikant.
(Bild: frei lizensiert bei Pexels)

„Steigende Fahrgastzahlen sind eine gute Nachricht. Es wäre mehr Wachstum möglich, wenn wir nicht durch den schlechter werdenden Zustand unserer Infrastrukturen, den Problemen bei der Beschaffung und Zulassung von Fahrzeugen sowie zu viel Bürokratie bei der Rekrutierung von neuem Personal an Qualität und Zuverlässigkeit verlieren würden. Das spüren auch unsere Kundinnen und Kunden. Wir sind daher mit dem Ergebnis des letzten Jahres nur in Teilen zufrieden. Unser Anspruch ist es, gute Mobilitätsangebote für möglichst viele Menschen zu liefern. Doch dafür braucht es die passenden politischen Rahmenbedingungen“, bewertet VDV-Präsident Ingo Wortmann die ÖPNV-Bilanz des vergangenen Jahres.

Fehlende Finanzmittel

Die passenden Rahmenbedingungen sollten eigentlich umgesetzt werden, wenn die die Bundesregierung den im Koalitionsvertrag angekündigten ÖPNV-Modernisierungspakt endlich angeht. Und auch bei der Weiterentwicklung des Regionalisierungsgesetzes gibt es noch keine erkennbaren Fortschritte. Der VDV hat dem Bundesverkehrsminister entsprechende Vorschläge unterbreitet. „Eine Realisierung des Modernisierungspakts lehnen das Bundesfinanz- und das Bundesverkehrsministerium bislang unter Hinweis auf fehlende zusätzliche Finanzmittel ab, da sie insbesondere finanzielle Forderungen der Länder und Kommunen befürchten. Die Leistungsfähigkeit des ÖPNV darf aber keine politische Verhandlungsmasse sein. Sie ist wesentlich für die täglich 24 Millionen Fahrgäste überall im Land, in den Ballungszentren und ländlichen Räumen. Uns ist bewusst, dass dabei alle Beteiligten ihren Beitrag leisten müssen. Die Verkehrsunternehmen und Verbünde stehen dafür bereit, um die notwendigen weiteren Maßnahmen zu ergreifen, die zu einer nachhaltigen Produktivitäts-, Effizienz und Qualitätssteigerung im deutschen ÖPNV führen, wenn dazu die notwendigen politischen Rahmenbedingungen geschaffen sind“, so Wortmann.

Vorgeschlagene Maßnahmen

Der Branchen- und Fachverband VDV sieht vor allem in der bereits begonnenen vierten Änderung des Gemeindesverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) einen geeigneten Hebel, um schnell mit konkreten Maßnahmen in den Modernisierungspakt zu starten. Das GVFG, so der VDV, sei eine Erfolgsgeschichte des Bundes zur direkten Förderung von ÖPNV-Modernisierung in den Kommunen. Es eigne sich daher sehr gut, um zum Ausganspunkt eines ÖPNV-Modernisierungsprogramms der aktuellen Bundesregierung zu werden. Der Verband schlägt im Kontext der GVFG-Änderungen folgende Maßnahmen vor:

  • Streichen des Enddatums 2030 sowie der Nachrangigkeit für die Förderung von Grunderneuerung von Verkehrswegen der Straßenbahnen, Hoch- und Untergrundbahnen sowie Bahnen besonderer Bauart und der Grunderneuerung von Verkehrswegen der nichtbundeseigenen Eisenbahnen,
  • Streichen des Enddatums 2030 sowie der Nachrangigkeit und von Vorhaben zum Erreichen von Klimazielen,
  • Förderung der Digitalisierung und Automatisierung von Verkehrswegen inklusive der On-Board-Units in den Fahrzeugen,
  • Förderung der Erneuerung und Ertüchtigung öffentlicher Schutzräume (nicht nur Neubau) – finanziert aus Mitteln des Bundesministeriums des Innern im Rahmen der Bereichsausnahme und damit nicht zulasten des Verkehrsetats,
  • Erhöhung der jährlichen Dynamisierungsrate von heute 1,8 Prozent und Kopplung an einen Kostenindex für Baupreise, um die steigenden Kosten für den Bau der Verkehrsinfrastruktur auszugleichen.

Preiserhöhung hat zunächst keine Auswirkungen auf Deutschland-Ticket

Genau ein Jahr nach der ersten Preiserhöhung wurde das Deutschland-Ticket zum 01.01.2026 erneut teurer. Die aktuelle Erhöhung von 58 auf jetzt 63 Euro pro Monat hat nach Angaben der Branche auch diesmal nicht zu einer Kündigungswelle geführt. Während die Kündigungsquote nach der Preiserhöhung 2025 bei rund acht Prozent lag, liegt sie mit aktuell 5,75 Prozent deutlich unter dem Vorjahreswert. „Wir sehen auch in diesem Jahr eindeutig keine Kündigungswelle durch die Preiserhöhung beim Deutschland-Ticket. Das ist gut und wichtig für die nach wie vor durch sinkende Ticketpreise angespannte Einnahmesituation der Branche. Es muss uns künftig gemeinsam mit Bund und Ländern gelingen, Stabilität bei der Gesamtfinanzierung des Deutschland-Tickets zu gewährleisten, damit wir die weiteren Potenziale dieses Angebots heben können. Dazu braucht es insgesamt eine auskömmliche Finanzierung aus den öffentlichen Haushalten, den bereits zwischen den Verkehrsministern vereinbarten Preisindex und die Weiterentwicklung einer bundesweiten, fairen Einnahmeaufteilung“, erklärt Wortmann. Insgesamt nutzten zum Jahresende 2025 rund 14,6 Millionen Menschen das Deutschland-Ticket. 74 Prozent davon waren Standard Deutschland-Tickets, 15 Prozent Jobtickets und 11 Prozent Semestertickets.

Personalkosten steigen deutlich

Auf der Kostenseite waren im letzten Jahr vor allem die erneut deutlich steigenden Personalkosten ein wesentlicher Faktor, der die Branche wirtschaftlich weiter unter Druck gesetzt hat. Im Vergleich zu anderen großen Kostenblöcken im ÖPNV, wie etwa Strom und Diesel, die zum Teil nur moderat gestiegen oder gar leicht gesunken sind, sind die Personalkosten innerhalb des letzten Jahres um 5 Prozent deutlich gestiegen. Gleichzeitig sinke aber Produktivität im Fahrdienst, also die Verfügbarkeit des Fahrpersonals. Das zeigten aktuelle Untersuchungen. Grund: „eine Reduzierung von tarifvertraglichen Arbeitszeiten und eine Steigerung der Abwesenheitszeiten“. (se)

(ID:50693090)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung