Testlizenz erhalten Autonomes Fahren: Zehn Teslas mit FSD-Autopilot auf dem Weg nach Shanghai

Von Henrik Bork * 3 min Lesedauer

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Tesla hat die erste Testlizenz für seinen Autopiloten FSD in China erhalten. Mit zunächst zehn Fahrzeugen darf der amerikanische Elektromobilhersteller seine Software im Bezirk „Nanhui New Town“ am Rand von Shanghai im Straßenverkehr testen, berichten lokale Medien unter Berufung auf dortige Beamte.

Tesla hat die erste Testlizenz für seinen Autopiloten FSD in China erhalten.(Bild:  Tesla)
Tesla hat die erste Testlizenz für seinen Autopiloten FSD in China erhalten.
(Bild: Tesla)

Mit dieser Testlizenz ist Elon Musk der Vermarktung seines Produktes im größten Automarkt der Erde einen wichtigen Schritt nähergekommen. Und das keinen Moment zu früh, denn chinesische Konkurrenten nutzen ähnliche ADAS-Fahrassistenz-Systeme immer erfolgreicher als Verkaufsargument.

Stufe 2 nach chinesischer Klassifikation

Full Self Driving (FSD) ist Teslas Fahrassistenz-Software. Sie ermöglicht automatisierte Fahrfunktionen bis zur Stufe 2 nach der chinesischen Klassifikation. Diese hat sechs Stufen von 0 bis 5, wo Fahrzeuge dann völlig autonom und ganz ohne Fahrer unterwegs sein können.

Bei Teslas FSD muss immer noch ein Fahrer im Cockpit sitzen und jederzeit eingreifen können. Es handelt sich um ein Assistenzsystem, das mit „partieller Automation“ Dinge wie die Fahrspur-Zentrierung, Abstandsregelung (ACC) und ähnliche Funktionen übernehmen kann.

Launch in China

Eine Quelle in der Stadtverwaltung von Shanghai bestätigte der chinesischen Wirtschaftszeitung Caixin vor wenigen Tagen, dass Tesla zehn Testfahrzeuge mit FSD auf die Straßen des Stadtbezirks Xinhui New Town schicken darf. Das ist gerade noch ein Teil von Shanghai ganz im Südosten der Stadt und nicht weit von der dortigen Tesla Gigafactory. Im April hatte Elon Musk überraschend Peking besucht und dort den chinesischen Ministerpräsidenten Li Qiang getroffen. Danach hatte es Gerüchte gegeben, denen zufolge der Launch von FSD in China noch in diesem Jahr erfolgen werde. „Es könnte schon sehr bald möglich sein,“ hatte Musk im April selbst auf X getwittert, als er dort nach dem Marktzugang für FSD in China gefragt worden war.

Anderen Medienberichten zufolge sollen auch in Hangzhou, der gut zwei Autostunden südwestlich von Shanghai gelegenen Millionenstadt am Westsee, schon bald FSD-Tests durchgeführt werden. Offizielle Bestätigungen für all diese Meldungen stehen allerdings noch aus.

Automatisiertes Fahren kommerzialisieren

Die Zulassung des Autopiloten ist wichtig für Tesla, wenn es in dem hart umkämpften Markt für chinesische E-Autos, die zunehmend mit Fahrassistenz hochgerüstet werden, weiterhin konkurrenzfähig bleiben will. Die chinesische Regierung beschleunigt seit dem vergangenen Jahr die Kommerzialisierung des autonomen Fahrens in China, vor allem, um ihrer heimischen Autoindustrie einen Wettbewerbsvorteil in dieser weltweit neuen Schlüsseltechnologie zu verschaffen.

Am 4. Juni hatten mehrere Ministerien in Peking neun chinesischen Autoherstellern Testlizenzen für das autonome Fahren der Stufe 3 in sieben chinesischen Großstädten erteilt, darunter etwa den Tesla-Konkurrenten BYD und SAIC, aber auch zwei Herstellern von Nutzfahrzeugen. Damit solle der Weg für „die weitere Kommerzialisierung fortgeschrittener, autonomer Fahrtechnologien“ geebnet werden, hatte das Industrieministerium in Peking erklärt, wie unser Schwestermedium Automobil Industrie berichtete.

Wettbewerb der Technologien

Diese chinesischen Unternehmen sind Tesla also mit Tests für Stufe 3 momentan eine ganze Stufe voraus auf dem Weg zum vollautonomen Fahren. Peking ist Tesla wohl gesonnen, dessen Autoproduktion in China von der kommunistischen Führung als gelungenes Beispiel für die wirtschaftliche Kooperation zwischen den USA und der Volksrepublik betrachtet wird. Dennoch sorgt Peking dafür, dass heimische Wettbewerber die besten Ausgangschancen haben, wenn gerade eine technologische Transformation ansteht.

Es ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar, wie schnell auch Teslas FSD in China auf Stufe 3 aufgerüstet werden könnte, obwohl es da in jüngster Zeit bei Tesla große technische Fortschritte gegeben haben soll.

Sobald FSD auf Chinas Straßen getestet wird, beginnt dort auch ein direkter Wettbewerb zwischen zwei technologischen Routen für das autonome Fahren. Anders als die meisten chinesischen und internationalen Hersteller, die sich auf eine Mischung aus Lidar-Sensoren, Millimeterwellen-Radar und Kameras stützen, verlässt sich FSD völlig auf „Computer Vision“ und Kameras.

Konkurrenzkampf nimmt zu

Nach erfolgreichen Tests kann Tesla beim chinesischen Industrieministerium MIIT die Erlaubnis für den Verkauf des Produktes beantragen. Sobald dann auch Tesla Autos mit fortgeschrittenen Autopiloten in China verkaufen darf, wird sich der Konkurrenzkampf auf dem dortigen Automarkt nach Ansicht von Marktbeobachtern noch weiter verschärfen. Vor allem deutsche und kleinere chinesische Hersteller werden noch stärker unter Druck geraten, ihre Auto-Software auf den neuesten Stand zu bringen. (se)

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* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.

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