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Automobilzulieferer: Kostenstrukturelle Probleme und bis zu ein Viertel weniger Umsatz

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Bereits 2019 endete die Umsatzrekorde-Rally der großen Automobilzulieferer. Ein echter Einbruch zeichnet sich aber erst 2020 ab, denn die Branche ist ungebremst in die Krise gefahren, offensichtlich ohne ausreichend vorbereitet zu sein. Wie wird es der Industrie nach der Corona-Krise ergehen?

(Bild: ©vege - stock.adobe.com)

Nach Jahren stabilen Wachstums erlebten die globalen Top-Zulieferer für die Automobilbranche 2019 einen Umsatzrückgang um 3%, während die weltweit größten Autohersteller im gleichen Jahr ihre Umsätze um 3% steigern konnten. Insgesamt setzten die globalen Zulieferer 2019 nur noch 893 Mrd. Euro um, im Vergleich zu 922 Mrd. Euro im Vorjahr 2018. Die Umsätze der deutschen Lieferanten sanken im vergangenen Jahr ebenfalls und erreichten mit 223 Mrd. Euro nicht das Vorjahresergebnis von 225 Mrd. Euro, wie eine aktuelle Automobilzulieferer-Studie zeigt.

Die Weltmarktanteile deutscher Zulieferer erhöhten sich hingegen leicht von 24% (2018) auf 25%. Doch abhängig vom weiteren Verlauf der COVID-19-Krise und ihren Auswirkungen auf den Automotive-Sektor werden für 2020 weitere Umsatzrückgänge für globale Zulieferer zwischen 13% (mildes Szenario) und 24% (schweres Szenario) prognostiziert.

Die aktuelle Krise wirkt wie ein Brennglas für kostenstrukturelle Probleme der Zuliefererindustrie. So sank etwa in Deutschland der Gewinnanteil am Umsatz von 6,3% (2018) auf 2,6% (2019), während andere Regionen im vergangenen Jahr zwar ebenfalls Rückgänge verzeichneten, aber ein höheres Niveau halten konnten (Americas: 5,0%; Europa ohne Deutschland: 7,4%; Asien: 4,8%). Gleichzeitig stieg der Anteil der Herstellungskosten am Umsatz in Deutschland von 77,9% auf 80,2%, und der Anteil der Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten (VVGK) am Umsatz erreichte 2019 mit 11,4% sogar einen globalen Spitzenwert.

„Nachdem die deutsche Zuliefererindustrie über mehrere Jahre hinweg ein kontinuierliches Wachstum gezeigt hat, wird nun deutlich, wie viele Unternehmen tatsächlich Restrukturierungsbedarf haben – der teilweise bereits einige Jahre überfällig ist. Nun ist umso mehr ein klarer Fokus auf Kostenexzellenz gefragt – einerseits, um die Margen zu steigern, aber andererseits auch, um die in den letzten Jahren rückläufige preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Zuliefererbranche wieder zu steigern. Vor allem bei der regionalen Beschaffung wurde Deutschland zuletzt immer unattraktiver“, erläutert Henning Rennert, Partner bei Strategy&.

Trotz der angespannten Kostenstruktur steigerten deutsche Zulieferer jedoch ihre F&E-Quote (Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung am Umsatz) weiter. 2016 bis 2019 gaben sie pro Jahr im Schnitt 14,8 Mrd. Euro für F&E-Projekte aus und investierten damit 5,9% ihres Umsatzes (Americas: 3,0%; Europa ohne Deutschland: 4,0%; Asien 3,9%). Trotz der hohen Investitionen konnten die deutschen Lieferanten ihre Forschungsprojekte allerdings nicht immer in Geschäft übersetzen und verfehlten in den letzten Jahren regelmäßig F&E-bezogene Umsatzziele.

Die Top-15 Automobilzulieferer in der DACH-Region, mit einem Automotive-Umsatzanteil von über 50 Prozent.
Die Top-15 Automobilzulieferer in der DACH-Region, mit einem Automotive-Umsatzanteil von über 50 Prozent.
(Bild: PwC)

„Selbstverständlich bleibt Innovation ein zentraler differenzierender Faktor für die Zuliefererbranche, doch sie ist kein Selbstzweck. Unternehmen müssen ihre F&E-Portfolios kritisch auf Umsatzpotenzial prüfen und unnötigen Ballast abwerfen. Ein Blick auf die frühen 2010er-Jahre zeigt, dass auch in Deutschland deutlich mehr Marge möglich ist, bei gleichzeitig niedrigeren Ausgaben für Forschung und Entwicklung“, kommentiert Henning Rennert. Alle Details der Automobilzulieferer-Studie können Sie hier nachlesen.

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