Interview Otmar Rauchensteiner, Dräxlmaier Group „Automobilhersteller zeigen großes Interesse an neuer Bedienoberfläche“

Das Gespräch führte Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 4 min Lesedauer

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LED-Technik im Interieur: Kapazitive Touchflächen bieten neben dem haptischen auch ein optisches Feedback und sind unter Leder, Kunstleder, Stoff oder Kunststoff verborgen. Licht, Touch, Krafterkennung und haptisches Feedback werden von einem Controller gesteuert.

Beleuchtung und Touch-Bedienung: Black Panel integriert eine beleuchtete Bedienung unter einer harten Oberfläche.(Bild:  Dräxlmaier)
Beleuchtung und Touch-Bedienung: Black Panel integriert eine beleuchtete Bedienung unter einer harten Oberfläche.
(Bild: Dräxlmaier)

Mit Licht lassen sich Stimmungen im Fahrzeug erzeugen und vor allem Funktionen und Informationen visuell darstellen. Mit dem Konzept „Seamless Touch“ integriert die Dräxlmaier Group nicht nur die LED-Technik direkt in das jeweilige Interieurbauteil. An gleicher Stelle wird auch eine Touch-Bedienung realisiert. So wird das Licht direkt mit einer Bedienfunktion gekoppelt.

Otmar Rauchensteiner, verantwortlich für die Interieur-Entwicklung bei der Dräxlmaier Group, gibt einen Überblick über das Konzept „Seamless Touch", wie es sich an Oberflächen und Materialien anpassen lässt und wann die ersten Fahrzeuge serienmäßig mit der neuen Touch-Funktion ausgestattet sein könnten.

Herr Rauchensteiner, wie funktioniert die Integration von Licht und Touchbedienung in einem Element?

Otmar Rauchensteiner ist für die Interieur-Entwicklung bei der Dräxlmaier Group verantwortlich. „Die Ansteuerung von Licht, Touch, Krafterkennung und haptischem Feedback erfolgt über einen einzigen Controller, der minimale Latenzzeiten ermöglicht.“(Bild:  Dräxlmaier)
Otmar Rauchensteiner ist für die Interieur-Entwicklung bei der Dräxlmaier Group verantwortlich. „Die Ansteuerung von Licht, Touch, Krafterkennung und haptischem Feedback erfolgt über einen einzigen Controller, der minimale Latenzzeiten ermöglicht.“
(Bild: Dräxlmaier)

Beim Konzept „Seamless Touch“ integriert die Dräxlmaier Group nicht nur die LED-Technik direkt in das jeweilige Interieurbauteil. An gleicher Stelle wird auch eine Touch-Bedienung implementiert. Somit ist das Licht direkt mit einer Bedienfunktion gekoppelt. Konkret wird eine semitransparente Sensorfolie unter der Oberfläche angebracht. Hinter der Folie befinden sich LEDs und Lichtleiter, die für das jeweils gewünschte Lichtszenario sorgen. Auf der Rückseite ist eine funktionale PET-Folie mit aufgedruckten Leiterbahnen aufgebracht. Alle Bedienelemente werden ausschließlich über die LEDs dargestellt, physische Knöpfe oder ähnliches sind nicht mehr notwendig.

Mit Licht lassen sich nicht nur die nahtlos integrierten kapazitiven Touchflächen schneller finden. Dank des Konzepts ist es möglich, neben der haptischen auch eine optische Rückmeldung bei Betätigung zu bekommen. Bei Dräxlmaier werden die Schalterflächen unter Leder-, Kunstleder-, Stoff- und Kunststoffoberflächen integriert. Das Licht dient zur Hinterleuchtung der Schalter durch entsprechende Symbole oder als Konturbeleuchtung. Den Oberflächen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu: Transparente, transluzente oder perforierte Oberflächenmaterialien sorgen dafür, dass das Licht an die Oberfläche gelangt. Die Ansteuerung von Licht, Touch, Krafterkennung und haptischem Feedback erfolgt über einen einzigen Controller, der minimale Latenzzeiten ermöglicht.

Wie werden die Anforderungen der Licht- und Touchbedienung in der Systemarchitektur des Fahrzeugs in Einklang gebracht?

Der Austausch der Informationen der Touchbedieneinheit wird über eine CAN-Schnittstelle an das System des Fahrzeuges übergeben. Da alle Funktionalitäten in einem Controller vereint sind, wird die erforderliche Kommunikation mit dem Fahrzeug auf ein Minimum reduziert, da die Signalverarbeitung und die Signalauswertung bereits in der Touchbedieneinheit erfolgt.

Wie werden Kraftsensoren eingesetzt, um eine sichere und intuitive Bedienung zu ermöglichen?

Neben der kapazitiven Sensorik stellt die Kraftsensorik eine redundante Erfassung der Benutzereingabe dar. Dies bedeutet, dass die Signale robuster und eindeutiger ausgewertet werden können und somit die Benutzereingaben korrekt erkannt und Fehlbedienungen werden vermieden, die beispielsweise durch unbewusste, flüchtige Berührungen erfolgen können.

Wie lässt sich Seamless Touch an unterschiedliche Oberflächen und Materialien anpassen?

Man unterscheidet zwischen der Integration in harte und weiche Oberflächen. Die Sensorfläche kann mit verschiedenen Oberflächenmaterialien kaschiert werden. Die Anpassung der Sensitivität der Touchoberfläche an das jeweilige Material und die entsprechende Schichtdicke erfolgt durch eine entsprechend ausgelegte Sensorgeometrie und Parametrierung der Software.

Die Impulsstärke des haptischen Feedbacks wird an die unterschiedlichen Schichtaufbauten angepasst. Im Rahmen der Entwicklung konnte hierzu in zahlreichen Materialtests eine fundierte Expertise zu unterschiedlichen Schichtaufbauten gewonnen werden.

Wenn in Zukunft keine mechanischen Schalter und Knöpfe mehr im Fahrzeug verbaut werden, wie kann dann die Funktionssicherheit gewährleistet werden?

Auch physisch vorhandene Schalter arbeiten in aktuellen Fahrzeugen nicht rein mechanisch, sondern benötigen für ihre jeweilige Funktion die im Hintergrund arbeitende Architektur aus Strom- und Datenleitungen. Seamless Touch hingegen bietet durch die Kombination von Kraftsensorik und kapazitiver Sensorik eine Redundanz, die die Funktionssicherheit gegenüber etablierten Bedienelementen sogar verbessert.

Können Sie schon etwas über die Resonanz der Automobilhersteller sagen?

Aktuell beobachten wir ein starkes Kundeninteresse bei Seamless Touch. Vor allem im Premiumsegment eröffnen hinterleuchtete Touchflächen völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten im Fahrzeuginnenraum. Sie ermöglichen eine gezielte Zuordnung von Funktionalitäten zu einzelnen Bedienelementen, ohne den Fahrzeuginnenraum mit permanent sichtbaren Schaltelementen zu überfrachten.

In Kombination mit Näherungssensorik oder situativen Algorithmen sind die Seamless-Touchflächen nur bei Bedarf sichtbar. Damit rückt das Designkonzept des Interieurs in den Mittelpunkt. Die Bedienelemente bleiben dagegen im Hintergrund und rücken nur in dem vom OEM definierten Fall in den Fokus. Gleichzeitig bietet die Visualisierung des Bedienelements durch Licht deutlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten als ein physischer Schalter. Damit kommt Seamless Touch dem stetig wachsenden Kundenwunsch nach mehr Vielfalt im Fahrzeuginnenraum perfekt entgegen.

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Wann kann Seamless Touch serienmäßig in Fahrzeuge integriert werden?

Vor allem in Verbindung mit harten Oberflächen sind bereits erste Lösungen zur Integration von Licht und Touchbedienung in einem Bauteil auf dem Markt. Einige davon sind auch bereits in Konzeptfahrzeugen realisiert. Es ist daher zu erwarten, dass die Konzepte in absehbarer Zeit in Serienfahrzeugen zu finden sein werden. Das durchweg große Interesse der Premium-Automobilhersteller – insbesondere auch an der Integration von Licht und Touchbedienung unter weichen Oberflächen – untermauert das.

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