Off-Road-Anwendungen Agritechnica 2025: Zukunftsfähige und nachhaltige Landwirtschaft im Fokus

Von Stefanie Eckardt 7 min Lesedauer

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Mit der Agritechnica hatte vom 9. bis 15. November 2025 die weltgrößte Landtechnikmesse in Hannover wieder ihre Pforten geöffnet. Die Messe setzte es sich zur Aufgabe, neue Impulse für die Herausforderungen in der Landwirtschaft zu geben. Im Fokus standen automatisierte und elektrifizierte Lösungen.

1985 fand die erste Agritechnica – Internationale DLG-Fachausstellung für Agrartechnik mit Zubehör und Ersatzteilwesen noch in Frankfurt am Main statt. Seit 1995 ist sie in Hannover zu Hause.(Bild:  Stefanie Eckardt)
1985 fand die erste Agritechnica – Internationale DLG-Fachausstellung für Agrartechnik mit Zubehör und Ersatzteilwesen noch in Frankfurt am Main statt. Seit 1995 ist sie in Hannover zu Hause.
(Bild: Stefanie Eckardt)

Die Landwirtschaft spielt für die Zukunft des Lebens eine herausragende Rolle. Bis zum Jahr 2050 wird die Weltbevölkerung von auf fast zehn Milliarden wachsen. Diese Menschen zu ernähren ist bereits für sich genommen eine gewaltige Aufgabe. Allerdings muss sie mit enormen Herausforderungen kämpfen, wie den fortschreitenden Klimawandel und die Bedrohung der Artenvielfalt. Neben den ökologischen Herausforderungen spielen auch wirtschaftliche und soziale Faktoren, wie fehlende Fachkräfte oder Kostendruck, eine wichtige Rolle. Technische Lösungen können zur Bewältigung dieser Herausforderungen eine Hilfestellung bieten und hier setzt die Agritechnica an.

2.849 Aussteller aus 52 Ländern sowie rund 476.000 Fachbesucher aus 171 Ländern machten die Veranstaltung zu einem internationalen Branchentreffen. Doch was wurde genau geboten?

Zulieferindustrie

Der seit 18. September 2025 unabhängige Continental-Teil Aumovio feierte sein Debüt auf der Agritechnica und stellte dabei sichere, vernetzte und autonome Mobilitätslösungen vor, die auf die sich wandelnden Anforderungen der Landwirtschaft zugeschnitten sind. Diese reichen von autonomen Aussaatrobotern über KI-gestützte Pflanzenerkennung bis hin zu immersiven Cockpitlösungen und schlüssellosen Zugangssystemen.

Agritechnica 2025
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Das KI-Unkrauterkennungssystem, das jetzt als Software-Modul verfügbar ist, nutzt künstliche Intelligenz für moderne Pflanzenerkennung. Die Lösung verarbeitet optische Sensordaten in Echtzeit und ermöglicht eine präzise Unkrautbekämpfung, ohne die Maschinenleistung oder Effizienz zu beeinträchtigen. Dank adaptiver Algorithmen kann das System durch Software-Updates und Training kontinuierlich verbessert und an neue Unkrautarten, Pflanzenvarianten und regionale Bedingungen angepasst werden.

Darüber hinaus arbeitet der Zulieferer daran, die Sicherheit von Off-Highway-Anwendungen und Nutzfahrzeugen zu verbessern. Mit ProViu 360 Gen 3 stellt das Unternehmen ein Rundumsichtsystem vor. Durch die Zusammenführung von vier Kamerabildern entsteht eine Vogelperspektive, die tote Winkel minimiert und die Sicht auf Personen und Objekte in der Fahrzeugumgebung deutlich verbessert. Die dynamische 3D-Rundumsicht ermöglicht es den Nutzern, das Fahrzeug intuitiv per Touch-Gesten zu navigieren und bietet verschiedene Ansichtsmodi für eine optimierte Situationswahrnehmung. Das System kann mit Ultraschallsensoren von Aumovio erweitert werden.

Nach Hannover hat ZF mit dem eTerradrive eine vollelektrische Antriebslösung für Traktoren bis 100 kW. Das System kombiniert Fahrantrieb, Power Take-Offs sowie Hubwerk in einer kompakten Einheit, speziell konzipiert für batterieelektrische Fahrzeugarchitekturen. Besonderheit: Traktion, PTO und Hydraulik sind erstmals vollständig elektrisch integriert.

Bei der Entwicklung hat der Zulieferer insbesondere eine kompakte Bauweise im Auge gehabt, was wiederum über verschiedene Fahrzeugplattformen und Spurweiten hinweg eine hohe Einbauflexibilität gewährleistet. Seine modulare und kompakte Architektur bietet eine breite Anwendbarkeit – von Schmalspur-Anwendungen bis hin zu kommunalen und traditionellen landwirtschaftlichen Anwendungen.

Zudem ist das System vollständig kompatibel mit den heutigen Traktor-Anbaugeräte-Schnittstellen, was wiederum die Integration in bestehende Maschinenkonzepte deutlich vereinfacht.

Die elektronische Steuerungsarchitektur wurde um eine separate Steuereinheit (eDCU) ergänzt, die mit den bestehenden Steuergeräten (TCU, VDC) kommuniziert. Zusätzlich wurden sicherheitsrelevante Funktionen integriert, um die im Off-Highway-Bereich gültigen Hochvolt-Anforderungen zu erfüllen.

Rund ein Jahr nach der Verschmelzung mit Vitesco zeigte Schaeffler ein kombiniertes Angebot für die zukünftige Landwirtschaft. Dazu zählen beispielsweise effiziente Elektromotoren für Fahrantriebe und Nebenaggregate in der Landwirtschaft, wie die modulare 800-V-Elektromotorenbaureihe als Traktionsantrieb und Generator für diverse Fahrzeugtypen und Anwendungen. Die 800-V-Heavy-Duty-Plattform besteht aus drei ölgekühlten Motoren mit je 112 kW, 207 kW und 220 kW Dauerleistung. Sie unterscheiden sich lediglich durch die Aktivteillänge, während die A- und B-Seiten der Motoren jeweils identisch sind. Beim Wickeln des Stators setzt Schaeffler auf die „Wave-Winding-Technologie“. Diese Flachdraht-Wellenwicklung ermöglicht einen hohen Kupferfüllfaktor im Motor und führt zu einer hohen Leistungsdichte. Mit diesem besonderen Merkmal entsteht ein sehr kompakter und auf Dauerleistung optimierter Motor.

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Aufgrund ihres konstruktiven Aufbaus erreichen die neuen E-Motoren nach Herstelleraussagen Wirkungsgrade von über 97 Prozent in einem Drehzahlbereich von 3.000 bis 8.000 min-1. Mit einer Gesamtlänge von 151, 206 und 261 mm bei einem einheitlichen Außendurchmesser von rund 239 mm bzw. 280 mm beanspruchen die Motoren so wenig Bauraum wie möglich.

Präzision und Automatisierung als Schlüssel

Mehr Effizienz, Präzision und Automatisierung sind die Schlüssel zu grüner Produktivität. Daher hatte dSpace entsprechende Lösungen, wie RTMaps und Aurelion mit nach Hannover gebracht. Diese ermöglichen präzise Echtzeit-Simulation und Steuerung von Sprühvorgängen unter Berücksichtigung von Umwelteinflüssen. Scalexio wiederum bietet eine HiL-Testumgebung zur realitätsnahen Modellierung und Validierung zentraler Sprayer-Funktionen wie Düsensteuerung. ADAS HiL mit Aurelion simuliert realistische Umgebungen und Bodenbedingungen für die Validierung autonomer Fahrzeuge und Roboter.

Das Deggendorfer Unternehmen b-plus hatte seine Software-Lösung b-Isobus-Stack im Gepäck. Damit wird eine standardisierte, Hardware-unabhängige Kommunikation zwischen Traktor und Anbaugerät über Isobus möglich. b-Isobus-Stack ist eine in C programmierte Software-Bibliothek, die b-plus in neue und bestehende Projekte auf Steuergeräten integrieren kann. Sie entspricht der Norm ISO 11783-6 für Version 4 Working Sets (Virtual Terminal Client) und ISO 11783-10 TaskController Client. Der Stack ist ISO25119-konform. Das Unternehmen bietet sowohl Design-In-Support als auch die vollständige Integration in die jeweilige Anwendung.

Autonome und elektrifizierte Lösungen

John Deere zeigt den 9RX Traktor, der über das neue Autonomiepaket verfügt. Das weiterentwickelte System mit 16 Einzelkameras für eine 360-Grad-Rundumsicht berechnet die Arbeitstiefe auch auf größere Distanzen präziser wodurch der Traktor größere Anbaugeräte ziehen und mit höherer Geschwindigkeit arbeiten kann. Die Autonomiestrategie von John Deere basiert auf einer mehrschichtigen Technologieplattform, die mit grundlegenden Technologien wie AutoTrac, JDLink und G5-Displays beginnt und sich über Lenksysteme, präzise Aussaat-Technologie hin zu Fernüberwachung der Maschinen und Feldarbeiten weiterentwickelt. Landwirte, die autonom arbeitende Systeme einsetzen möchten, starten mit der Digitalisierung ihres Betriebes, das heißt sie legen beispielsweise Feldgrenzen fest und planen Arbeitsabläufe digital. Mit der Vernetzung des gesamten landwirtschaftlichen Betriebs erhalten sie Echtzeit-Einblicke in Maschinenleistung, Arbeitsqualität und agronomische Daten. Diese Fähigkeiten bilden die notwendige Grundlage für den Schritt zum Einsatz autonom arbeitender Maschinenlösungen, mit denen der Landwirt die Prozesse aus der Ferne überwacht und steuert.

Darüber hinaus war auch ein breites Portfolio alternativer Antriebslösungen zu sehen – von Biokraftstoffen über regenerative Dieselkraftstoffe bis zur Elektrifizierung. Die technologieoffene Strategie ermöglicht Landwirten und Lohnunternehmern bedarfsgerechte, emissionsarme bis emissionsfreie Optionen. Ein Highlight auf dem John Deere Stand war der vollelektrische E-Power Traktor-Prototyp mit bis zu fünf Kreisel-Batterien, 130 PS und voller Anbaugerätekompatibilität.

Claas stellte als Weltpremiere seine neuen Großtraktorenbaureihen Axion 9 vor. Die fünf Rad- und zwei Terra Trac Raupentraktoren sollen vor allem Akzente bei Komfort, Automatisierung und Konnektivität setzen. Sie decken einen Leistungsbereich von 330 bis 450 PS ab und zeichnen sich durch eine neue, auf maximal 66 db(A) geräuschreduzierte Kabine mit 3 Kubikmetern Raumvolumen und neuem Cebis connect Terminal, ein neues Antriebsstrangmanagement, effiziente Motoren und eine leistungsstarke Hydraulik aus. Darüber hinaus ist mit der AgXeed Vehicle Control Unit (VCU) der vollautomatisierte Einsatz mit vorgeplanten Arbeitsaufträgen nach Autonomy Level 2 möglich.

Die neue Serie setzt auch im Bereich der stufenlos-leistungsverzweigten Antriebs auf bewährte, ausgereifte Hardware. Das elektronische Antriebsstrangmanagement wurde dagegen komplett neu entwickelt. Fahrer können mit dem neuen Fahrregler sanft zwischen den Fahrtrichtungen, aber auch ohne Drehzahl- und Geschwindigkeitsveränderungen zwischen Pedalmodus, Joystickmodus und PTO-Modus wechseln. In jedem Fahrmodus ist jederzeit unterbrechungsfrei ein Übersteuern durch das Fahrpedal oder den CMOTION möglich – für echtes stufenloses Fahren auf höchstem Niveau.

Darüber hinaus punkten die Fahrzeuge mit der Auto Load Anticipation Funktion, die Motordrehzahlen und Getriebeübersetzung kontinuierlich und vorausschauend auf Basis eines lernfähigen Algorithmus‘ sowie verschiedener Wirkungsgradkennfelder für Motor, Stufenlosgetriebe, Hydraulik und Nebenaggregate optimiert. Auto Load Anticipation erkennt Lastsprünge – zum Beispiel beim Absenken eines Anbaugeräts in den Boden – bereits im Voraus und hebt die Motordrehzahl vorausschauend an, bevor der Lastsprung einsetzt. So bleibt das Fahrverhalten auch bei dynamischen Wechseln stabil und Drehzahleinbrüche werden vermieden. Weitere Funktionen regeln Motordrehzahl und Getriebeübersetzung in Abhängigkeit von Last, Fahrgeschwindigkeit und Hydraulikbedarf. Dadurch wird die benötige Leistung unter allen Einsatzbedingungen bei minimalem Kraftstoffverbrauch bereitgestellt.

Bei Agrifac feierten neue selbstfahrende Feldspritzen ihre Weltpremiere. Erstmals können Messebesucher drei völlig neue Maschinen erleben. So präsentierte das Unternehmen neben der Endurance 80 mit dem Kamerasystem AiCPlus die Vanguard 67 Clearance mit HighTechAirPlus sowie die Vanguard 55 Widetrack mit einem Spritzgestänge mit AirFlowPlus-Luftunterstützung.

Die Modelle verfügen über die neue Claas X11-Kabine und das EcoTronicPlus 3-Steuerungssystem. Die Vanguard 67 bietet die ideale Balance zwischen Kapazität und Manövrierfähigkeit. Sie weist einen 6.700 l fassenden Haupttank, einem Radstand von 3,6 m und einem Motor mit 325 PS auf. Die kompakte Vanguard 55 kombiniert einen 5.500 l fassenden Haupttank mit einer geräumigen Plattform und eignet sich so für unterschiedliche Einsätze. Wie die Vanguard 67 kann auch die Vanguard 55 mit Reifen mit einem Durchmesser von bis zu 2,2 m ausgestattet werden. Die neue Generation dieser Feldspritzen ist mit Spritzgestängen von 24–55 m Länge erhältlich, die je nach Modell in 3 oder 4 Abschnitten eingeklappt werden können. Darüber hinaus kann jede Maschine mit dem Agrifac AirFlowPlus-Gestänge ausgestattet werden.

Nur einige Beispiele, die die wichtige Rolle der Agritechnica für Landwirtschaft und Landtechnik verdeutlichen. Die nächste Messe findet vom 14. bis 20. November 2027 statt. (se)

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