Unternehmensstruktur neu ausrichten ZF plant Gründung von Standortverbünden

Von Stefanie Eckardt 3 min Lesedauer

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ZF Friedrichshafen will seine Unternehmensstrukturen neu ausrichten. Der Automobilzulieferer will die Bereiche Nutzfahrzeugtechnik, Chassis Solutions, Industrietechnik und Aftermarket stärken. Im Rahmen dessen plant das Unternehmen, die deutschen Standorte zu mehreren Standortverbünden zusammenzuführen. Dabei soll auch die Zahl der Beschäftigten in Deutschland bis Ende 2028 reduziert werden.

ZF plant, seine deutschen Standorte effizienter aufzustellen und zu mehreren Standortverbünden zusammenzuführen.(Bild:  ZF Friedrichshafen)
ZF plant, seine deutschen Standorte effizienter aufzustellen und zu mehreren Standortverbünden zusammenzuführen.
(Bild: ZF Friedrichshafen)

„Unsere unternehmerische Verantwortung ist, ZF zukunftsfähig auszurichten und die Standorte in Deutschland so weiterzuentwickeln, dass sie nachhaltig wettbewerbsfähig und solide aufgestellt sind. Uns ist bewusst, dass wir dazu auch schwierige, aber notwendige Entscheidungen treffen müssen. Dabei wollen wir bestmögliche Lösungen für alle Beteiligten finden“, erklärt Dr. Holger Klein, Vorstandsvorsitzender von ZF. Mit der jetzt geplanten, notwendigen Standortkonsolidierung in Deutschland führt das Unternehmen den Grundgedanken des im Jahr 2020 geschlossenen Tarifvertrags Transformation fort, der die Analyse der einzelnen Standorte und der dort gefertigten Produkte sowie die Erarbeitung von Zielbildern vorsah. Sie basieren auf dem Grundgedanken, die Standorte wettbewerbsfähiger und flexibler zu machen, die Personalplanung konsequent am zu erwartenden Bedarf zu orientieren und auf Produkte zu fokussieren, die die Standorte möglichst langfristig absichern. Sollte sich herausstellen, dass für einzelne Standorte keine langfristige Perspektive gefunden oder deren Wettbewerbsfähigkeit nicht dauerhaft verbessert werden kann, ist auch – darauf hat ZF wiederholt hingewiesen – eine Restrukturierung oder Schließung möglich.

Leistungsfähiges Produktionsnetzwerk

Die Friedrichshafener wollen daher zum einen ein leistungsfähiges Produktionsnetzwerk schaffen und zum anderen die Forschungs- und Entwicklungsbereiche optimieren. Dazu zählt auch, dass man die Kapazitäten an die weiterhin erwartbar schwächere Marktnachfrage anpassen wird. Durch die neue Standortverbundstruktur in Deutschland und die gleichzeitige Anpassung der Kapazitäten in den Produktions- wie auch den Verwaltungsbereichen sowie in der Forschung und Entwicklung soll die Zahl der Beschäftigten in Deutschland von derzeit rund 54.000 bis 2028 um 11.000 bis 14.000 reduziert werden, abhängig von der weiteren Entwicklung der Märkte und der Rahmenbedingungen am jeweiligen Standort. In welchem Umfang Reduzierungen an den Standorten vorgesehen sind, wird das Unternehmen demnächst konkretisieren. Die Reduzierung soll – wenn möglich – sozialverträglich geschehen, indem ZF die demografische Struktur der Belegschaft und die Fluktuation nutzt. Ein höherer Automatisierungsgrad und die konsequente Nutzung der Digitalisierung sollen ebenfalls zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit beitragen.

Schwachen Marktentwicklung für Elektrofahrzeuge

In den Fokus der Neuausrichtung rückt vor allem die Division Elektrifizierte Antriebstechnologien. Im Marktsegment der Pkw-Antriebe herrscht global ein hoher Wettbewerbs- und Kostendruck, was die Querfinanzierung der oft noch wenig Margen-starken rein elektrischen Antriebe durch Antriebe für konventionelle und Hybridfahrzeuge erschwert. Durch den Wandel hin zur Elektromobilität werden zudem die Volumina an Getrieben für konventionelle und Hybridfahrzeuge rückläufig sein. Auch diese Entwicklung gilt es in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen. Hinzu kommt die derzeit schwache Nachfrage nach rein elektrischen Fahrzeugen, die zu Überkapazitäten in den mit hohen Investitionen eingerichteten Produktionslinien für elektrische Antriebe führt.

In Anbetracht dieser Faktoren wird ZF in der Division Elektrifizierte Antriebstechnologien die Abläufe, Prozesse und Strukturen mit besonderem Fokus überprüfen und verbessern. „Trotz der aktuellen Marktsituation ist klar: Der Elektromobilität gehört die Zukunft. Wir sind hier in Vorleistung gegangen und werden in diesen Bereich auch weiterhin stark investieren“, erläutert Klein. Die veränderte Marktperspektive und der hohe Wettbewerbsdruck für elektrifizierte Antriebstechnologien erfordern jedoch auch die Offenheit für Kooperationen und starke Partnerschaften. „Zusätzlich zu unserem eigenen Engagement – weiter in der E-Mobilität vorankommen – gilt es auch diese Optionen zu prüfen.“

Ernste Lage

„Der Ernst der Lage verlangt nach entschiedenem Handeln, um das Unternehmen an das verschärfte Markt- und Wettbewerbsumfeld anzupassen und dem Stiftungsauftrag der Zukunftssicherung nachzukommen“, betont Klein. „Den robusten Kern von ZF wollen wir weiter stärken. Auch deshalb arbeiten wir an einer agileren Aufstellung des Unternehmens, um besser auf die schnellen Marktveränderungen reagieren zu können. Mit den nun beschlossenen Maßnahmen wollen wir unsere Wettbewerbsfähigkeit stärken und unsere Position als eines der weltweit führenden Zulieferunternehmen festigen.“  (se)

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