Der norwegische Marktführer im Bereich Ladelösungen Zaptec will auch hierzulande wachsen. Deutschland-Chef Daniel Gwercher spricht über geringere Förderungen, das Flottengeschäft und dynamisches Lastmanagement.
Zaptec ist in Norwegen schon führender Ladelösungsanbieter. Hierzulande wollen sie ebenfalls wachsen.
(Bild: Zaptec)
Herr Gwercher, wo liegen die Ursprünge von Zaptec?
Zaptec wurde 2012 in Norwegen gegründet und hat anfangs Hochleistungselektronik für Ölbohrplattformen produziert. Dann kam der Wandel – durch eine Kooperation mit Renault konnten wir erstmals im Bereich Elektromobilität Erfahrungen sammeln. Mittlerweile sind wir der führende Anbieter für Ladelösungen in Norwegen und fokussieren uns ganz auf nachhaltige Mobilität. Ich selbst arbeite nun seit dem letzten Jahr bei Zaptec.
Wie äußert sich der oft zitierte „Vorsprung“ von Norwegen bei der Elektromobilität?
Die Entwicklungen, die wir jetzt in Deutschland rund um die Digitalisierung und den Ausbau unserer Stromnetze sehen, haben in Norwegen deutlich früher eingesetzt. Im letzten Jahr waren 80 Prozent der Neuzulassungen in Norwegen EVs. Die Elektromobilität hat also hier bereits so weit Fuß gefasst, dass Norwegen den gesamten Transportsektor samt Schiene und Schifffahrt elektrifiziert. Ein wichtiger Aspekt sind zudem die dynamischen Strompreise, die langsam auch in Deutschland zum Alltag gehören: Je nach Tageszeit und Verfügbarkeit der erneuerbaren Energien ist der Strom besonders günstig. Diese Preisschwankungen geben die Stromanbieter an die Verbraucher weiter. Dafür braucht es ein Smart Meter, dass die aktuellen Strompreise an das Smart Home kommuniziert.
Daniel Gwercher ist seit November 2022 für das Deutschlandgeschäft von Zaptec zuständig.
(Bild: Zaptec)
Wieso hinkt Deutschland als Automobilnation bei der Elektromobilität hinterher?
Wir sehen natürlich Fortschritte auf dem deutschen Markt, aber im Vergleich zu anderen Ländern hat Deutschland tatsächlich einiges aufzuholen. Generell wird viel darüber diskutiert, ob man erst mehr Ladeinfrastruktur oder mehr E-Autos braucht. Anstatt beides tatsächlich voranzutreiben, lähmt diese Debatte das Vorankommen. Es gibt gerade im Bereich Ladeinfrastruktur noch viel ungenutztes Potenzial.
Wie attraktiv ist für Sie das B2B-Geschäft, wenn durch geringere Förderung der B2C-Markt nicht mehr so konstant wächst?
Natürlich hat der Wegfall der KfW-Förderung für Ladelösungen Auswirkungen auf die ganze Industrie, dennoch steigen die Zulassungen von Elektroautos stetig, auch ohne eben diese Förderung. Das bedeutet auch, dass das Bewusstsein für eine nachhaltige Mobilität in allen Bevölkerungsschichten steigt – auch bei Entscheidern im Flottenmanagement. Denn der Anteil an neu zugelassenen elektrischen Dienstwagen übertrifft den der privaten Zulassungen. Daher stellen wir unser Portfolio breit auf und bieten mit der Zaptec Pro ab sofort eine MID-konforme Lösung an, die optimal für das Laden im semi-öffentlichen Bereich ausgelegt ist. Gerade in diesem Bereich fehlt es noch oft an Ladelösungen, um mehrere Fahrzeuge gleichzeitig laden zu können. Das ist jedoch mit einem Lastmanagement schon heute problemlos möglich.
Können Sie das genauer erklären? Wieso ist das Lastmanagement entscheidend, um mehr Ladepunkte zu installieren?
Ein dynamisches Lastmanagement ermöglicht in großen Immobilien oder auf Unternehmensparkflächen eine skalierbare Ladeinfrastruktur mit hohen Ladeleistungen. Es weiß, wie viel Strom zur Verfügung steht und verteilt ihn optimal auf alle installierten Ladelösungen. So erhalten alle angeschlossenen Elektrofahrzeuge eine hohe Ladeleistung, ohne dass Investitionen in die Erweiterung des Netzanschlusses oder einen Transformator notwendig sind.
Ladeleistung: Ist das nicht bei deutschen Kunden ein entscheidender Punkt?
Das stimmt. In Deutschland sprechen wir gerne und oft von der Reichweitenangst. Die deutsche Pendlerstrecke ist im Durchschnitt 18 Kilometer lang, dafür sind die heutigen Reichweiten eines Elektroautos absolut ausreichend. Wir laden heute 100 Kilometer Reichweite in ungefähr einer Stunde nach. Sollten mehrere Fahrzeuge gleichzeitig verbunden sein, steht mit einem Lastmanagement in kürzester Zeit genügend Reichweite zur Verfügung.
Inwieweit sind Ihre Systeme in der Leistung erweiterbar?
Aktuell lassen sich bis zu 30 Ladepunkte problemlos an einem Stromkreis installieren. Für die Zaptec Pro bieten wir eine Backplate an. Damit lässt sich ein Parkplatz für die Ladelösung vorrüsten. Der Charger wird erst gekauft, wenn Mieter oder Unternehmen einen Ladepunkt brauchen. Die initialen Installationskosten bleiben so gering.
Wie geht das deutsche Stromnetz mit den geplanten Ladepunkten um? Ist die Angst vor Blackouts berechtigt?
Wir haben kürzlich die Marke von einer Million BEV (Battery Electric Vehicle) in Deutschland überschritten. Das konnte sich vor einigen Jahren niemand vorstellen und das Stromnetz schafft diese zusätzliche Last. Zudem steht die technische Entwicklung nicht still. Elektroautos werden effizienter, Akkukapazitäten steigen und auch das Stromnetz wird wachsen und smarter. Bei der aktuellen Entwicklung wird der Stromverbrauch bis 2030 Schätzungen zufolge um vier Prozent steigen, was zu keinen Engpässen führt. In Verbindung mit bereits verfügbarer Technik wie dem PV-Überschussladen, dem Lastmanagement und der intelligenten Steuerung der Ladevorgänge wirken wir der Überlastung der Stromnetze aktiv entgegen.
Wie wollen Sie technisch weniger versierte Autofahrer von der Elektromobilität überzeugen?
Nutzerzentrierte, smarte Ladelösungen sind für uns der Königsweg, um aus Autofahrern echte Elektromobilisten zu machen. Über eine einfache Bedienbarkeit schaffen wir einen besseren Einstieg in die Elektromobilität. Plug&Charge wird hier eine besondere Rolle spielen. Aktuell wirkt der Start eines Ladevorgangs für viele Autofahrer noch unnötig kompliziert. Plug&Charge macht die Autorisierung überflüssig und wählt automatisch den günstigsten im Auto hinterlegten Ladetarif aus.
Stand: 08.12.2025
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Das Thema Ladeinfrastruktur bedienen derzeit viele Unternehmen. Wie heben Sie sich ab und was ist Ihr USP?
Unser Fokus liegt auf der Sicherheit der Ladevorgänge und der Nutzerdaten. In der Zaptec Pro sind beispielsweise ein integrierter Fehlerstromschutzschalter – FI Typ B – und ein Leitungsschutzschalter verbaut. Die persönlichen Daten der Nutzer speichert Zaptec nach DSGVO-Vorgaben in der Cloud. Wir bringen außerdem viel Erfahrung aus unserer Tätigkeit in Norwegen mit. Daher wissen wir, dass unsere Produkte auf die kommenden Entwicklungen in Deutschland wie dynamische Strompreise vorbereitet sind .