Wie sich das Konzept Shared Mobility lohnen kann
Weniger Autos, weniger CO2 und entlastete Städte – in der Theorie scheint Shared Mobility eine gute Idee zu sein. Doch immer wieder wird Zweifel an den verschiedenen Geschäftsmodellen als auch an der tatsächlichen Verkehrsentlastung laut. Handelt es sich also nur um einen Hype? Und falls nicht, unter welchen Bedingungen kann das Konzept den Mehrwert liefern kann, den es verspricht?
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Schaut man sich die Statistiken über Shared Mobility Services in Deutschland, aber auch international an, lässt sich vor allem eines erkennen: starkes Wachstum. Laut einer PwC-Studie aus vergangenem Jahr wird der Markt für Mobility as a Service in den USA, Europa und China bis 2030 ein Volumen von 1,4 Trillionen US-Dollar erreichen. Millennials würden bis dahin über 50 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen – und diese Zielgruppe erwarte, dass Mobilität personalisiert, nahtlos integriert, multimodal und on-demand funktioniere.
Eine McKinsey-Studie aus dem Jahr 2019 kommt zu ähnlichen Ergebnissen und sieht in Mobility as a Service die Zukunft urbaner Mobilität: Während 2017 noch 2,6 Prozent des gesamten Umsatzes in der Mobilitätsbranche durch disruptive Geschäftsmodelle und Technologien entstanden, schätzt das Beratungsunternehmen, dass dieser Anteil bis 2030 auf mindestens 31 Prozent wachsen werde. Trotz dieser Prognosen werden regelmäßig Stimmen laut, die den tatsächlichen Nutzen von geteilter Mobilität in Frage stellen. Carsharing könne nicht profitabel sein, funktioniere nur in Ballungsräumen und würde eher dafür sorgen, dass mehr Autos in den Städten unterwegs sind, E-Scooter und Bikes würden das Stadtbild “vermüllen” und nicht dazu beitragen, dass die Menschen auf das eigene Auto verzichten. Stimmen diese Vorwürfe? Eine Frage, die sich wohl am ehesten mit „Jein” beantworten lässt.
In der Tat ist es so, dass das Free-floating-Carsharing – sprich die Variante, bei der die Flotte eines Anbieters frei in der Stadt “floatet” und Fahrzeuge überall im Nutzungsbereich ausgeliehen und geparkt werden können – derzeit ausschließlich in größeren Ballungsräumen präsent ist, weil es eine gewisse Bevölkerungsdichte pro Quadratkilometer benötigt, um den Service zu betreiben, ohne rote Zahlen zu schreiben. Es stimmt ebenfalls, dass durch Free-floating-Angebote die Gesamtmenge der Autos in Städten noch nicht maßgeblich reduziert wurde. Auch beim Bikesharing sowie den erst jüngst in Deutschland gelaunchten E-Scootern existieren ohne Zweifel Probleme.
Dennoch ist es falsch, zu schlussfolgern, dass basierend auf diesen Indizien geteilte Mobilität als Ganzes keinen Sinn ergibt – denn Shared Mobility ist mehr als die Summe seiner Teile. Betrachten wir die einzelnen geteilten Mobilitätsdienste – von Bike-, Car-, E-Scooter- und Rollersharing über Ride Pooling bis hin zu Automated Car Rental – ist es richtig, dass diese Lösungen einzeln betrachtet nicht alle bestehenden Mobilitätsprobleme vollständig lösen können – aber das sollen und müssen sie auch gar nicht.
Damit das Konzept Shared Mobility aufgeht, bedarf es eines ganzheitlichen Ansatzes, der alle genannten Services und den ÖPNV engmaschig und bedarfsgerecht miteinander verknüpft – einfach, unkompliziert und nutzerorientiert. Dazu sollten Unternehmen auf der einen Seite eng mit der Politik zusammenarbeiten, um gemeinsam den besten Weg zu identifizieren – auch um Shared Mobility flächendeckend zu ermöglichen. Aufgabe der Politik ist es hier, klare und sinnvolle Regeln für Betreiber aufzustellen, von der sowohl Unternehmen als auch Städte profitieren.
Auf der anderen Seite bedarf es eines qualitativ hochwertigen Mobilitätsangebotes. Das bedeutet beispielsweise User-Apps sollten einwandfrei funktionieren, Fahrzeuge sollten sich stets problemlos mieten und aufschließen lassen und darüber hinaus in den Stadtgebieten verfügbar sein, wo der jeweilige Bedarf einer Fahrzeugkategorie bzw. des ihr zugeordneten Anwendungsfalls am höchsten ist. Leidet aufgrund technischer Probleme an diesen integralen Punkten die User Experience, leidet auch der jeweilige Mobility Service im Speziellen – und langfristig Shared Mobility im Allgemeinen. Um eine einwandfreie Nutzererfahrung zu gewährleisten, ist es demnach wichtig, dass Service Provider Wert auf eine leistungsfähige Technologie im Hintergrund ihrer Dienste legen.
Sind diese Schritte getan und die Qualität der Services gegeben, werden mehr und mehr potenzielle Nutzer erkennen, dass es sich in vielen Fällen schlicht nicht mehr rechnet, das eigene Auto vor der Haustür zu haben, da für jede spezifische Alltagssituation der passende Mobilitätsdienst nur wenige Schritte und Klicks entfernt ist – womit beispielsweise auch die Profitabilität von Free-floating-Carsharing wachsen wird. Ich bin in Hamburg shoppen und es regnet? Ein Free-floating-Auto steht unweit bereit. Ich will meine Großeltern im südwestfälischen Siegerland mit dem Auto besuchen? Stationsbasiertes Carsharing ist eine gute Option. Ich fahre mit dem ÖPNV zur Arbeit, muss aber die letzten drei Kilometer überbrücken, weil der Bus nicht fährt? Ich kann auf E-Scooter oder -Bikes zurückgreifen.
Schon heute erleben wir international eine Bewegung in Richtung der “Mixed Fleet”, also einer Fahrzeugflotte, die verschiedene Fahrzeugtypen abdeckt und anbietet. Hier besteht das Potenzial, dass Anbieter ganz unterschiedliche Fahrzeuge kombinieren – von E-Bikes und E-Scootern über Roller und 3-Wheeler bis hin zu Autos und Shuttles. Wir werden im Kontext der Mixed Fleet zwar vermutlich keine Konsolidierung des Marktes dahingehend erleben, dass irgendwann wenige große Anbieter alle Mobility Services in einer All-in-One-Super-App vereinen – dazu ist die unternehmerische Aktivität im Shared Mobility-Markt zu groß.
Dennoch zeigt sich, dass Mobility Operator in aller Welt verstanden haben, dass es ohne eine ganzheitliche und umfassende Strategie nicht funktioniert, ihre Kunden buchstäblich abzuholen. Um das gewährleisten zu können, sollten Mobility Service Provider beim Aufsetzen ihrer Dienste auch hier auf eine leistungsfähige technologische Lösung zurückgreifen, die schnell, offen, skalierbar und modular einsatzfähig ist. So haben sie die nötige Freiheit, ihre Services den Kundenwünschen jederzeit entsprechend anzupassen – ohne von der Technologie hinter ihrem Angebot eingeschränkt zu werden.
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