Leitungen Was Sonderleitungen für Schwertransporte bieten müssen

Von Friederike Schmidt* 5 min Lesedauer

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Schiffe, Baumaschinen und Spaceshuttles – für die modularen Schwerlasttransporter der Transporter Industry International Group gibt es nahezu keine Last, die zu schwer ist. Sie bewegen diese in engen Megacitys, in der arabischen Wüste oder sibirischen Eiseskälte.

Kolosse auf Rädern: Die modularen Schwerlasttransporter der TII Group bewegen weltweit schwerste Lasten wie Baumaschinen, Schiffe und Spaceshuttles. Auf dem Bild zu sehen der Transport des Spaceshuttles „Endeavour“.(Bild:  TII Group)
Kolosse auf Rädern: Die modularen Schwerlasttransporter der TII Group bewegen weltweit schwerste Lasten wie Baumaschinen, Schiffe und Spaceshuttles. Auf dem Bild zu sehen der Transport des Spaceshuttles „Endeavour“.
(Bild: TII Group)

Das amerikanische Spaceshuttle „Endeavour“ ist mit einer Breite von 24 m, einer Höhe von 38 m und einem Gewicht von 68 t ein wahrer Koloss. 2012 musste es durch Los Angeles transportiert werden, als es nach 25 Weltraummissionen seine letzte Reise in den Ruhestand antrat.

Die Route verlief vom Flughafen Los Angeles zum California Science Center im Süden der Stadt. Die fast 20 km lange Strecke führte geradewegs durch die dicht besiedelte Megametropole. Das Shuttle passte allerdings auf keinen gewöhnlichen LKW. Zum Einsatz kam daher eine besondere Transportlösung für schwere Lasten von der Transporter Industry International Group (TII Group) aus Baden-Württemberg.

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Das Unternehmen aus Heilbronn ist Spezialist für die Fertigung von Schwerlastfahrzeugen für den globalen Einsatz. Dabei vereinigt es die Marken TII Scheuerle und TII Kamag in einer Allianz mit insgesamt über 150 Jahren Erfahrung. Ob Schiffe, Bohrinseln, Flugzeuge, Intralogistik, Windkrafträder oder eben auch Spaceshuttles – die Anwendungsbereiche und -orte sind vielseitig.

Self-Propelled Modular Transporter: Spezialist für Schwerlasttransporte

TII spezialisiert sich unter anderem auf einen besonderen Fahrzeugtypus, der auch beim Spaceshuttle „Endeavour“ in den USA zum Einsatz kam: der Self-Propelled Modular Transporter – oder kurz SPMT K24. Dabei handelt es sich um einen modularen und ferngesteuerten Schwerlasttransporter, den man beliebig zum Fahrzeugverbund erweitern kann – je nachdem, was Gewicht und Größe seiner Fracht erfordern. Er ist für Nutzlasten bis zu 248 t ausgelegt, obwohl er selbst nur 24 t wiegt.

Eine sogenannte „Power Pack Unit“, die am Fahrzeug angebracht wird, enthält sowohl das Steuerungssystem als auch den Motor des SPMT K24. Die Kraftpakete haben schon einige Weltrekorde gebrochen – beispielweise im November 2022, beim Verfrachten eines ausrangierten Ölförderschiffs. Da bewegten die Fahrzeuge beeindruckende 20.300 t.

Auch das amerikanische Spaceshuttle „Endeavour“ wurde auf eine Kombination von SPMT K24 verladen und im Schritttempo an seinen Bestimmungsort in Los Angeles transportiert – durch eine dichte Stadtlandschaft, vorbei an Wohnsiedlungen, Kaufhäusern, Fernsehkameras und einem begeisterten Straßenpublikum.

In der Wüste oder in Sibirien: der Transport muss rollen

„Allerdings ist es nicht immer so schön sonnig wie in Kalifornien”, sagt Tobias Maier, Teamleiter Steuerungstechnik beim TII-Tochterunternehmen TII Kamag in Ulm, und ergänzt: „Unsere Kunden setzen ihre SPMT K24 weltweit ein. Nach einem Transport in den USA gehen die Fahrzeuge auch mal für ein halbes Jahr nach Sibirien – wo das Thermometer auf bitterkalte minus 25 °C fallen kann. Oder in die staubige Wüstenhitze der arabischen Halbinsel.”

Diese Wetterextreme müssen nicht nur die Fahrzeuge aushalten, sondern auch deren Verbindungstechnik, die den Strom vom Motor und die Daten vom integrierten Bordcomputer an die Achsen leitet. Dabei entstehen zwei konkrete Herausforderungen: Die Kabel können erstens nicht einfach außen an den Fahrzeugen verlegt werden. Denn da sind sie Umwelteinflüssen wie UV-Strahlung oder heißen und kalten Temperaturen ausgesetzt. Das Innere des Chassis bietet allerdings nur wenig Platz.

Zweitens werden die selbst angetriebenen Modultransporter erst vor Ort bedarfsgerecht miteinander gekoppelt – so auch die Verbindungstechnik. Und zwar von Menschenhand, bei Wind und Wetter. „Wenn man da zu viele Steckerstellen und Einzelkabel hat, kann das schnell zum beschwerlichen Akt werden“, erklärt Maier. „Deswegen wurde uns bei der damaligen Fahrzeugplanung klar, dass wir die Anzahl der Kabel an den Fahrzeugen minimieren mussten. Einerseits sollte die Koppelung der Kabel vor Ort für die Leute handlich sein, andererseits wollten wir alle Kabel durch das geschützte Innere des Fahrzeugrahmens leiten können“.

Robustheit durch Hybrid-Sonderleitungen für Versorgung und Steuerung

Die Idee also: Zwei kompakte Leitungen, in denen man die gesamte Verbindungstechnik unterbringen kann – eine Versorgungsleitung sowie eine Steuer- und Datenleitung.

Doch dafür brauchte es eine Sonderanfertigung. Und hier einen passenden Lieferanten zu finden, war nicht so einfach. Anfangs kamen einige Anbieter in Frage. Überzeugt hat am Ende Lapp aus Stuttgart. Der Weltmarktführer für integrierte Lösungen im Bereich der Kabel- und Verbindungstechnologie konzipierte nach den Vorgaben von TII zwei spezielle Leitungen –Power-Line und Data-Line.

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„Beide Leitungen fassen mehrere Kabeltypen in einem zusammen, das heißt, sie sind Hybridleitungen”, erklärt Joachim Hentschel, Account Manager beim Stuttgarter Spezialisten. „Durch die Power-Line wird das Fahrzeug zunächst mit Strom versorgt, sodass es auch ins Rollen kommt”, ergänzt er. Die Data-Line wiederum ist der Daten-Pool des Fahrzeuges. Sie enthält eine Daten-Bus-Leitung, über die Steuer- und Regelsignale von der „Power Pack Unit“ an die Räder geleitet werden – „um zum Beispiel jede Achse auf den korrekten Lenkwinkel einstellen zu können”. Sowohl Power- als auch Data-Line beinhalten zusätzlich noch serielle Steuerleitungen.

Jedoch ist ein solches Projekt kein Spaziergang. Der erste Entwurf der Data-Line schaffte den notwendigen Datendurchsatz nicht. Die Stuttgarter sind bekannt und für ihre Innovationen. „Das Problem war der Widerstand im Kabel – die Impedanz“, erklärt Hentschel. „Wir mussten deshalb die Aderverteilung in der Leitung anpassen“. Das wurde dann auch schnell umgesetzt. TII ist zufrieden: „Wir sind froh, dass wir mit Lapp einen Partner gefunden haben, der sich in unsere Anforderungen reingefuchst und eine Lösung entwickelt hat. Dieses Engagement finde ich lobenswert”, kommentiert Maier.

Langfristige Partnerschaft für die Zukunft

Bereits seit dem Jahr 2010 liefert der Kabelspezialist Sonderleitungen für den SPMT K24. „Mit der Qualität von Lapp sind wir hochzufrieden“, versichert Ralf Geiselmann, Meister Montage und Elektrik bei TII Kamag, „und wenn wir doch mal ein Problem haben, kümmert man sich darum.“

Aus der Stuttgarter Kabelschmiede kommen auch Standardleitungen wie Ölflex Classic. „Die kann ich bei LAPP praktisch online konfigurieren und bestellen,“ sagt Teamleiter Maier, „doch, wenn es um solche Sonderanfertigungen geht, braucht es Beratung vor Ort. Und da können wir jederzeit anrufen und ein Mitarbeiter kommt vorbei“, lächelt er. Produktanforderungen, wie bei den Sonderleitungen des SPMT K24, werden dann persönlich besprochen und im Anschluss realisiert.

Schwerlast-Fahrer brauchen mit den Sonderleitungen bei eisigen Temperaturen nur mit zwei Koppelsteckern zu hantieren und müssen keinen Kabelsalat entwirren. Das vermeidet einerseits Unannehmlichkeiten, zum anderen Fehler. Und wenn die Kabel vor dem Verschleiß bewahrt werden, weil sie im geschützten Inneren des Fahrzeuges liegen, ist auch die Ausfallsicherheit gegeben. Nicht auszudenken, was es bedeuten würde, wenn ein Modultransporter mit einer Ladung über 10.000 t plötzlich inmitten der Wüste stehen bleibt. Da wird jede Sekunde teuer.

Auch in Zukunft werden noch viele schwere Lasten mit selbstfahrenden Modultransportern und Stuttgarter Verbindungstechnik bewegt werden. Dabei wird es nicht nur um Museumsstücke mit Unterhaltungswert wie das Spaceshuttle in Los Angeles gehen. Auch technische Anlagen wie zum Beispiel Windkrafträder, die für die nachhaltige Energieversorgung wichtig sind, müssen von der Fertigungsstätte auf das Feld kommen. Die Verbindungstechnik aus Baden-Württemberg macht dies möglich, ob im tiefsten Frost oder bei brachialer Hitze. (kr)

* Friederike Schmidt ist Pressereferentin bei Lapp.

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