Mit den Genen von Gestern soll der VW ID Buzz in die elektrische Zukunft fahren. Wie der Retro-Spagat gelingt, verrät der erste Fahrbericht.
Der VW ID. Buzz ist ab rund 64.600 Euro zu haben.
(Bild: VW)
Auf dem vollelektrischen Erbe des legendären T1-Busses liegen so viele Erwartungen, dass sich eigentlich schon im Stand die Achsen des ID Buzz durchbiegen müssten. Schließlich war der T1 ein Volksheld. Er fuhr Deutschland ab 1950 durchs Wirtschaftswunder, zeigte Familien die große weite Welt und baute als Transporter die Bundesrepublik mit auf. In der Flower-Power-Zeit wurde der Bully endgültig Kult und selbst bei vielen Post-Millennials regt sich was, wenn ein Bully ihren Weg kreuzt.
Eine echte Herausforderung für das Team um VW Chefdesigner Jozef Kaban. Aber die sagen: Kein Problem, ein Auto wie den T1 kann schließlich jedes Kind mit ein paar Linien zeichnen.
Nun ja. Für den ersten E-Bus brauchte es etwas mehr als Unbekümmertheit und einen angespitzten Bleistift. Vor allem mehr Zeit. Genau genommen über 20 Jahre. Denn bereits 2001 stellte VW mit dem Microbus in den USA ihre Idee eines Retro-Bullys vor. Der Microbus ging nie in Serie. Im Gegensatz zum ID Buzz.
Über 10.000 Bestellungen
Der folgt nun ab November den Spuren seines Großvaters. Und die Fan-Gemeinde betet ihn schon jetzt an. Über 10.000 Bestellungen liegen bereits vor, gut 45 Prozent davon für die Cargo-Version. Diese Wette auf die elektrische Zukunft scheint also zu klappen, zumal alles Blindbestellungen sind. Noch kein Kunde hat je im ID Buzz gesessen, geschweige denn ihn gefahren.
Wir machen heute den Anfang und sind schockverliebt. Genau so musste er aussehen. „An Icon reloaded“ nennt es VW. Das grinsende Gesicht des ID Buzz übersetzt den Charme des alten Bullis perfekt ins Heute. Viel macht die klassische Zweifarbenlackierung aus. Klar, eine Motorhaube gibt es nicht, nur eine Serviceklappe. Der Elektromotor sitzt auf der Hinterachse, also Hinterradantrieb, so wie damals. Zum Heck hin verliert der ID Buzz optisch etwas an Spannung. Bullige Klappe, durchgehendes Lichtband. Eher modern als retro. Viel ist dem Cw-Wert von 0,285 geschuldet. Für so einen Kasten ein super Wert.
Reichlich Platz
Mit kompakten 4,70 Meter liegt der ID Buzz längenmäßig zwischen Golf und Passat Variant. Inklusive Außenspiegeln ist er aber fast so breit wie ein VW Crafter. Im Innenraum merkt man das sofort. Auch weil das bislang größte Modell auf VWs Modularen-Elektro-Baukasten (MEB) einen Riesen-Radstand von fast drei Metern hat und seine Akkus im Unterboden verstecken kann. Platz gibt es hier also reichlich.
Zunächst fährt der Bus nur als Fünfsitzer mit zwei seitlichen Schiebetüren vor, ganz konventionell mit zwei Sitzen vorne sowie einer geteilt umlegbaren und verschiebbaren Rücksitzbank. Ab Ende 2023 kommt der E-Bus dann mit längerem Radstand, nimmt sieben Passagiere mit, oder in der Business-Version dreimal zwei hintereinander.
Zwei Europaletten für den Cargo
Weitere Ideen sind längst in der Pipeline. Auch von den Zulieferern, die den ID Buzz herausputzen werden wie eine Puppenstube. Schon jetzt passt hinten der halbe Hausstand rein. 1.121 bis 2.205 Liter Stauraum. Der ID Cargo schluckt zwei Europaletten hintereinander und kann 650 Kilo zuladen.
Wir sitzen vorne - erhöht und bequem - hinter einem Cockpit, das uns zumindest in Teilen bekannt vorkommt. Die Displays, 5,3 und 10 Zoll groß (optional 12 Zoll), kennen wir aus der ID-Familie. Eine Sim-Karte ist immer integriert, das Multimedia-System auf neuestem Stand und verbunden mit allerlei Online-Diensten. Eine große Box zwischen den Sitzen schluckt reichlich Kleinkram, wer sie nicht braucht, hakt sie mit einem Handgriff einfach aus.
Komplett ohne echtes Leder
Vieles sieht hier eher klassisch aus und doch gibt es kleine Details, die das Vorbild zitieren. Wie zum Beispiel in Wagenfarbe abgestimmte Kunststoffteile. Tomasz Bachorski war für den Innenraum verantwortlich und nennt den ID Buzz sein bislang „emotionalstes Projekt”. Der ID Buzz fährt komplett vegan, also lederfrei. Inklusive Lenkrad, das einen Kranz aus synthetischem Material hat.
Aktuelle Crashnormen lassen ein flaches Front-Layout wie beim T1 kaum zu. Und wohin auch mit all den Sensoren? Also sitzt man nicht wie früher direkt auf der Achse, sondern knapp dahinter. Heißt auch: reichlich luftiger Raum bis zur Scheibe, der aber optisch geschickt kaschiert ist. Beim Fahren geht das so weit, dass man tatsächlich fast denkt, auf den Rädern zu sitzen. Das Lenkrad etwas flacher gestellt, dazu ein Wendekreis im Golf-Format, der sich im ID Buzz so mini anfühlt wie bei einem Scooter auf dem Jahrmarkt. Perfekte Illusion.
Stand: 08.12.2025
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Nur kann der Elektro-Erbe natürlich alles viel besser als sein Großvater T1. So ist VW die Lenkung richtig gut gelungen. Mit viel Rückmeldung und direkt. Und die Federung mit Abstand die beste der ID-Familie. Der ID Buzz hat den sensiblen Abrollkomfort, den wir beim staksigen ID4 vermissen. Eine feine Abstimmung für viele erholsame Kilometer Familienurlaub. Von Hektik will der ID Buzz sowieso nichts wissen. Er ist bewusst nicht als Schnellbus konzipiert. Ein Sportprogramm gibt es gar nicht erst.
Allrad-Modell mit 1,8 Tonnen Anhängelast kommt 2023
Für eine stabile Straßenlage ohne große Wankbewegungen in Kurven hat VW Nutzfahrzeuge gemeinsam mit den Kollegen in Wolfsburg eine aufwändige Vierlenker-Hinterachse entwickelt. Schließlich soll in der zweiten Hälfte 2023 ja noch eine über 220 kW/300 PS und 450 Newtonmeter starke Allradversion folgen, die dann 1.800 Kilo an den Haken nehmen kann.
Bis dahin muss die von uns gefahrene Version mit 150 kW/204 PS reichen. Und das tut sie allemal. Mit überschaubarem Temperament, aber weit entfernt von einem Bummelbus. Immerhin schwingt der ID Buzz mit 2,47 Tonnen ja auch das Kampfgewicht eines VW Touareg auf die Waage. Die 82 kW/h-Batterie soll bis zu 423 Kilometer Reichweite garantieren. Im Allradler dürfte ein über 90 kWh-Akku zum Einsatz kommen.
Was beim Beetle-Revival eher floppte, wird mit dem ID Buzz klappen. Er zeigt die Emotionalität und zukunftsgerichtete Technik, die der aufgewärmte Käfer-Erbe auf Golf-Basis nie hatte. Nur leider zu einem Preis, den sich Normal-Familien kaum leisten können. Das Buzz-Ticket gibt es ab rund 64.600 Euro (ID Cargo ab 54.450 Euro). Und da tröstet es wenig, dass ein gepflegter T1 heute mindestens genauso viel kostet.