Von der Fahrzeugelektrifizierung bis zum autonomen Fahren Vorschau auf die IAA Transportation 2024

Von Stefanie Eckardt 13 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Vom 17. Bis 22. September 2024 ist es wieder so weit: Dann öffnet die diesjährige IAA Transportation ihre Pforten. Im Mittelpunkt der Nutzfahrzeugmesse stehen der batterieelektrische Antrieb, die Brennstoffzelle, intelligente Ladekonzepte, aber auch Themen wie automatisiertes Fahren, das Software-definierte Nutzfahrzeug und Sicherheit.

Vom 17. bis 22. September dreht sich in Hannover auf der IAA Transportation wieder alles um moderne Nutzfahrzeugtechnologien.(Bild:  Photovision-DH GmbH)
Vom 17. bis 22. September dreht sich in Hannover auf der IAA Transportation wieder alles um moderne Nutzfahrzeugtechnologien.
(Bild: Photovision-DH GmbH)

Nicht nur die Automobil- auch die Nutzfahrzeugindustrie befindet sich im größten Transformationsprozess ihrer Geschichte. Das spiegelt auch die IAA Transportation 2024 wider, die deutlich wächst: Mit mehr als 1.650 Ausstellern aus 41 Ländern verzeichnet die Messe einen Zuwachs von rund 20 Prozent. Unter dem Motto „People and Goods on the Move“ will die IAA Transportation aktuelle und zukünftigen Herausforderungen der Branche darstellen und Lösungsansätze aufzeigen.

Nutzfahrzeughersteller

Auf der IAA Transportation stehen Nutzfahrzeuge mit batterieelektrischem Antrieb, Brennstoffzelle und erneuerbaren Kraftstoffen in Verbrennungsmotoren im Fokus der Nutzfahrzeughersteller. So wird Volvo Trucks wird auf der diesjährigen Messe in Hannover seine neue Baureihe Volvo FH Aero zeigen, die kürzlich für Europa, Asien und Afrika eingeführt wurde. Sie umfasst auch Varianten, die elektrisch oder mit Biokraftstoff betrieben werden. Auf dem US-Markt wurde wiederum der brandneue Volvo VNL auf einer völlig neuen Plattform eingeführt, die autonome Technologien umfasst. Weitere Modelle wie der Volvo FM Low Entry, der ausschließlich mit einem batterieelektrischen Antriebsstrang ausgestattet ist und die E-Achs-Technologie, die eine höhere elektrische Reichweite und ein optimiertes Fahrverhalten ermöglicht, wird der Hersteller ebenfalls vorstellen. Volvo Trucks zeigt auf der IAA auch seine neuen Fahrerassistenzsysteme, darunter das neue Kamera-Monitor-System (CMS), das sowohl die Aerodynamik verbessert als auch die Sicherheit durch bessere Sicht erhöht. Insgesamt werden acht verschiedene Volvo Trucks-Modelle zu sehen sein, darunter der Volvo FH Aero Electric 4x2 mit Kamera-Monitor-System (CMS), der Volvo FH16 Aero 4x2 mit HVO-Kraftstoff, XXL-Fahrerhaus und CMS, der Volvo FMX Electric 6x4 mit 3-Seiten-Kipper, der Volvo FM Low Entry 6x2 mit Absetzkipper, der Volvo FM Gas Powered 4x2 mit CMS, der Volvo FE Electric 4x2 mit Absetzkipper, der Volvo VNL 860, mit Vollausstattung sowie ein Brennstoffzellen-Test-Lkw von Volvo.

Vorschau auf die IAA Transportation
Bildergalerie mit 17 Bildern

Zur IAA 2024 stellt MAN Truck & Bus den neuen MAN eTGL vor. Der elektrisch betriebene 12-Tonner rundet das Elektro-Lkw-Portfolio des Nutzfahrzeugherstellers um den leichten Verteilerverkehr ab. Mit seinen bis zu 235 Kilometern Reichweite, schnellem Laden in rund 30 Minuten und bis zu 6.600 Kilogramm Nutzlast, je nach Aufbau, bietet er die ideale Kombination für leisen und lokal CO2-freien Transport in der urbanen Warenlogistik für Lebensmittelketten, Einzelhändler oder die Gastronomie. Zusammen mit eTGS und eTGX bietet MAN mit dem neuen eTGL nun das komplette Gesamtgewichtsportfolio von zwölf bis 42 Tonnen vollelektrisch an. Vergleichsweise geringe Reichweitenanforderungen, die Möglichkeit des Depotladens an den Logistikstandorten und zunehmende Lärm- und Emissionsrestriktionen für Verbrenner-Lkw in den Innenstädten machen den urbanen Verteilerverkehr zu einem wichtigen Startsegment für den Umstieg auf die Elektromobilität.

Daimler Truck setzt neben batterieelektrischen Modellen auf Brennstoffzellenfahrzeuge. So hat das Unternehmen kürzlich die kundennahe Erprobung von fünf Mercedes-Benz GenH2 Trucks bekanntgegeben. Nach langen, internen Testfahrten hat der Hersteller die ersten fünf Vorserien-Exemplare an Kunden übergeben, um den GenH2 Truck in deren täglichen Logistikeinsatz zu testen. So werden diese Brennstoffzellen-Lkw mit den Unternehmen Air Products, Amazon, Holcim, Ineos und Wiedmann & Winz getestet. Die Testkunden, nutzen die Fahrzeuge dabei in verschiedenen Anwendungen im Fernverkehr. Amazon setzt den GenH2 Truck in seinem Logistiknetzwerk in Deutschland ein, Air Products für den Transport von Flaschengasen, Wiedmann & Winz für Seecontainer, Holcim für Baustofflogistik und Vervaeke für den Transport von PVC und Vinyl. Die GenH2 Trucks verfüge laut des Unternehmens über zwei Brennstoffzellensysteme mit einer Gesamtleistung von 300 kW (2x 150 kW) und eine 70 kWh große Batterie, die kurzfristig bis zu 400 kW leisten kann. Zwei Elektromotoren sollen eine Dauerleistung von 2x 230 kW und eine Maximalleistung von 2x 330 kW bieten. Die Tanks sollen dabei 44 Kilogramm tiefgekühlten Flüssigwasserstoff fassen, der -253 Grad Celsius kalt und eine höhere Energiedichte als gasförmiger Wasserstoff bieten soll. Dies soll eine Reichweite von über 1.000 Kilometern ermöglichen, wie Daimler Truck bei einer Demonstrationsfahrt im vergangenen September zeigte.

Iveco nutzt die IAA Transportation, um unter dem Motto „Drive the road of change“ neue lokal emissionsfreie Nutzfahrzeuge zu präsentieren. Besonders hervorzuheben sind zwei Weltpremieren: das neue mit Hyundai entwickelte elektrische leichte Nutzfahrzeug, mit dem der Hersteller im oberen Bereich des mittleren Segments bis 3,5 t debütieren will und das schwere S-eWay Fahrgestell, die vielseitige Lösungen für alle städtischen und regionalen Anforderungen bieten soll. Insgesamt werden mehr als 20 Fahrzeuge gezeigt, die das Angebot an alternativ angetriebenen Fahrzeugen mit HVO, Biomethan, batterieelektrisch und mit Wasserstoff zeigen sollen. In der Test Drive Area bietet Iveco den Besuchern zudem die Möglichkeit, insgesamt 13 Fahrzeuge selbst Probe zu fahren, die von leichten über mittelschwere bis hin zu schweren Lkw reichen.

Renault Trucks hat angekündigt, dass der Elektro-Lkw Oxygen des Herstellers in die zweite Erprobungsrunde geht. In dieser Phase sollen die Fahrzeuge unter realen Bedingungen getestet und optimiert werden. Ziel ist es, die Alltagstauglichkeit und Effizienz der Elektro-Lkw weiter zu verbessern. Die Tests finden in Zusammenarbeit mit verschiedenen Logistikunternehmen statt, die den Oxygen im regulären Betrieb einsetzen.

Volkswagen Nutzfahrzeuge hat angekündigt, in Hannover die Premiere des Transporter T7 zu feiern. Gleichzeitig nannte das Unternehmen Details zum Interieur und Laderaum der komplett neu entwickelten Transporter-Generation. So soll der T7, der Anfang 2025 auf den Markt kommen soll und in Kooperation mit Ford entwickelt wurde, neben einer digitalen Cockpit-Landschaft mit einer zwölf Zoll großen Digitalanzeige und einem 13-Zoll-Touchscreen für das Infotainmentsystem einen erweiterten Laderaum im Vergleich zum Vorgängermodell Transporter 6.1 ausgestattet sein. Dabei soll der T7 ein Ladevolumen von 5,78 Kubikmeter bzw. 9 Kubikmetern in der Langversion bieten und eine Nutzlast von 1,33 Tonnen bzw. eine Anhängelast auf bis zu 2,8 Tonnen ermöglichen. Serienmäßig soll der T7 wiederum als Kastenwagen vorn mit zwei Einzelsitzen ausgestattet sein, soll aber auch optional mit Zweiersitzbank für einen zusätzlichen Beifahrerplatz oder mit bis zu drei leicht entnehmbaren Einzelsitzen in der zweiten Sitzreihe und – zu einem späteren Zeitpunkt als Kombi – auch mit einer Dreier- Sitzbank in der dritten Sitzreihe ausgestattet werden können. Dazu soll der dT7 als einziges Nutzfahrzeug seiner Klasse als Pritschenwagen auch mit einer sechssitzigen Doppelkabine erhältlich sein.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Automobilzulieferer in Hannover

Der Messeauftritt von Continental steht ganz unter dem Motto “Innovating Transportation From Road To Cloud”. Hierbei zeigt der Zulieferer seine Neuheiten in den Bereichen intelligente Dienste und Software-definierte Nutzfahrzeuge, sicherer und nachhaltiger Straßenverkehr sowie autonome Nutzfahrzeuge vorstellen, die darauf abzielen, den Transport sicherer, vernetzter und autonomer zu machen. Continental wird dabei eine breite Palette an Lösungen präsentieren, die von Reifen über Fahrerassistenzsysteme bis hin zu fortschrittlichen Fahrzeugvernetzungen reichen. So will man HPCs und Software sowie ein komplettes Ökosystem präsentieren, das von der Straße bis in die Cloud reicht und das softwaredefinierte Fahrzeug (SDV) sowie autonome Fahrfunktionen ermöglicht. Darunter ist ein Hochleistungsrechner für das Nutzfahrzeugcockpit sowie ein domänenübergreifendes Zonensteuergerät, das unter anderem die Energieversorgung von Cockpit- und ADAS-Komponenten integriert. Darüber hinaus wird das Technologieunternehmen sein Automotive Edge Framework CAEdge vorstellen, eine Cloud-basierte Entwicklungsumgebung, die eine schnelle Entwicklung sowie Prüfung von Fahrzeug-Software ermöglicht. Zu den in Hannover vorgestellten intelligenten Services, die Echtzeitdaten für mehr Prozessautomatisierung und -effizienz nutzen, gehören zwei neue Versionen der digitalen Reifenmanagementlösung ContiConnect. Ebenfalls zu sehen: Lösungen für Fahrzeuge mit neuer Energieversorgung (NEV) wie das Thermomanagement für batterieelektrische und wasserstoffbetriebene Fahrzeuge. Dazu wird Continental tiefere Einblicke in ihre Fortschritte mit Aurora bei der Entwicklung und Produktion eines Level-4-Systems in großem Maßstab geben.

Valeo präsentiert 48-V-Hybridsysteme für Lieferwagen und andere kompakte Nutzfahrzeuge, Cyclee-Technologie sowie Technologien für E-Bikes zur Wärmeregulierung der Batterie, zur Klimatisierung und zum Thermomanagement per Wärmepumpe Zudem stellt Valeo den FlexHeater vor, ein intelligentes Heizsystem für elektrische Nutzfahrzeuge, dass die Innenraumoberflächen nutzt, um bei geringem Energieverbrauch ein zusätzliches Maß an Komfort zu bieten. Valeos Technologien zur Wärmeregulierung der Batterie und zum Thermomanagement per Wärmepumpe sind ebenfalls Teil des Messeauftritts. Auch Sicherheitstechnologien stehen im Mittelpunkt des Messeauftritts. So reinigt Aquablade die Windschutzscheibe, um eine konstante Sicht zu gewährleisten, und die Reaktionszeit des Fahrers um 315 Millisekunden zu verkürzen. Das Driver Monitoring System (DMS), das in die B-Säule von Transportern integriert ist, soll verhindern, dass der Fahrer einschläft oder abgelenkt wird. Scala-3-Lidar ist wiederum ein in Serie gefertigter 3D-Laserscanner der Welt und wird bereits in Fahrzeugen auf dem Markt eingesetzt. Zudem entwickelt Valeo Beleuchtungstechnologien für Lkw, um die Sicherheit mit adaptivem Fernlicht und HD-Straßenprojektion zu erhöhen.

Mahle wird eine Demo zeigen, in der E-Achse, Batteriekühlung sowie Brennstoffzellenperipherie des Zulieferers zusammen mit einer vollfunktionsfähigen Brennstoffzelle kombiniert werden. Die Verstromung von Wasserstoff in der Brennstoffzelle ist insbesondere in Hinblick auf das Wärmemanagement nicht trivial. Mahle wird auf der IAA Transportation eine neuen Verdunstungskühlung vorstellen, die ebenfalls in der Demo verbaut wurde. Sie soll laut Herstelleraussagen eine optimal temperierte Brennstoffzelle garantieren und bietet bis zu 50 kW mehr Kühlleistung im gegebenen Bauraum. Vorteil: Es bedarf weniger Lüfterleistung und der Wasserstoffverbrauch kann um bis zu 1,5 Prozent gesenkt werden.

ZF demonstriert neue Software-Funktionen, um intelligentere, besser vernetzte und effizientere Nutzfahrzeugtechnologien anbieten zu können. Eine der neuen Lösungen dient der Optimierung des Zusammenspiels des elektrisches Antriebsstrangs mit den EBS-Bremsmanagementfunktionen. Eine weitere erhöht die Rekuperationsleistung. In beiden Fällen nutzt ZF sein Software-Know-how aus anderen Fahrzeugsegmenten. Mittels Rekuperation kann die Reichweite des Elektrofahrzeugs wirksam erhöht oder die Größe der benötigten Batterien reduziert werden. Das vom Zulieferer entwickelte Synergieprogramm stimmt die elektrischen Antriebs- und Bremsfunktionen aufeinander ab, um die Rekuperation unter voller Stabilitätskontrolle zu optimieren. So können bei Effizienz, Sicherheit und Komfort Steigerungen erzielt werden, während die Gesamtbetriebskosten (TCO) sinken. Das System kombiniert die modularen, elektrischen eigenen Antriebe mit dem Bremssystem mBSP XBS. Der elektrische Antrieb dient hier als Aktuator für das Bremssystem und umgekehrt, sodass die Kapazitäten beider Systeme für die wirksame Steuerung von Beschleunigungs- und Bremsvorgängen genutzt werden. Dabei maximiert das System die Energierückgewinnung, um die Batterien während der Fahrt wieder aufzuladen, wodurch sich die Reichweite des Fahrzeugs effektiv erhöht.

Knorr-Bremse arbeitet an Redundanzarchitekturen für Brems- und Lenkungssysteme sowie Energiemanagement. Dabei hat der Automobilzulieferer das SAE-Level 4 mit der redundanten Aktorik im Blick. Diese wird in Zukunft nicht nur für das automatisierte Fahren eine wichtige Rolle spielen, wie das Unternehmen in Hannover auf der IAA Transportation verdeutlichen will.

Eine steigende Automatisierung erfordert Redundanzsysteme. In Zukunft werden immer mehr Funktionen und damit Verantwortlichkeiten vom Menschen auf die Maschine übergehen. Ziele der Automatisierung der Fahraufgabe sind die Bewältigung des Fahrermangels, höhere Verkehrssicherheit sowie niedrigere Total Cost of Ownership (TCO) für die Betreiber. Eine hohe Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit der Fahrzeuge sind Voraussetzung eines automatisierten Fahrbetriebs. Das bedingt redundante Brems-, Lenkungs- und Energiemanagementsysteme. Redundanz bedeutet jeweils die unabhängige Funktion primärer und sekundärer Systeme, systematische Fehlererkennung und -behandlung sowie die gegenseitige Systemüberwachung.

Die Herausforderungen nicht nur für Knorr-Bremse bei der Realisierung der redundanten Funktionskomponenten liegen vor allem in der gestiegenen Komplexität. Diese bedingt sich durch gestiegene Sicherheitsanforderungen, zusätzliche und modifizierte Komponenten, neue Schnittstellen sowie eine aufwendigere Validierung und Verifizierung der Gesamtsysteme. Hinzu kommen veränderte Arbeitsweisen durch neue Prozessrahmenwerke bei der Entwicklung sicherheitskritischer Komponenten. Vor dem Hintergrund unsicherer, zukünftiger Stückzahlentwicklungen und technischer Hürden spielen Skalierbarkeit und Modularität eine wichtige Rolle, denn diese Faktoren sorgen für mehr Flexibilität. Darauf fokussiert sich Knorr-Bremse mit modularen Level-2-Systemen, die sich durch zusätzliche oder modifizierte Baukasten-Komponenten zu Level 4 Systemen erweitern lassen. Ausfallsichere Aktuatoren werden in Zukunft über das automatisierte Fahren hinaus nutzbar und in neue Lkw-Technologien transferiert. Beispiele dafür sind unter anderem X-by-Wire-Technologien wie elektro-mechanische Bremssysteme (EMBS) und Steer-by-Wire-Lenksysteme.

Brennstoffzelle und Wasserstoffmotor

Die FES GmbH aus Sachsen setzt auf die Brennstoffzelle und stellt einen serienreifen Brennstoffzellen-Lkw auf der Messe vor. Dieses Fahrzeug, das auf einem MAN TGM-Fahrgestell basiert, soll ab 2025 auf den Straßen zu sehen sein und eine umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichen Dieselfahrzeugen darstellen. Den Lkw will man in verschiedenen Konfigurationen anbieten, mit Gesamtgewichten von 12 bis 26 Tonnen und Zuggesamtgewichten von bis zu 40 Tonnen in Kombination mit Anhängern. Der FES-Brennstoffzellen-Lkw soll dabei über einen elektrischen Dual-Motor-Antriebsstrang mit 280 kW Dauerleistung und ab 2025 über einen Boost für 30 Sekunden von 308 kW verfügen. Das Brennstoffzellensystem, das von Toyota stammt, soll wiederum eine Dauerleistung von 120 kW bieten, die ab 2025 auf 170 kW erhöht werden soll. Der Wasserstofftank aus CFK soll wiederum 33 Kilogramm Wasserstoff bei 700 bar fassen, was eine Reichweite von 350 bis 500 Kilometern ermöglichen soll. Zusätzlich soll eine 57-kWh-Pufferbatterie integriert sein, die eine Reichweitenreserve von 40 Kilometern und kurzfristige Boost-Leistung bieten soll.

Das 50:50-Joint-Venture von Daimler Truck und Volvo, Cellcentric, zeigt in Hannover ein virtuelles 3D-Modell seines zukünftigen NextGen-Brennstoffzellensystems für den Schwerlastverkehr. Die Studie gibt einen Ausblick auf die Dimensionen und das Design neuer Brennstoffzellensysteme. Das virtuelle 3D-Modell signalisiert den Start für das effiziente und wettbewerbsfähige Single-Packaging-Brennstoffzellensystem NextGen für den Schwerlast-Langstreckentransport, das eine nach eigenen Aussagen überzeugende TCO bieten soll. Nach der Entwicklungsphase und der Prototypenfertigung von Brennstoffzellensystemen folgt nun die Vorstufe zur industriellen Fertigung, in der cellcentric die Großserienproduktion in der kürzlich eingeweihten Fabrik in Esslingen vorbereitet. Die Pilotproduktion in Esslingen markiert auch den nächsten Schritt zur größten Brennstoffzellenfertigung Europas am neuen Cellcentric Standort „KLIMA|WERK“ in Weilheim, der gegen Ende des Jahrzehnts geplant ist.

Quantron bringt erste brennstoffzellenbetriebene Lkw in der leichten und schweren Klasse auf den Markt und kündigt Kostenparität für klimafreundliche Nutzfahrzeuge durch globale Partnerschaften an. Ziel ist es, Kostenparität zwischen vergleichbaren emissionsfreien Fahrzeugen und Dieselfahrzeugen zu erreichen. Weitere Details zu diesen Partnerschaften will das Unternehmen auf der IAA Transportation bekannt gegeben.

Klimaneutral können Nutzfahrzeuge auch mit einem Brennstoffzellensystem betrieben werden. Das will Automobilzulieferer Bosch zeigen. Diese Technologie eignet sich insbesondere für längere Fahrstrecken und maximale Zuladung – und ist damit eine sinnvolle Ergänzung zu batterieelektrischen Trucks. Mit einem 200-Kilowatt-Brennstoffzellensystem ist Bosch bereits in Serie. Nun arbeitet das Unternehmen am „Fuel Cell Power Module Compact 300“, das noch kompakter und mit einer gesteigerten Leistung von 300 Kilowatt zugleich effizienter werden soll. Neben solchen Komplettlösungen bietet Bosch auch einzelne Systemkomponenten und Submodule sowie Komponenten für Wasserstoff-Speichersysteme an und kann so jedem Kunden das passende Angebot machen.

Darüber hinaus zeigt der Zulieferer den Status-Quo beim Wasserstoffmotor, der zunächst in schweren Nutzfahrzeugen zum Einsatz kommen soll. Anfang 2024 hat die EU auch diese Antriebslösung als klimaneutral anerkannt. Da sein Konzept aus etablierten Diesel- und Erdgasmotoren abgeleitet ist, können Motorenhersteller hier mehr als 90 Prozent bestehender Entwicklungs- und Fertigungstechnologien nutzen. Bosch entwickelt für den Wasserstoffmotor die maßgeblichen Komponenten des Einspritzsystems, darunter einen neuen Injektor für die Direkteinblasung, der ohne zusätzliche Schmierung auskommt und im Jahr 2026 auf den Markt kommen soll. Der Markteintritt der ersten mit Bosch-Saugrohreinblasung ausgestatteten Wasserstoffmotoren ist für das Jahr 2025 geplant.

Batterietechnologie

Auf der IAA Transportation bringt BorgWarner neue Lithium-Eisenphosphat-Batteriepacks mit. Diese sind das Ergebnis aus der Zusammenarbeit zwischen dem US-amerikanischen Automobilzulieferer und der BYD-Tochter FinDreams Batteries. Im Rahmen des im Februar 2024 geschlossenen Abkommens mit FinDreams Batteries wird BorgWarner LFP-Batteriesysteme mit den Battery-Blade-Zellen für Nutzfahrzeuge der BYD-Tochter anbieten. Die Laufzeit dieser Vereinbarung beträgt acht Jahre und umfasst Europa, Nord- und Südamerika sowie ausgewählte Regionen im asiatisch-pazifischen Raum. Darüber hinaus hat der Automobilzulieferer auch eine Lizenz für die Nutzung des geistigen Eigentums von FinDreams Battery in Bezug auf das Design und den Fertigungsprozess der Batteriesysteme erhalten. „Diese innovativen LFP-Batteriepacks stellen einen bedeutenden Fortschritt zur Verbesserung der Effizienz, Kosteneffektivität und Nachhaltigkeit von Nutzfahrzeugen dar“, ist sich BorgWarner sicher.

Am Stand C65 in Halle 12 wird auch die neue DC-Ladestation des Unternehmens zu sehen sein. Mit einem skalierbaren Leistungsbereich von 120 kW bis 360 kW eignet sich diese Schnellladestation für die Ladeanforderungen öffentlicher Ladestationen und kommerzieller Elektrofahrzeugflotten.

Der chinesische Batteriehersteller CATL hat eine neue Marke namens Tianxing für Nutzfahrzeug-Akkus eingeführt. Diese Batterien sollen Kapazitäten von 30 bis 200 kWh umfassen und sich für eine Vielzahl von Nutzfahrzeugen in verschiedenen Branchen eignen. Dabei setzt CATL auf eine doppelschichtige großflächige Flüssigkeitskühlung und neuartige Isoliermaterialien aus der Luftfahrt. Die Verwendung des Cell-to-Pack-Ansatzes soll zudem die Energiedichte erhöhen, das Gewicht reduzieren und Kosten sparen. Zu den ersten Produkten sollen die Tianxing L Superfast Charging Edition und die Tianxing L Long Range Edition gehören, die beide für leichte Nutzfahrzeuge konzipiert sein sollen. Während die Superfast Charging Edition als 140kW-Einheit dabei eine vollständige Aufladung in 15 Minuten und 60 Prozent der Ladung in zwölf Minuten wiederherstellen kann, hat die Long Range Edition eine Kapazität von 200 kWh und eignet sich laut CATL für Transportdienstleister im Mittel- und Langstreckenbereich. Die Reichweite soll 500 Kilometer betragen. Gleichermaßen gab das Unternehmen an, dass die Batterien bereits in Serie produziert und in 21 Modellen von 13 verschiedenen Unternehmen integriert sind, darunter Dongfeng und SAIC Maxus.

Ladeinfrastruktur

Milence, das Joint Venture zwischen Daimler Truck, Traton und Volvo, hat zusammen mit Power Electronics erfolgreich ein neues Megawatt Charging System (MCS) getestet. Dieser Meilenstein wurde mit einem Prototyp des Mercedes-Benz eActros 600 erreicht. Mit dieser Technologie sollen Batterien innerhalb von rund 30 Minuten geladen werden, was die Effizienz und Praktikabilität von Elektro-Lkw im Langstreckenverkehr erheblich steigern soll. Der Test erreichte eine Ladeleistung von 1.100 Kilowatt. Weitere Tests mit verschiedenen Lkw-Marken sind geplant, um die Systembereitschaft für den Markt sicherzustellen. Auf der IAA Transportation wird Milence neue Entwicklungen und ihre europäischen Netzwerkausbaupläne vorstellen sowie Workshops zum Thema anbieten.

Auch DAF stellt das Thema Ladeinfrastruktur in den Mittelpunkt. Das Unternehmen hat sich dem Konsortium „HDV Booking“ angeschlossen, das an der Entwicklung einer Plattform für die Reservierung öffentlicher Ladestationen für Lkw in Europa arbeitet. Dadurch wird die Verfügbarkeit vollelektrischer DAF-Lkw, insbesondere für den Fernverkehr, weiter erhöht. Die Plattform von HDV Booking soll 2026 europaweit in Betrieb genommen werden.

 (se)

(ID:50155797)