Zukunft der Tankstelle

Vom Sprithändler zum Energiemarktplatz

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Doch die Schnellladesäulen werden vermutlich nicht die einzige Möglichkeit für Tankstellen bleiben, E-Auto-Nutzern Energie zu verkaufen. Derzeit kommen in China Tauschakku-Systeme in Fahrt, bei denen in speziellen Wechselstationen innerhalb weniger Minuten leere gegen volle Traktionsbatterien getauscht werden. Zu den Vorreitern zählt hier der bereits in Europa präsente Hersteller Nio, der seit diesem Jahr einen Wechselstationstypen bereits der zweiten Generation in Großserie produziert.

Erst kürzlich haben sich der Mineralölkonzern Shell und Nio auf eine Zusammenarbeit verständigt. Demnach sollen die Wechselstationen des Autobauers künftig auch auf Shell-Tankstellen stehen. Die Kooperation sieht die Installation von Wechselstationen sowohl in China als auch Europa vor. Nio will seine Autos ab 2022 auch in Deutschland vertreiben, wo ebenfalls Wechselstationen entstehen sollen. Zugleich sollen Nio-Nutzer Zugang zum Ladenetz von Shell bekommen.

Zarte Pflanze Wasserstoff

Neben Schnellladesäulen und Wechselstationen könnten Tankstellen auch Vertriebspartner für einen anderen Energiespeicher der Zukunft werden, mit dem sich CO2-neutrale und elektrisch fahrende Fahrzeuge antreiben lassen: Die Rede ist von Wasserstoff. Noch handelt es sich um ein zartes Pflänzchen, doch in Deutschland gibt es mittlerweile über 90 Tankstellen, die das leichtflüchtige Gas für die wenigen hundert in Deutschland zugelassenen Brennstoffzellenautos bereithalten. Aktuell lässt sich mit dem Wasserstoffverkauf sicher kein Geld verdienen, doch könnte mittelfristig die Bedeutung des sauberen Energieträgers für die Mobilitätswelt an Fahrt aufnehmen.

Mit dem Gas könnten nicht nur Fahrzeuge mit Brennstoffzelle, sondern auch solche mit Wasserstoff-Verbrennungsmotoren angetrieben werden. Unter anderem haben erst kürzlich japanische Motorradhersteller wie Kawasaki und Yamaha angekündigt, Modelle mit Wasserstoff-Verbrennungsmotoren entwickeln zu wollen. Vielleicht werden Tankstellen künftig nicht nur mit dem dafür benötigten Wasserstoff handeln, sondern diesen eines Tages sogar selbst produzieren. Mit einer Solaranlage auf dem Dach und einer Elektrolyseanlage könnte Wasserstoff klimaneutral dort hergestellt werden, wo er auch gebraucht wird.

Vorläufig sind solche Gedankenspiele allerdings noch Zukunftsmusik. Wie genau die Tankstelle der Zukunft aussehen wird, muss auch angesichts vieler vorläufig noch ungeklärter Fragen zum Mobilitätswandel zunächst offenbleiben. Doch ziemlich sicher werden Tankstellen vielerorts künftig anders riechen als bisher. Das Aroma der Diesel- und Benzol-Dämpfe könnte irgendwann verschwinden oder höchstens noch aus der verwaisten „Schmuddelecke“ herüberwabern.

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