Elektromobilität Studie: Fraunhofer FFB und Universität Münster untersuchen Wertschöpfungskette von Lithium-Ionen-Batterien

Von Stefanie Eckardt 4 min Lesedauer

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Je mehr Elektrofahrzeuge über die Straße rollen, desto größer die Nachfrage nach Batterien. Deren Herstellung macht jedoch eine komplexe und global vernetzte Lieferkette notwendig. In einer Studie haben das Fraunhofer FFB und die Universität Münster die Besitzverhältnisse und geopolitischen Abhängigkeiten entlang dieser Lieferkette analysiert. Die Ergebnisse dürften wenig überraschend sein.

Das Fraunhofer FFB und die Universität Münster haben die Wertschöpfungskette von Lithium-Ionen-Batterien untersucht und eine Studie veröffentlicht. (Bild:  frei lizensiert bei Pixabay | KI-generiert)
Das Fraunhofer FFB und die Universität Münster haben die Wertschöpfungskette von Lithium-Ionen-Batterien untersucht und eine Studie veröffentlicht.
(Bild: frei lizensiert bei Pixabay | KI-generiert)

Rohstoffe, wie Lithium, Kobalt, Nickel und Mangan sind für die Produkt von Batteriezellen unersetzlich. In großen Batteriepacks, wie sie zum Beispiel in einem Tesla Model S Plaid verbaut sind, stecken etwa 122 Kilogramm mineralische Rohstoffe. Geografisch gesehen verfügen nur wenige Länder über die Ressourcen, die für den Ausbau der Elektromobilität in großen Mengen benötigt werden. Dazu zählen China, Australien und die Demokratische Republik Kongo. Die Herausforderung: „Mineralische Rohstoffe stehen ganz am Anfang der Lieferkette für die Batteriezellproduktion, und Europa ist zu fast 100 Prozent von Importen abhängig“, erklärt Professor Simon Lux, Institutsleiter der Fraunhofer FFB.

China dominiert Batterie-Lieferkette

Die Studie demonstriert die Besitzverhältnisse hinter Minen, Raffinerien und Produktionsanlagen entlang der gesamten Batterielieferkette. Ergebnisse: China beherrscht nahezu die gesamte Wertschöpfungskette von Lithium-Ionen-Batterien – von der Rohstoffgewinnung bis zur Fertigung der Batterien – und kontrolliert nationale wie auch internationale Produktionskapazitäten. Einzige Ausnahme ist Mangan. Die Tatsache, dass China mit einem Anteil von mehr als 98 Prozent den Großteil der Lithium-Eisenphosphat-Aktivmaterialien produziert, bedeutet eine unmittelbare Abhängigkeit Europas bei dieser kostengünstigeren Batteriechemie. „Die wachsende Rohstoffdominanz Chinas gefährdet die Zukunft der europäischen Elektromobilität“, zeigt sich Lux besorgt und warnt: „Diese Abhängigkeit macht Europa verwundbar. Geopolitische Spannungen oder Exportstopps könnten zu massiven wirtschaftlichen Schäden und Verlusten in Milliardenhöhe führen.“

Die Tatsache, dass China mit einem Anteil von mehr als 98 Prozent den Großteil der Lithium-Eisenphosphat-Aktivmaterialien produziert, bedeutet eine unmittelbare Abhängigkeit Europas bei dieser kostengünstigeren Batteriechemie.

Die Tatsache, dass China mit einem Anteil von mehr als 98 Prozent den Großteil der Lithium-Eisenphosphat-Aktivmaterialien produziert, bedeutet eine unmittelbare Abhängigkeit Europas bei dieser kostengünstigeren Batteriechemie.(Bild:  Fraunhofer FFB)
Die Tatsache, dass China mit einem Anteil von mehr als 98 Prozent den Großteil der Lithium-Eisenphosphat-Aktivmaterialien produziert, bedeutet eine unmittelbare Abhängigkeit Europas bei dieser kostengünstigeren Batteriechemie.
(Bild: Fraunhofer FFB)

Aufholjagd notwendig

Doch auch Europa und die USA verstärken ihre Bemühungen, durch den Erwerb von Minen und Raffinerien größere Kontrolle über die Lieferkette von Lithium-Ionen-Batterien zu gewinnen. Während die USA bei den Eigentumsanteilen am Lithium-Abbau weltweit an zweiter Stelle stehen und Europas Anteile vergleichsweise gering sind, zeigt sich bei Nickel und Kobalt ein umgekehrtes Bild. Besonders betroffen von Unternehmensübernahmen sind Australien, Indonesien und die Demokratische Republik Kongo – Schlüsselregionen für den Abbau von Lithium, Nickel und Kobalt. So stammen 74 Prozent des weltweiten Lithiums aus Australien und Chile, doch chinesische (29 Prozent) und US-amerikanische Unternehmen (26 Prozent) halten die größten Anteile an der Produktion.

Europa besitzt indes keine nennenswerten Lithiumanteile im Ausland.

Abhängigkeit von China muss reduziert werden

Ausfuhrbeschränkungen im Fall von geopolitischen Auseinandersetzungen hätten weitreichende Auswirkungen auf die Stabilität der globalen Batterielieferkette zur Folge. Mögliche Hebel für eine sichere und souveräne Batterielieferkette in Europa können den Autoren zufolge Investitionen in den Ausbau eigener Raffineriekapazitäten, die Förderung strategischer Rohstoffpartnerschaften und die Stärkung der lokalen Kreislaufwirtschaft sein. Das gemeinsame Paper von Fraunhofer FFB und der Universität Münster stützt sich auf eine umfassende Datenanalyse. Dazu wurden die Eigentumsverhältnisse entlang der globalen Lithium-Ionen-Batterie-Lieferkette analysiert und mit der geografischen Verteilung der Produktionsanteile verglichen. Ziel der Untersuchung ist es, ein ganzheitliches Bild der aktuellen Machtstrukturen in der Branche zu zeichnen.

Eigentumsverhältnisse und Produktionsanteile im Detail

Für die vier untersuchten Rohstoffe Lithium, Nickel, Kobalt und Mangan ergibt sich ein differenziertes Bild der globalen Besitz- und Einflussverhältnisse:

  • Lithium: 74 Prozent des weltweiten Lithiums stammen aus Australien und Chile. Nichtsdestotrotz halten Unternehmen wie Tianqi Lithium aus China und Albemarle aus den USA die größten Anteile an der weltweiten Produktion, wobei China auf 29 Prozent und die USA auf 26 Prozent kommen. Europa besitzt nahezu keine Lithiumanteile im Ausland. Eigenanteile sind vernachlässigbar und beschränken sich bisher auf das Baroso-Lithium-Projekt in Portugal, das lediglich 0,4 Prozent der Produktion ausmacht.
  • Nickel: Obwohl 30 Prozent der weltweiten Nickelproduktion in Indonesien stattfindet, liegt der Anteil indonesischer Unternehmen an der Gewinnung bei weniger als fünf Prozent. Von der restlichen Produktion in Indonesien sichern sich chinesische Unternehmen, zum Beispiel Tsingshan, 86 Prozent, wodurch China in Verknüpfung mit der inländischen Produktion die größte Kontrolle (32 Prozent) über die Nickelproduktion hält. Zu den einflussreichsten Regionen nach China zählen Europa, die Philippinen und Russland, die zusammen knapp über 40 Prozent der weltweiten Produktion kontrollieren.
  • Kobalt: Lokale Unternehmen kontrollieren nur fünf Prozent der Minen, obwohl 68 Prozent der weltweiten Produktion in der DR Kongo dort stattfinden. China (47 Prozent) und Europa (47 Prozent) dominieren die dortige Produktion – mit Akteuren wie CMOC, Glencore und Eurasian Resources Group (ERG). Abseits der chinesischen und europäischen Kontrolle sind die Philippinen, Russland und Kuba einflussreich (zwölf Prozent).
  • Mangan: Australien weitet seinen Einfluss durch die Akquise von mehr als der Hälfte südafrikanischer Abbaurechte mittels der Unternehmen »South 32« und »Jupiter Mines« auf insgesamt 25 Prozent aus. Südafrika liegt mit 20 Prozent an zweiter Stelle, gefolgt von Europa, das insgesamt auf einen Anteil von 16 Prozent an der weltweiten Manganproduktion kommt. Diese Anteile erstrecken sich über Minen in Australien, Gabun und der Ukraine, die von Anglo American, Eramet und der ERG erworben wurden.

(se)

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