Künstliche Intelligenz im Auto ist kein Zukunftsthema. Schon heute macht sie das Fahren sicherer. Und schon bald kann sie noch mehr.
Künstliche Intelligenz hilft dem Menschen künftig beim Autofahren.
(Bild: Volvo)
Autos werden immer schlauer. Künstliche Intelligenz ist mittlerweile in jedem neuen Kleinwagen automatisch mit an Bord – und sie erobert immer weitere Bereiche. Angst vor einem übermächtigen Roboter-IQ müssen Autofahrer aber nicht haben.
Einfache KI in jedem neueren Kleinwagen
Kaum ein elektronisches oder digitales Produkt kommt heute mehr ohne „Künstliche Intelligenz (KI)“ aus. Von der Schreibtischlampe bis zum Kundenservice-Chat-Bot des Mobilfunkproviders – alle rühmen sich besonderer artifizieller Schlauheit. Auch die Automobilhersteller werben mit immer intelligenteren und autonomeren Fahrzeugen – meist sind das zukünftige oder besonders kostspielige Modelle.
Dabei ist eine einfache Form der KI schon in jedem neueren Kleinwagen an Bord – zumindest dann, wenn ein Notbrems- oder ein Spurhalteassistent zur Ausstattung zählen. Bei diese mittlerweile zum Standard avancierten Helfern dient sie beispielsweise dazu, die Bilder der Windschutzscheibenkamera zu interpretieren. Kommt dahinten vielleicht ein Fußgänger? Überfahre ich gleich die Linie der Spurmarkierung? Und ist das dort vorne wirklich ein Tempo-50-Schild?
Künstliche Intelligenz muss ausgiebig trainiert werden
Um diese Frage zu beantworten, braucht es eine bestimmte Form von Wissen über menschliche Physiognomie – und über Verkehrszeichen-Design. Analog dazu übt sich die Spracherkennung in Intelligenz und horcht dem Fahrer seine Navigationswünsche oder Steuerungsbefehle ab – auch Nuschler und Dialekt-Sprecher müssen dabei verstanden werden.
Damit die KI solch vergleichsweise simplen Aufgaben erledigen kann, muss sie ausgiebig trainiert und geprüft werden. Und zwar immer schon vor dem Einbau ins Fahrzeug. An Bord ist diese Form der Intelligenz dann nicht entscheidend lernfähig. Fachleute sprechen daher von „narrow AI“ – „schwacher KI“. Lernfähige Intelligenz gibt es an Bord nicht, wenn es die sicherheitsrelevanten Fahrfunktionen betrifft.
Entsprechend bleibt die Kompetenz des Computers auf ein einziges oder einige wenige Einsatzgebiete beschränkt. Eine gewisse Lernfähigkeit ist beispielsweise bei der Sprachsteuerung im MBUX-System von Mercedes gegeben oder bei Navigationssystemen, die bekannte Routen automatisch anzeigen, aber nicht mehr ansagen.
Im Auto gibt es keine „General AI“
Nicht im Auto zu finden ist eine allgemeine Intelligenz („general AI“), also Intelligenz in einem menschlichen Sinne, die sich neuen Herausforderungen und Aufgaben anpassen könnte. Und auch in naher Zukunft wird sie nicht verfügbar sein, wie der europäische Fahrzeugherstellerverband ACEA prognostiziert. Der gesunde Menschenverstand, Selbst-Bewusstsein und freier Wille bleiben also zunächst der Frau oder dem Mann am Steuer vorbehalten.
Ersetzbar ist der Mensch hingegen zunehmend während alltäglicher Fahrsituationen. Für das hochautomatisierte Fahren der nahen Zukunft reicht auch eine Weiterentwicklung der vergleichsweise simplen Auswendiglernen-KI, die sich auf Bild- und Spracherkennung oder die Informationen weiterer Sensoren stützt. Die UN etwa schlägt in ihren Regelungen zum autonomen Fahren vor, Fahrzeuge künftig auch während der Fahrt weiter lernen zu lassen.
So könnten entsprechend ausgestattete Autos beispielsweise in Echtzeit Umgebungskarten auf Basis von Video-, Radar- und Lidar-Informationen erstellen und selbst zur Orientierung nutzen oder über eine Cloud mit anderen Verkehrsteilnehmern teilen. Die Industrie erhofft sich von dem Intelligenz-Zuwachs langfristig mehr Sicherheit und einen besseren Verkehrsfluss.
Effizientere Qualitätschecks und Marketing-Möglichkeiten
Doch damit sind die Einsatzmöglichkeiten von KI im Auto noch lange nicht erschöpft. Der ACEA etwa sieht eine ganze Reihe weitere mögliche Szenarien für ihren Einsatz. Die finden sich schon bei der Fahrzeugentwicklung, die durch die Computer-Intelligenz beschleunigt werden kann. Es geht weiter in der Fabrik, wo künstliche Intelligenz effizientere Qualitäts-Checks bei allen möglichen Abläufen erlauben könnte.
Und auch wenn das Fahrzeug in Kundenhand ist, kann sich KI nützlich machen, indem sie erkennt, wann Reparaturen anstehen und schon mal einen passenden Werkstatttermin vorschlägt. Und nicht zuletzt eröffnet die digitale Intelligenz neue Marketing-Möglichkeiten, indem sie Wünsche und Bedürfnisse der Fahrzeuginsassen erkennt und passende Konsumprodukte vorschlägt. Sei es das Restaurant am Wegesrand oder ein Assistenzsystem zum Herunterladen.
Stand: 08.12.2025
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Davor, dass das Auto zu clever wird und den Menschen unterjocht, muss man sich aber wohl nicht sorgen. Ob es einem mulmig wird, wenn das Auto alles kommerziell Verwertbare über seine Insassen und ihr Innenleben weiß – das muss jeder für sich selbst entscheiden.