Luftfahrt Security-Risiken durch vernetzte Flugzeugsysteme beherrschen

Von Stefanie Eckardt 5 min Lesedauer

Weil die Vernetzung auch im Flugzeug stetig voranschreitet, spielt Security und das Wissen über potenzielle Risiken und Herausforderungen in der Luftfahrt eine wichtige Rolle. Hier bringt sich Axiom Aviation als Partner ins Spiel.

In einem Privatflugzeug nutzen Passagiere Smartphones, Laptops, Tablets und Smartwatches, die alle mit dem WLAN-Netzwerk des Flugzeugs verbunden sind. Das vverändert grundlegend das Risikoprofil des Flugzeugs.(Bild:  frei lizensiert bei Pexels)
In einem Privatflugzeug nutzen Passagiere Smartphones, Laptops, Tablets und Smartwatches, die alle mit dem WLAN-Netzwerk des Flugzeugs verbunden sind. Das vverändert grundlegend das Risikoprofil des Flugzeugs.
(Bild: frei lizensiert bei Pexels)

In den Anfängen der Geschäfts- oder Privatluftfahrt war die Flugzeugkabine ein Ort der Abgeschiedenheit. Führungskräfte und vermögende Privatpersonen konnten fliegen, ohne ständig durch E-Mails, Videoanrufe und digitale Benachrichtigungen unterbrochen zu werden. Diese Ära ist endgültig vorbei. Heute ist Vernetzung nicht mehr nur ein optionaler Luxus. Sie ist für die meisten Käufer und Charterkunden zu einer grundlegenden Anforderung geworden. Führungskräfte aus der Wirtschaft erwarten, dass sie wichtige Besprechungen per Videokonferenz in mehr als 10.000 Meter Höhe genauso reibungslos durchführen können wie im Büro am Boden.

Der Fortschritt in der Satellitentechnologie und bei Luft-Boden-Netzwerken hat diesen Wandel vorangetrieben. Anbieter können nun Systeme mit Breitbandgeschwindigkeiten einführen, was vor einem Jahrzehnt noch unvorstellbar war. Beispielsweise haben Dienste wie Starlink das Satelliten-Internet in der niedrigen Erdumlaufbahn (LEO) auf dem Luftfahrtmarkt eingeführt. Es bietet Hochgeschwindigkeitsverbindungen, die selbst ressourcenintensive Aktivitäten wie Streaming und Gaming unterstützen. Gleichzeitig setzen langjährige Branchenführer wie Gogo Business Aviation ihre Entwicklungen mit 5G-Netzwerken und Luft-Boden-Systemen fort, die insbesondere für die besonderen Anforderungen im Business-Bereich gedacht sind.

Wenn man all diese Systeme zusammenführt, wird ein Privatjet praktisch zu einem fliegenden Rechenzentrum. Die Passagiere bringen Smartphones, Laptops, Tablets und Smartwatches mit, die alle mit dem WLAN-Netzwerk des Flugzeugs verbunden sind. Das verbessert Produktivität und Entertainment, verändert aber auch grundlegend das Risikoprofil des Flugzeugs. Security rückt vermehrt in den Fokus.

Datensicherheit in der Luft

Die größte Sorge vieler Passagiere in Bezug auf Cybersecurity ist oft, dass ein Hacker die Kontrolle über das Flugzeug übernimmt – wie in einem Hollywood-Blockbuster. Branchenexperten sind sich jedoch einig: Die unmittelbarere und wahrscheinlichere Bedrohung ist die Datensicherheit.

In der Regel kommt in Flugzeugsystemen eine Architektur zum Einsatz, die kritische Avionik von den Unterhaltungs- und WLAN-Netzwerken für Passagiere trennt. Dieses Konzept, das oft als Netzwerksegmentierung bezeichnet wird, ist wichtig. Seine Aufgabe ist es, zu verhindern, dass ein kompromittiertes Passagiergerät den sicheren Betrieb des Flugzeugs beeinträchtigt.

Die eigentliche versteckte Herausforderung ist die Anfälligkeit der übertragenen Daten. Prominente Persönlichkeiten und Führungskräfte von Unternehmen besprechen während des Fluges oft sensible Themen wie Fusionen, Übernahmen und firmeneigene Strategien. Ein ungesichertes Flugzeugnetzwerk ist ein leichtes Ziel für Unternehmensspionage oder Datenabfang. Cyberkriminelle werden immer raffinierter und haben oft auch leichtes Spiel.

Die Bedrohung kommt aber nicht immer nur von außen. Die „Insider-Bedrohung” bleibt ein bedeutender Faktor für die Cybersicherheit in allen Branchen, einschließlich der Luftfahrt. Das heißt nicht unbedingt, dass die Besatzung oder das Personal böswillige Absichten haben. Häufiger ist sie auf menschliches Versagen oder Unwissen zurückzuführen. Beispielsweise könnte ein Passagier nicht wissen, dass sein Laptop infiziert ist, und sich mit dem WLAN der Kabine verbinden. So sieht die heutige Realität aus, die verdeutlicht, dass Technologie allein nicht alle Sicherheitsherausforderungen lösen kann. Betriebsabläufe und Bewusstsein sind ebenso wichtig.

Cybersecurity darf keine nachträgliche Überlegung sein

Unternehmen, die Konnektivitäts-Hardware und -dienstleistungen anbieten, sind sich dieser Risiken allerdings bewusst und arbeiten daran, die Risiken zu reduzieren. Cybersicherheit ist hier selten eine nachträgliche Überlegung. Sie ist fest in entsprechende Angebote integriert. Gogo Business Aviation beispielsweise betont, dass Sicherheit in jedes Element seiner Verbindung integriert ist. Das Unternehmen kombiniert seine eigene Netzwerkinfrastruktur mit internen Cybersicherheitsexperten, um den Datenverkehr zu überwachen. Dazu gehören Algorithmen, die die Bordsysteme kontinuierlich überwachen, um potenzielle Probleme zu identifizieren und zu beheben, bevor sie zu größeren Problemen werden. Außerdem werden Verschlüsselungsprotokolle eingesetzt, um eine durchgängige Sicherheit bei der Datenübertragung zu gewährleisten.

Standards und Vorschriften

Regeln und Vorschriften der Luftfahrt im Bereich Cybersicherheit entwickeln sich ständig weiter, um mit den technologischen Veränderungen Schritt zu halten. Die Federal Aviation Administration (FAA) und andere Behörden spielen eine aktive Rolle bei der Festlegung von Cybersicherheitsstandards für die Branche. Die National Business Aviation Association (NBAA) ist eine weitere wichtige Ressource, die Betreibern umfassende Leitlinien zur Verfügung stellt. So fördert sie beispielsweise die Idee, das WLAN-Netzwerk eines Privatjets als eine sogenannte „Zero-Trust“-Umgebung zu behandeln. Mit anderen Worten: Das Netzwerk sollte keinem Gerät und keinem Nutzer automatisch vertrauen. Die NBAA betont auch, wie wichtig es ist, Best Practices für die Gerätenutzung festzulegen und wachsam gegenüber Bedrohungen und Praktiken wie GPS-Spoofing und -Jamming zu bleiben.

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Was bedeutet diese sich wandelnde Landschaft für Käufer und Eigentümer? Es bedeutet, dass die Einhaltung von Vorschriften zur Cybersicherheit wahrscheinlich zu einem Standardbestandteil der Lufttüchtigkeit und Wartung von Flugzeugen werden wird. So wie ein Flugzeug Sicherheitsstandards für seine Triebwerke und seine Flugzeugzelle erfüllen muss, wird es zunehmend auch Standards für seine digitale Widerstandsfähigkeit erfüllen müssen.

Stärkerer Fokus auf Security

Viele Hersteller und Dienstleister bieten robuste Cybersicherheits-Werkzeuge an. Letztendlich liegt die Verantwortung für die Sicherheit jedoch beim Betreiber. Alle Beteiligten für Cyberbedrohungen zu sensibilisieren, ist genauso wichtig wie die im Flugzeug installierte Hardware. Experten raten Eigentümern zu folgenden Schritten, um ihre Sicherheitslage zu verbessern:

  • Starke Netzwerksegmentierung. Es sollte sichergestellt werden, dass die WLAN-Netzwerke für Passagiere von den Netzwerken der Besatzung und den Flugbetriebsdaten getrennt sind, um eine gegenseitige Kontamination zwischen kritischen und nicht kritischen Systemen zu verhindern.
  • Gastnetzwerk. Eine spezielle Verbindung für den gelegentlichen Gebrauch, die sich von dem sicheren Netzwerk für sensible Geschäftskommunikation oder Flugplanung unterscheidet, ist wichtig.
  • Strenge Passwortprotokolle. Komplexe Passwörter für alle Bordnetzwerke sind notwendig. Diese sollten regelmäßig geändert werden, um den unbefugten Zugriff durch ehemalige Mitarbeiter oder frühere Passagiere zu verhindern.
  • Aktualisierte Software. Veraltete Systeme sind anfällig; Patches für Bordsysteme und Firmware, nützlich.
  • Regelmäßige Schulungen für die Besatzung. Ein geschultes Flugpersonal und Mitarbeiter erkennen potenzielle Cyberbedrohungen wie Phishing-Versuche oder verdächtige Netzwerkaktivitäten schneller.
  • Sicherheitsinformation für die Netzwerkbenutzer.

Welche Schlussfolgerungen lassen sich ziehen?

Mit Blick auf die Zukunft der privaten Luftfahrt müssen Eigentümer und Betreiber aus vielen Gründen noch mehr Aufmerksamkeit auf die Schnittstelle zwischen Konnektivität und Sicherheit richten, unter anderem weil Interessengruppen wie Charterkunden Fragen haben werden. Ist das Netzwerk sicher? Sind die Netzwerke für Passagiere und Besatzung voneinander getrennt? Wie „vertraut“ das Netzwerk den Geräten? Wie oft werden Passwörter geändert?

Künstliche Intelligenz (KI) bringt trotz ihrer vielen Vorteile auch neue Risiken mit sich. Sie kann die Erkennung von Bedrohungen verbessern und Anomalien im Netzwerkverkehr schneller identifizieren als jeder menschliche Analyst. Allerdings können böswillige Akteure sie auch nutzen, um effektivere Angriffe zu starten. (se)

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