Cloud-Ausfälle in der E-Mobilität SDV ohne Cloud: Fisker-Autos werden vorerst kein teurer Schrott

Von Susanne Braun 4 min Lesedauer

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Ein modisches Schlagwort der Automobilindustrie ist nicht erst seit diesem Jahr das softwaredefinierte Fahrzeug, kurz SDV für Software-Defined Vehicle. In vielen Fällen benötigt die Software eine relativ stabile Verbindung zu den Hersteller-Servern, zumindest für Updates. Was passiert, wenn das nicht mehr möglich ist? Das zeigt die Insolvenz von Fisker.

Was passiert mit einem Fahrzeug, das ständige Verbindung zu den Hersteller-Servern benötigt und nicht hat?(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Was passiert mit einem Fahrzeug, das ständige Verbindung zu den Hersteller-Servern benötigt und nicht hat?
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Im Juni 2024 hat der E-Auto-Hersteller Fisker Insolvenz angemeldet, und die Abwicklung des Unternehmens ist dieser Tage um eine Geschichte reicher, über die man in einem ruhigen Moment mal nachdenken sollte. Dabei dreht es sich um die Software, die das Fahrzeug steuert, und die dafür notwendige Verfügbarkeit der kontinuierlichen Anbindung an die Server des Herstellers.

Ein Software-Defined Vehicle (SDV) ist ein Fahrzeug, bei dem wesentliche Funktionen und Systeme überwiegend durch Software gesteuert werden, anstatt nur durch fest installierte Hardware – nicht erst seit diesem Jahr geht einer der Trends der Automobilindustrie in diese Richtung, wie sich auf den zahlreichen Technologie- und Fahrzeugtechnikmessen bestaunen ließ. SDV bedeutet, dass das Fahrzeug kontinuierlich durch Software-Updates verbessert und angepasst werden kann, ähnlich wie bei Smartphones oder Computern.

Bedeutet aber auch, dass ein Gerät im schlimmsten Fall nicht mehr funktioniert, wenn es nicht über eine Cloud Verbindung zu den Hersteller-Servern hat und nicht mehr aktualisiert werden kann. Ein Smartphone ist ohne Software nicht viel wert. Und ein Fisker ist ohne Verbindung zu den Hersteller-Servern offenbar nicht viel mehr als ein großer, unbeweglicher Brocken mit vier Reifen. Das mussten laut den Fundstücken der Autoren von TechCrunch kürzlich die Verantwortlichen des Unternehmens American Lease feststellen, die eigentlich rund 3.300 Fisker Oceans, das SUV-Modell des Autobauers, übernehmen wollten und dafür einige Millionen US-Dollar springen ließen.

Alarmstufe Rot

Im Juli 2024 war man übereingekommen, dass American Lease 46,25 Millionen US-Dollar für die bis dato von Fisker nicht verkauften Oceans bezahlt, um die Fahrzeuge in ihre eigene Flotte zu übernehmen. Das Geld wiederum war Berichten zufolge für Fisker essenziell, um das Konkursverfahren in Gang zu bringen und um sich lange genug am Leben zu halten, um Schulden zu begleichen sowie um die Liquidierung von Vermögenswerten im Wert von rund einer Milliarde US-Dollar vorzubereiten.

So eigentlich der Plan, doch American Lease reichte am 7. Oktober 2024 einen Dringlichkeitsantrag ein, um Einspruch gegen die Genehmigung des vorgeschlagenen kombinierten Insolvenzplans und der Offenlegungserklärung zu erheben. „Seit der gerichtlichen Genehmigung des Verkaufs und der Bezahlung und Annahme der ersten Lieferungen von Fisker-Fahrzeugen durch den Käufer sind zahlreiche logistische Probleme und andere Herausforderungen aufgetreten“, heißt es darin.

Am 4. Oktober seien die Vertreter von American Lease von den Schuldnern darüber informiert worden, dass die Betriebskontrolle der Fisker-Fahrzeuge technisch gesehen nicht von dem Fisker-Server, mit dem die Fahrzeuge derzeit verbunden sind, auf einen anderen Server „portiert“ werden kann, der dem Käufer gehört oder von ihm kontrolliert wird. Bedeutet: Die Ocean-Fahrzeuge, die bei American Lease landen sollten, können nicht einwandfrei betrieben werden. Bei American Lease ist man hinsichtlich dieser Information „not amused“, denn inzwischen ist fast die vollständige, vereinbarte Geldmenge Richtung Fisker geflossen.

Man einigt sich dann doch irgendwie

Der Insolvenzplan von Fisker wurde inzwischen richterlich genehmigt. Es wurden dabei einige wichtige Fragen geklärt. So hatte Fisker laut Untersuchungen des Departments of Justice zufolge versucht, Rückrufkosten für die Behebung von defekten Bremsen und einer defekten Wasserpumpe des Oceans auf die Kunden abzuwälzen. Man hat sich nun darauf geeinigt, dass Fisker diese Kosten übernimmt.

Außerdem wurde eine Lösung für die Aufrechterhaltung von Software-Updates gefunden, die für den weiteren Betrieb des Ocean unerlässlich sind. American Lease erklärte sich bereit, fünf Jahre lang einen Cloud-Zugang für diese Software-Updates bereitzustellen – da die Daten allem Anschein nicht übertragen werden können, hat man sich nun wohl darauf geeinigt, die Serverinfrastruktur von Fisker zu übernehmen. Zumindest wenigstens für fünf Jahre.

Wenn Dinge verschwinden oder ihre Funktion verlieren

Das regelt natürlich vorerst den Fall Fisker, dennoch bleibt das grundlegende Problem erhalten. Gamer denken an einer Zeit, in der die Plattform Steam schon vor Jahren die „Always On“-Regel geläufig machte, an zahlreiche Spiele, die nicht mehr spielbar sind, weil dazugehörige Server nicht mehr betrieben werden. Auch im IoT-Bereich haben schon viele Geräte ihre Funktion verloren. 

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Erinnern Sie sich an die Smarthome-Hubs von Revolv oder Insteon? An die Harmony-Link-Fernbedienungen von Logitech, mit denen sich Heimkinosysteme steuern ließen – übrigens war das auch der einzige Weg, einer Playstation eine Fernbedienung zu verpassen. Erinnern Sie sich an die Pebble-Smartwatch, deren Funktionen nach der Fitbit-Übernahme eingeschränkt wurden? Das Internet und ChatGPT spucken viele solche Beispiele aus, wenn man sie danach fragt – und in Zukunft werden weitere hinzukommen.

Im Falle einer Fernbedienung, eines Haushaltsroboters oder eines Online-Rollenspiels mag das ärgerlich, aber irgendwie verschmerzbar sein. Die Investition war in den meisten Fällen überschaubar. Wenn allerdings die komplette Produktion wegen einer nicht verfügbaren Cloud still liegt oder das eigene Auto nicht mehr betrieben werden kann, dann ist das ein Problem.

Das Beispiel Fisker sollte auch die Angreifbarkeit von Hard- und Software in unser Gedächtnis rücken. Denn Geräte und Maschinen, die „Always On“ sind, sind auch „Always angreifbar“, wenn Aspekte der Cybersicherheit vernachlässigt werden. Immerhin hat der aktuelle Sonnenzyklus langsam seinen Höhepunkt erreicht, aber das ist noch einmal ein anderes Thema. (sb)

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