Laut einer Studie wünscht sich rund die Hälfte der Arbeitnehmer flexiblere Mobilitätsangebote von den Arbeitgebern. SAP reagiert darauf und bietet nun auch Mobilitätsbudgets an. Wie das Angebot des Software-Konzerns aussieht und wo es aus Sicht von Experten dabei noch Handlungsbedarf gibt.
SAP hat bereits Pilotversuche zu Mobilitätsbudgets durchgeführt und rollt das Programm nun weiter aus.
(Bild: SAP)
Mobilitätsbudget statt „Dienstwagenpflicht“ – das kommt zunehmend in Mode. Auch der Software-Konzern SAP gestaltet sein Mobilitätsangebot für Mitarbeiter inzwischen flexibler als in der Vergangenheit. Mit einem Piloten im letzten Jahr gestartet, rollt das Unternehmen sein Mobilitätsbudget immer weiter aus.
Beschäftigte können dabei die Verkehrsmittel ihrer Wahl weitgehend frei wählen, statt nur auf einen Dienstwagen zurückgreifen zu können. Grenzen will SAP dort setzen, „wo das Angebot Nachhaltigkeitszielen im Weg steht“ – beispielsweise kann es Einschränkungen für Flugreisen geben. Belege für Fahrten mit Zug, Taxi, Ridesharing-Dienst und Co. will das Unternehmen künftig in einer App erfassen, digitalisieren und so automatisiert abrechnen.
SAP-Deutschland-Personalchef Cawa Younosi erklärte beim Karrierenetzwerk Linkedin: „Unsere Motivation sind Umweltschutz und Mitarbeiterzufriedenheit, nicht das Sparen von Verwaltungskosten.“ Bei SAP hätten alle Beschäftigten „gegebenenfalls nach einer dreijährigen Wartezeit“ einen Anspruch auf einen Firmenwagen oder eine Mobilitätsalternative. Das Angebot beschränke sich nicht nur auf Führungskräfte. Das vorhandene Budget sei entsprechend ihres Beschäftigungsgrades für alle gleich.
Komplett abschaffen wolle SAP die Firmenfahrzeuge damit nicht, führt Younosi weiter aus. „Dienstwagen gibt es weiterhin, aber mit ökologischem Fokus. Am Ende geht es nicht um Entweder-Oder, sondern um bedarfsgerechte Nutzung. Menschen in ländlichen Gebieten haben beispielsweise andere Bedürfnisse an Mobilität als in Städten“, so der Personalchef.
70 Prozent wollen Dienstwagen nicht abgeben
Dass immer mehr Arbeitnehmer nach flexibleren Mobilitätsangeboten suchen, will SAP mit einer Mobilitätsstudie untermauern. Demnach ist das bei der Hälfte von insgesamt 628 online befragten Personen der Fall. Bei Stadtbewohnern ist jener Wunsch stärker ausgeprägt (57 %) als bei Beschäftigten, die auf dem Land leben (40 %). Für Städter ist beispielsweise ein Jobticket in der eigenen Region deutlich attraktiver (52 %) als für die Land-Bevölkerung (32 %).
Ähnlich verhält es sich mit einer Bahncard (Stadt: 47 % Befürworter, Land: 29 %). 44 Prozent aller Befragten wünschen sich ein bezuschusstes E-Bike. Und immerhin 40 Prozent halten einen Dienstwagen für überflüssig. Allerdings zeigte sich auch: Wer Zugriff auf eine Firmenfahrzeug hat, weiß das zumeist zu schätzen. 70 Prozent jener Gruppe gaben an, auf einen Dienstwagen nicht mehr verzichten zu wollen.
Die Befragung zeigte auch, dass eine Mehrheit von 56 Prozent mit dem eigenen Auto zur Arbeit fährt. Und das, obwohl 70 Prozent aller Befragten in einer Stadt wohnen. Öffentliche Verkehrsmittel nutzten für den Arbeitsweg nur 19 Prozent. Wohl auch, weil nur sechs Prozent der Umfrageteilnehmer entsprechende Tickets von ihrem Arbeitgeber erstattet bekommen.
Versteuerung als Hürde
SAP will dabei nun ein Zeichen setzen. Alle Fragen rund um die Mobilitätsbudgets sind allerdings noch nicht geklärt. Beispiel Versteuerung: Dienstwagenfahrer profitieren dabei von der 1-Prozent-Regelung (bzw. 0,5 Prozent bei Elektroautos). Für andere Verkehrsmittel gibt es solche Regelungen nicht. Laut Mobilitätsbudget-Expertin Sylvia Lier ist die steuerliche Handhabung der Budgets „komplex, kompliziert und sowohl für Arbeitgeber und Arbeitnehmer finanziell unattraktiv“. Beispielsweise müsse der Sharinganteil eines Mobilitätsbudgets voll individual oder mit pauschal 30 Prozent als Sachkosten versteuert werden.
Cawa Younosi bezeichnete das als „nicht schön aus Experience-Gründen“. Er hoffe, dass der Gesetzgeber Änderungen vornehme. Auch Sylvia Lier sprach sich für eine steuerliche Incentivierung von Mobilitätsbudgets aus. „Idealerweise analog zum Jobticket, das seit 2019 richtigerweise steuerbefreit ist“, so die Expertin.
SAP streicht Verbrenner aus der Flotte
Am Mittwoch kündigte SAP zudem an, ab 2025 nur noch Elektroautos für den eigenen Fuhrpark bestellen zu wollen. Aktuell zählt die Konzern-Flotte rund 27.000 Fahrzeuge. Bislang hatte sich das Unternehmen vorgenommen, dass bis 2025 jeder dritte Dienstwagen ein E-Auto sein sollte.
SAP-Finanzvorstand Luka Mucic erklärte dazu: „Klimaschutz ist eine der dringendsten Herausforderungen weltweit. Es ist unser Anspruch, Teil der Lösung zu sein. Unsere Flotte ist dabei eine wichtige Stellschraube.“ Ergänzend dazu will der Konzern seinen Kunden auch neue Softwarelösungen anbieten, die Unternehmen dabei helfen sollen, ihre Klimaziele zu erreichen. „Deshalb erweitern wir unser Portfolio von Nachhaltigkeitslösungen konsequent“, so Mucic.
Stand: 08.12.2025
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