Autonomes Fahren Robobusse revolutionieren den Nahverkehr

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

Während alle über das Robotaxi reden, revolutioniert der Robobus gerade heimlich die Welt der Mobilität. Von Belgien bis Japan, von China bis in die Schweiz rollen bereits überall autonome Busse durch den Stadtverkehr. Busfahrer sind teuer, der Robobus ist günstiger und ebenso sicher.

Robobusse, wir hier von WeRide, sind auf dem besten Wege ein fester Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs zu werden.(Bild:  WeRide)
Robobusse, wir hier von WeRide, sind auf dem besten Wege ein fester Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs zu werden.
(Bild: WeRide)

Auf der Buslinie 16 in Leuven bei Brüssel ist seit letzter Woche ein Robobus unterwegs. Vom Hauptbahnhof bis Heverlee und zurück rollt er. Ein Fahrer ist nicht mehr an Bord. Innen ist er luftig, geräumig, modern. Das ist kein Pilotversuch mehr. Dieser belgische Robobus fährt im regulären, kommerziellen Einsatz – als einer der ersten in Europa. Damit sind die Belgier Pioniere, werden aber ganz bestimmt nicht lange allein bleiben.

Der Business-Case für Robobusse ist so klar wie eine frisch geputzte Windschutzscheibe. Arbeitslöhne machen in der Regel mehr als die Hälfte der Betriebskosten öffentlicher Nahverkehrsbetriebe in Europa aus. Immer mehr Busfahrer gehen in Rente. Perspektivisch wird es in den kommenden Jahren immer schwerer werden, Nachwuchs zu finden. „Europa ist ein wichtiger Markt für autonome Fahrzeuge mit starken öffentlichen Investitionen und klaren Kommerzialisierungs-Pfaden“, erklärt Jennifer Li, CFO und Leiterin des internationalen Geschäfts bei WeRide. Der chinesische Hersteller baut sowohl Robotaxis, als auch Robobusse. Momentan hat er mehr Erfolg mit den fahrerlosen Bussen.

Robobusse übertrumpfen Robotaxis

In Frankreich, der Schweiz, und Spanien, in Japan, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Singapur – in insgesamt elf Ländern fahren bereits die Robobusse von WeRide, während das Unternehmen mit seinen Robotaxis noch auf den ganz großen Durchbruch wartet.

BYD hat im Oktober die erste größere Robobus-Ausschreibung in Singapur gewonnen. Darüber hinaus sind die kleinen Robobusse des chinesischen Herstellers Pix Moving, also der „Guizhou Hankai Intelligent Technology Company, Ltd." aus Guiyang in Südwestchina bereits in 30 Ländern der Erde unterwegs. Erfolgreich ist die Firma vor allem in Japan.

Insgesamt findet gerade eine Revolution der urbanen Mobilität von globalem Ausmaß statt, die aber von vielen Medien bislang kaum einer Zeile gewürdigt worden ist. Irgendwie gelten Robotaxis in San Franzisco als sexy; quadratische Linienbusse am Stadtrand von Shanghai sind es eher nicht. „Während sich die öffentliche Aufmerksamkeit weiterhin auf die verlustreichen, geldverbrennenden Robotaxis richtet, entsteht im Stillen ein lange unterschätzter Billionen-Yuan-Markt“, schreibt das chinesische Technologieportal Zhijia Zuiqianyan.

Robotaxis machen selbstverständlich auch Fortschritte. Weltweit gibt es Pilotprojekte, oft ebenfalls mit Beteiligung von WeRide und anderen chinesischen Herstellern. Im Moment aber haben die Robobusse die fahrerlosen Taxis klar überholt.

Der Markt für Robobusse wächst

Der globale Markt für autonome Stadtbusse wird vermutlich von rund 227 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf rund 365 Milliarden Euro im Jahr 2032 wachsen, heißt es in einer Prognose von „Fortune Business Insights". Bevor die chinesischen Robobusse in so viele Weltmärkte expandieren konnten, hatten sie die Technologie daheim in China geduldig erprobt. Die Ministerien in Peking arbeiten schon seit Jahren an der regulatorischen Grundlage, Provinzen und Städte überall im Land hatten mit Pilotprojekten begonnen.

Angefangen hatte es mit ersten autonomen Bussen für Touristen. Als da keine wesentlichen Unfälle passierten, ließ man die ersten Robobusse auf Teststrecken im Pekinger Technologie-Vorort Yizhuang und durch den Bezirk Jiading in Shanghai rollen.

Seit der zweiten Hälfte 2025 sind nun schon in mehr als zehn chinesischen Provinzen Robobusse regelmäßig im Einsatz. Was für Europa noch neu ist, gehört in China zwar noch nicht ganz zum Alltag, lässt aber kaum noch jemanden das Handy für ein Selfie zücken. Die Robobusse sind im Alltag angekommen. Dieser Pioniergeist bei der Elektrifizierung des öffentlichen Nahverkehrs und der frühe Mut zum autonomen Fahren zahlen sich für die chinesischen Hersteller von Robobussen jetzt aus.

Fortschritt als Notwendigkeit

Es ist, als passten plötzlich alle Teile eines großen Puzzles zusammen: Die Technik ist ausgereift genug. Die industriellen Lieferketten der E-Mobilität sind ausgereift. Die Überalterung vieler Gesellschaften verstärkt den Arbeitskräftemangel. Gleichzeitig sehen sich immer mehr Menschen nach sauberer Atemluft im Zentrum ihrer Städte.  (se)

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