RISC-V ist längst keine Nischentechnologie mehr. Insbesondere in der Automobilindustrie erfreut sich die Befehlssatzarchitektur wachsender Beliebtheit. Christoph Herzog, Co-CEO von Tasking, kommentiert die Chancen und Herausforderungen.
RISC-V ist längst keine Nischentechnologie mehr, sondern auch in der Automobilindustrie angekommen.
(Bild: Tasking)
Seit Jahren besteht in der Automobilindustrie der Trend zu mehr Software in Fahrzeugen, mit dem Ziel, das Software-definierte Fahrzeug auf die Straße zu bringen. Immer mehr Funktionen werden nicht mehr durch Hardware, sondern durch Software bestimmt. Damit Software jedoch ihre Flexibilitätsvorteile für Fahrzeuge ausspielen kann, muss auch die zugrunde liegende Hardware die notwendige Basis bieten. Hier kommt RISC-V ins Spiel, denn RISC-V bringt Offenheit und Flexibilität in die Hardware-Welt. Das ist nicht nur ein technischer, sondern auch ein kultureller Wandel.
Natürlich ist die Umstellung auf offene Standards für die komplette Branche eine Herausforderung. Doch wir haben solche Umstellungen auf offene Standards in der Automobilindustrie bereits erfolgreich gemeistert. Ein Beispiel dafür ist die Umstellung auf AUTOSAR. Bei Tasking haben wir aus diesen Umstellungen viel gelernt und können diese Erkenntnisse nun auf den vor uns liegenden Weg anwenden.
Die damals gewonnenen Erkenntnisse, die für RISC-V nützlich sind, lassen sich in drei Hauptthemen unterteilen:
Brücke zwischen zwei Welten: Wir investieren in Werkzeugketten, die sowohl aktuelle Systeme als auch neue RISC-V-Plattformen unterstützen. Unser RISC-V-Compiler basiert auf derselben bewährten Technologie wie unser TriCore-Tool, das als Industriestandard gilt. Unsere Aufgabe als Anbieter von Software-Tools ist es, diesen Übergang so nahtlos, sicher und effizient wie möglich zu gestalten.
Sicherheit geht vor: In der Automobilindustrie ist Sicherheit unabdingbar. Wir begegnen dieser Herausforderung, indem wir sicherstellen, dass unsere Tools denselben Sicherheits- und Cybersecurity-Standards entsprechen, die die Branche verlangt, und indem wir uns auf die Zusammenarbeit mit Halbleiter- und RISC-V-IP-Anbietern wie Infineon oder Synopsys stützen.
Bildung und Entwicklung des Ökosystems: Wir unterstützen den Aufbau des Ökosystems für RISC-V, indem wir gemeinsam mit Partnern Lösungen für virtuelle Prototypen und Starter-Kits anbieten, die die Software-Entwicklung vor der Halbleiterherstellung ermöglichen, sodass Entwickler bereits vor der Verfügbarkeit der Hardware mit RISC-V-Architekturen arbeiten können. Das beschleunigt die Entwicklung des Ökosystems und verkürzt die Markteinführungszeit.
Auf dem Weg zu Software-definierten Fahrzeugen bietet RISC-V die Standardisierung und das Ökosystem, die erforderlich sind, um eine neue Ära der Innovation und Zusammenarbeit im Embedded-Bereich einzuläuten.
Daher sehe ich keine besonderen Herausforderungen bei der Umsetzung offener Standards. Im Gegenteil, die Automotive- und Software-Tool-Branchen haben seit Langem gezeigt, dass offene Standards nicht nur machbar, sondern auch äußerst vorteilhaft sind. Der kommerzielle Erfolg in diesen Branchen hing nie davon ab, Standards proprietär zu halten, sondern vielmehr von der Qualität, Leistung und Benutzerfreundlichkeit der Umsetzung. In diesem Zusammenhang sind offene Standards kein Hindernis, sondern die Basis.
Tools für die Transformation
Ich bin davon überzeugt, dass alle unsere Produkte für RISC-V bereit sein müssen. Auf der vorigen Embedded World haben wir bereits gezeigt, wie unsere Produkte zum Kompilieren und Debuggen des Codes verwendet werden, der auf dem virtuellen Prototyp von Infineon ausgeführt wird.
Die Design-Überlegungen für den Compiler sind einheitlich geblieben und konzentrieren sich auf die Optimierung der Ausführungsgeschwindigkeit und der Code-Größe bei gleichzeitiger Einhaltung der Ziele für funktionale Sicherheit und Cybersecurity. Allerdings sollten Debugging und Verifizierung, die etwa 50 Prozent der Entwicklungskosten ausmachen, nicht außer Acht gelassen werden. Der winIDEA-Debugger von Tasking ist seit Langem für die virtuellen Prototypen von Infineon verfügbar. Er unterstützt Software-Entwickler, indem er die Komplexität des virtuellen Modells verbirgt und eine umfassende Debugging-Erfahrung sowie Funktionen wie OS-bezogenes Debugging und Profiling auch auf virtuellen Hardware-Lösungen bietet.
Der Vorteil der Verwendung unserer Tools besteht darin, dass alle für das virtuelle Modell entwickelten Test- und Debug-Skripte wiederverwendet werden können, sobald physische Hardware verfügbar ist.
Branchenübergreifende Zusammenarbeit wird immer wichtiger
Ich gehe davon aus, dass die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen im Automotive-Bereich in den kommenden Jahren zunehmend strukturierter, transparenter und technologiegetriebener werden wird. Die Komplexität moderner Fahrzeuge – insbesondere angesichts der zunehmenden Bedeutung Software-definierter Architekturen, Elektrifizierung und autonomer Systeme – erfordert ein bisher unbekanntes Maß an branchenübergreifender Zusammenarbeit.
Als Compiler- und Tool-Anbieter mit Schwerpunkt auf funktionaler Sicherheit und Cybersecurity beobachten wir eine zunehmende Annäherung zwischen Halbleiterunternehmen, Automobilherstellern, Tier-1-Zulieferern und Tool-Anbietern. Diese Annäherung wird durch die Notwendigkeit angestoßen, strenge Sicherheitsstandards und Cybersecurity-Vorschriften zu erfüllen. Diese Herausforderungen können nur durch eine frühzeitige und intensive Zusammenarbeit entlang der gesamten Lieferkette effektiv bewältigt werden.
Wir glauben, dass die Zukunft in Ökosystemen liegt, in denen jeder Akteur sein Fachwissen einbringt, aber innerhalb eines gemeinsamen Rahmens aus Vertrauen, Rückverfolgbarkeit und Compliance arbeitet. Dabei geht es nicht nur um technische Integration, sondern auch um kulturelle Anpassung und langfristige Partnerschaften.
Das wird auch daran deutlich, dass die RISC-V-Community etwas ganz Besonderes ist: Wenn man sich auf Konferenzen oder ähnlichen Veranstaltungen trifft, herrscht immer eine einzigartige Atmosphäre, geprägt von offener Zusammenarbeit und einer hohen Energie im Raum. Es ist unglaublich inspirierend zu sehen, wie Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund zusammenkommen, so frei Ideen austauschen und wirklich auf den Perspektiven der anderen aufbauen.
Stand: 08.12.2025
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Ein Teil eines Ökosystems, der oft übersehen wird, ist der Anwender. Aber das Feedback der Anwender ist für die Gestaltung des Ökosystems von entscheidender Bedeutung. Diese Denkweise ist für Tasking nichts Neues: Die Tools werden von Entwicklern verwendet, die Systeme erstellen, die hohen Standards in Bezug auf Zuverlässigkeit, Leistung und Compliance entsprechen müssen. Das bedeutet, dass wir es uns nicht leisten können, in einem Vakuum zu arbeiten.
Letztlich ist ein gesundes Ökosystem eines, in dem alle Akteure – Halbleiterhersteller, Tool-Anbieter und Anwender – in ständigem Dialog stehen. Feedback ist das Bindeglied, das diesen Dialog zusammenhält und sicherstellt, dass Innovationen sowohl relevant als auch nachhaltig sind. (se)