Zettler ElectronicsRelais-Hersteller für die Ladebranche: „Wir sind Impulsgeber“
Von
Christian Otto
5 min Lesedauer
Automobilhersteller wie Ladeinfrastrukturanbieter setzen bei Kabeln, Wallboxen und anderen Produkten auf Relais von Zettler Electronics. Im Gespräch erklärt Produktmanager Alexander Stöckel, wie durch den Auftrag einer Sportwagenmarke der Einstieg ins EV-Geschäft begann, wie der Markt tickt und wie tief die Wertschöpfung ist.
Zettler hat sein EV-Geschäft konsequent ausgebaut und will vor allem mit Innovationen punkten.
(Bild: Zettler Electronic)
Im Jahr 2016 hat Zettler Electronics sein Produktprogramm für Anwendungen der Elektromobilität erweitert. Welchen Anteil am Geschäftsumsatz der Gruppe nehmen diese Produkte aktuell ein?
Wenn man es genau nimmt, sind wir sogar schon 2014 in den Bereich eingestiegen. 2016 haben wir dann die ersten Infos hierzu veröffentlicht. Zwei Jahre zuvor haben wir ein Ladekabel für einen deutschen Sportwagenhersteller mit umgesetzt. Die Anforderungen waren damals in dem Bereich nicht genau definiert, da die Normengebung noch nicht so weit war. Das hat sich in den vergangenen Jahren entwickelt und es wurden speziell auf EV-Applikationen abgestimmte Normen veröffentlicht (z.B.: IEC61851-1 / IEC62752 IC-CPD / IEC62955 RDC-DD). Daher gab es in der Anfangsphase keinen speziellen EV-Relais und es wurden Solar-Relais eingesetzt. Deshalb ist eine genaue Abgrenzung des Umsatzanteils in diesem Zeitraum nicht ganz einfach darzustellen. Mittlerweile haben wir mit den AZEV eigene EV-Relais-Serien. Damit generieren wir aktuell 20 Prozent unseres Umsatzes. Wenn man den gesamten Bereich EV betrachtet, macht das 30 bis 40 Prozent vom Gesamtumsatz aus. Da zählen auch noch Displays und andere Produkte dazu.
Dann sprechen wir 2024 von zehn Jahren Expertise im EV-Bereich: Sie waren damals einer der ersten Relais-Hersteller am Markt, der sich auf die Elektromobilität fokussiert hat. Haben Sie so einen Vorsprung gegenüber danach folgenden Mitbewerbern aufbauen können?
Alexander Stoeckel sieht Zettler Electronics durch Innovationen im EV-Markt gut aufgestellt.
(Bild: Zettler Electronics)
Wir hatten einen Vorteil, da wir viel aus dem Solarbereich übernehmen konnten. Dass der erste Kunde ein OEM war, war ein weiterer Vorteil. Somit kamen wir mit Entscheidern in Bezug auf die Ausarbeitung der neuen Normen in Kontakt. Das war zu einem frühen Zeitpunkt der Elektromobilität. Da konnten wir Themen einbringen, die uns geholfen haben. Die Normen waren auf Schütze und nicht auf Relais ausgelegt. Hier waren wir gefragt. Das gab uns einen großen Vorsprung. Somit wurden wir in der Entwicklungsphase sehr früh von Marktbegleitern unseres Kunden wahrgenommen.
Und warum sind die großen Relaishersteller nicht so früh in das Geschäft eingestiegen?
Im Gegensatz zu den drei größten Relaisherstellern waren wir sicherlich flexibler um auf neue Marktanforderungen zu reagieren. Die Stückzahlen in einem neuen, sich entwickelndem Markt waren für die großen Hersteller anfangs zu gering. Die hatten große automatische Linien und wollten deshalb die vielschichtigen Anforderungen nicht abbilden. In der Anfangsphase wurden unsere Solar-Relais noch auf teilautomatisierten Linien gefertigt, hingegen werden unsere EV-Relais von Beginn an auf vollautomatisierten Linien produziert. So kommen wir auch in Stückzahlen, um den Markt überhaupt bedienen zu können. Dass große Hersteller in den Markt drängen, ist klar. Aber ich glaube, dass wir immer noch sehr gut aufgestellt sind. Wir müssen früh auf die Marktanforderungen, die nun kommen, reagieren. Wir investieren in der Gruppe, um bei den Innovationen vorn zu bleiben.
Ein aktuelles Produkt aus Ihrem Relais-Programm ist das AZEV200. Welche Innovationen stecken in dem Bauteil und welche Vorteile bietet es Ihren B2B-Kunden?
Unser Produkt ist nicht einzigartig am Markt, aber der Wettbewerb hat Probleme die sehr speziellen Anforderungen abzubilden. Die Anforderungen an die Kurzschlussstromfestigkeit sind im EV-Bereich mehr als anspruchsvoll. Wir können dies durch die spezielle Konstruktion der Kontaktfedern realisieren. Bedingt durch im Kurzschlussfall auftretende Levitationseffekte heben die Kontakte nicht ab, sondern die Kontaktkraft wird dadurch noch verstärkt. Der Vorteil für den Kunden beim Einsatz in einer Wallbox besteht ebenfalls darin, dass das Relais die Anforderungen der IEC62955 in Bezug auf Kurzschlussfestigkeit besteht und somit in Kombination mit einem RDC-Monitoring-Modul (Differenzstromsensor) als Schaltgerät in einem RDC-Monitoring Device eingesetzt werden kann. Somit kann auf den Einsatz eines teuren RCD Typ B verzichtet werden und statt dessen ein RCD Typ A eingesetzt werden. Ebenso erfüllt es die Kurzschlussfestigkeit die nach IEC62052-11 für Elektrizitätszähler (metering) gefordert wird. Dies ist dann erforderlich, wenn das Laden abgerechnet werden soll.
Stichwort Kunden: Welche Unternehmen arbeiten mit Ihnen zusammen und nutzen beispielsweise das AZEV200? Sind es nur OEMs oder auch Tier-1-Zulieferer?
Wir arbeiten mit Automobilherstellern, Tier-1-Zulieferern und Start-ups im gesamten Europa zusammen.
Wie steil ist die Innovationskurve bei Ihren Produkten? Wird diese durch die Vorgaben der Automobilhersteller sowie Hersteller von Ladeinfrastruktur nochmals forciert?
In der Vergangenheit war das Lasten- und Pflichtenheft entscheidend. Es war sehr schön, da die Vorgaben klar waren. Da hat sich der Markt gewandelt. Das Normengeflecht der letzten fünf Jahre, fordert viele Hersteller von Ladeinfrastruktur heraus. Das bietet uns die Chance, diese Kunden noch mehr zu beraten. Wir sind also der Impulsgeber, da wir die technische Kompetenz mitbringen. Wie arbeiten nicht mehr nur ab, sondern können gestalten.
Neben den Relais bietet Zettler auch noch Displays und Strommesstransformatoren. Wie stark werden diese Lösungen abgefragt und wie viel Entwicklungsleistung fließt in diese Produktkategorien?
Auf die Displays bezogen findet hier bei uns in Deutschland keine Entwicklung statt. Dies wird in unserem Werk in China umgesetzt. Wir haben hier einige Projekte mit Herstellern von Ladeinfrastruktur in denen unsere Displays eingesetzt werden. Bezogen auf unseren Gesamtumsatz sind die Produktdivisionen Wickelgüter und Displays wesentlich geringer als unsere Relais mit etwa 85 Prozent. Gerade im Bereich der Wickelgüter und mit neuen Produkten wie unsere Sensoren ACST265-10 oder CT50A01 für den Einsatz in Ladeinfrastruktur sehen wir hier hohes Wachstum. Neben vielen kundenspezifischen Lösungen, die sich in Entwicklung befinden, wird gerade auch ein Differenzstromsensor für die Fehlerstromüberwachung in Wallboxen realisiert, der Anfang 2024 auf den Markt kommt.
Wie bewerten Sie als Lieferant die Entwicklungen rund um die Elektromobilität? Wo sehen Sie noch Potenzial?
Wir sind aktuell sehr zufrieden. Generell ist es jedoch oft problematisch, da hier der Automotivesektor auf den Energiesektor trifft. Es erfordert oft sehr viel Beratung bei Kunden, die aus dem Bereich Energie kommen, vormals auf der Hutschiene unterwegs waren und jetzt, bedingt durch steigende Absatzzahlen auf die Leiterplatte gehen um wirtschaftlich große Stückzahlen abbilden zu können. Bei Automotive-Kunden werden oft Mengenszenarien abgebildet, die sich dann als zu optimistisch herausstellen. Der Markt wird generell wachsen und wir setzen alles daran unser Wachstum mit diesem Markt weiter voranzutreiben. Potenzial besteht sicherlich beim Abbau von Bürokratie bei der Installation und Inbetriebnahme von Ladepunkten. Wir haben diese gerade selbst bei uns im Unternehmen erleben können. Die Förderung war schnell beantragt und auch genauso schnell bewilligt. Die Dauer bis es dann zu einer Genehmigung des Netzbetreibers kam, war in unserem Fall aber eher ernüchternd.
Stand: 08.12.2025
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