Plug-In-Hybrid

Porsche 918 Spyder: Zukunft des Sportwagens?

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Nordschleife unter sieben Minuten

Die Regie führt der Fahrer mit dem Gasfuß oder dem so genannten Map-Schalter am Lenkrad: Ähnlich wie das legendäre Manettino von Ferrari regelt es den Charakter und mit ihm die Betriebsstrategie des Öko-Renners: Vom rein elektrischen Betrieb in der ersten bis zum Race-Mode in der vierten Stufe.

Und wer dann noch wie der Schütze im Kampfjet den roten Kopf drückt, der kann im Modus „Hot Lap“ für eine heiße Runde alle Reserven mobilisieren: Der Akku entlädt weiter, als es ihm auf Dauer gut tut, die E-Maschinen boosten, was das Zeugt hält und der Verbrenner dreht auf höchsten Touren. So schafft man den Sprint von 0 auf 100 in 2,6 Sekunden, stürmt in unter 20 Sekunden auf 300 km/h, erreicht bei Vollgas 345 km/h – und vor allem schafft man die Nordschleife so in weniger als sieben Minuten.

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Insgesamt 1.280 Newtonmeter

Schaltet man die fünf Modi durch, erlebt man tatsächlich deutliche Unterschiede: Ruhig aber rasant fährt der 918 in der Grundstellung bis Tempo 150 rein elektrisch. Man erlebt den Hybridmodus mit dem effizientesten Zusammenspiel der beiden Motoren, in dem er den Normverbrauch von drei Litern schafft. Man freut sich am fast schon brutalen Brüllen des 4,6 Liter großen Rennmotors im Rücken, der so wunderbar vorlaut in die Strom-Stille platzt.

Und vor allem staunt man, mit welcher Urgewalt der 918 einen Satz nach vorne macht, wenn die beiden E-Motoren und der Verbrenner gemeinsam zur Sache gehen. Zusammen 1.280 Nm katapultieren die 1,7 Tonnen schwere Karbonflunder dann nach vorne und pressen einen so tief in die Sitze, dass der eben noch verdammt knappe Hosenträger-Gurt plötzlich wieder ziemlich viel Spiel hat. Dabei bleibt der 918 sehr lange extrem gut beherrschbar. Ja, er ist bretthart gefedert, die Keramikbremsen haben einen Biss wie Höllenhunde und die Lenkung reagiert extrem scharf. Doch dafür kann man den Wagen mit Torque Vectoring und Hinterachslenkung so präzise um den Kurs führen wie ein Chirurg sein Skalpell.

Unterwegs nachladen

Anders als bei Elektrosportwagen wie dem Tesla, dem SLS ed von Mercedes oder dem verhinderten Audi e-Tron muss man dabei nicht nach der Reichweite schauen. Klar ist der Akku nach knapp 30 Kilometern irgendwann leer, und auf der Nordschleife fühle sich das Auto danach plötzlich an, als ob es stehe, klagt PS-Veteran und Porsche-Werksfahrer Walter Röhrl. Aber statt den 918 dann 3,8 Stunden an die Steckdose oder 25 Minuten an den weitere 20.000 Euro teuren Schnelllader zu hängen, kann man einfach weiter fahren. Denn der V8 hat so viel Power, dass er die Batterie auch unterwegs in fünf Minuten wieder laden kann.

Plug-In-Hybrid in künftigen Modellen

In der Zwischenzeit jedoch liegt wieder ein vertrautes Brüllen in der Luft es riecht nach heißem Öl und verbranntem Gummi – und für die Porsche-Fahrer ist die Welt wieder in Ordnung. Wenn es nach Entwicklungschef Wolfgang Hatz geht, wird sich die Kundschaft an dieses ungewohnte Wechselspiel gewöhnen müssen. Nicht nur, weil der abgespeckte 918-Antrieb wohl noch in dieser Generation auch im 911 Einzug hält. Sondern weil der Plug-in-Hybrid der Sportwagenschmiede womöglich auf Dauer den Bestand sichern wird: „Damit beweisen wir auch kritischen Beobachtern, dass Sportwagen noch eine große Zukunft haben.“

Technische Daten – Porsche 918 Spyder

Zweisitzer Supersportwagen mit herausnehmbaren Dachhälften

  • Länge: 4,65 Meter, Breite: 1,94 Meter, Höhe: 1,17 Meter, Radstand: 2,73 Meter,
  • Kofferraumvolumen: ca. 110 Liter,
  • 4,6-Liter- V8-Benziner und 2 E-Motoren, 652 kW/887 PS,
  • max. Drehmoment: 1.280 Nm,
  • Vmax: 345 km/h,
  • null bis 100 km/h in 2,6 Sekunden,
  • 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe,
  • Normverbrauch: 3,0 Liter/100 km,
  • CO2-Ausstoß: 70 g/km,
  • Preis 768.026 Euro.

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